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Sechzehntausend Seiten Text

Das Vorhaben

Ein Konversationslexikon in 16 Bänden und mehr herauszugeben, ist eine gewaltige logistische Leistung. So ein Werk muss mit seinen hunderttausend Stichworten viele Wissensgebiete gleichmäßig abdecken, denn auffällige Lücken würden dem Ruf eines Lexikons sehr schaden. Gleichzeitig darf der Inhalt nicht zu ausführlich sein, da die Käufer nicht beliebig viel Geld und Regalplatz für ihr Lexikon aufzubringen bereit sind. Und bei all der Masse sollte auch noch der aktuelle Stand des Wissens wiedergegeben werden.

Bevor mit dem Druck begonnen werden kann, muss der Inhalt, das "Manuskript", feststehen. Im Fall der 4. Auflage von Meyers Konversationslexikon dauerte die Herstellung des Manuskripts 7 Jahre, ungewöhnlich lange für ein solches Projekt. Der Grund dafür war eine grundsätzliche Neuaufteilung der Wissensbereiche, weswegen erst ein Probemanuskript erarbeitet wurde.

Ein solches Riesenwerk lohnt sich nur bei recht hohen Auflagen. Hier waren zunächst 170000 Serien geplant. Bei den enormen finanziellen Vorleistungen kann der Verlag nicht warten, bis alle 16 Bände fertig gedruckt am Lager liegen, um dann erst die Bücher anzubieten. Deswegen wurden die Lexika Lage für Lage gedruckt und in wöchentlichen oder vierteljährlichen Lieferungen an die Leser wie ein Abonnement verkauft. Bis die 16 Bände der 4. Auflage gedruckt und ausgeliefert waren, dauerte es 4½ Jahre. Es vergingen also von den ersten Arbeiten bis zum Buchstaben Z ca. 12 Jahre, was mit dem Anspruch an Aktualität im Widerspruch steht. Deshalb gab des in den ersten drei Jahren nach Fertigstellung des Lexikons Nachträge ("Jahres-Supplemente"), in denen neueste politische und wissenschaftliche Entwicklungen behandelt wurden.

Verteilung der Aufgaben

Herrmann Julius Meyer
Herrmann Julius Meyer
Arndt Meyer
Arndt Meyer
Julius Bornmüller
Julius Bornmüller
Hans Meyer
Hans Meyer

In der Verlagsleitung gab es während der Produktionszeit der 4. Auflage einen Generationenwechsel. Das Manuskript entstand noch unter der Verlagsleitung von Herrmann Julius Meyer (1826-1909), der den Verlag seit 1856 leitete und bereits die drei vorangegangenen Auflagen herausgegeben hatte. Er übergab 1884 die Firmenleitung und den fast fertigen Lexikontext seinen Söhnen. So waren als Herausgeber der 4. Auflage Hans Meyer (1858-1929) für die Verlagsplanung und das Lektorat und Arndt Meyer (1859-1928) für den Vertrieb zuständig.

Die einflussreichste Person, was Inhalt und Form des Lexikons betrifft, war Julius Bornmüller (1839-1917). Als leitender Redakteur trug er die Verantwortung für den Text und die Organisation der schriftstellerischen Arbeiten. Ihm standen zahlreiche Redaktionsmitglieder und Angestellte in der Zentrale des Bibliographischen Instituts in Leipzig zur Seite.

Die Fachartikel wurden von 162 wissenschaftlichen Autoren und deren Mitarbeitern geschrieben, die in ihren Heimatstädten arbeiteten und ihre Artikel in die Zentralredaktion sandten. Eine Aufstellung der Fachautoren und ihrer Gebiete findet sich am Ende des ersten Bandes.

Das Manuskript

Bereits 1878, also sieben Jahre vor dem ersten Druck, hatten die Vorarbeiten zur 4. Auflage begonnen: einige Exemplare der vorangegangenen Auflage wurden in Einzelartikel zerschnitten, auf große Bögen geklebt und auf ihre Verwendbarkeit überprüft. Überflüssiges wurde gestrichen, Lücken erfasst und Ergänzungen beschlossen. Daraus wurde ein detaillierter Plan für das neue Lexikon entwickelt, der den Umfang, die meisten Stichworte, die gewünschten Abbildungen und formale Kriterien der Artikel schon weitgehend festlegte. Für die Überarbeitung oder Neuerstellung der Artikel zu Spezialgebieten wurden Fachredaktionen in verschiedenen Universitätsstädten in ganz Deutschland und auch im Ausland gegründet. Für jedes Wissensgebiet war ein Fachwissenschaftler zuständig, der viele Artikel selbst schrieb und Aufträge an weitere Fachleute weitergab. So behielt man auch bei Details die Übersicht und konnte die verschiedenen Artikel zu einem Thema widerspruchsfrei und einheitlich gestalten.

Während die Fachredaktionen an ihren Inhalten arbeiteten, wurden von der Zentrale in Leipzig die Artikel zu zeitgenössischen Künstlern, Wissenschaftlern, Politikern u. s. w. und zu geographisch-statistischen Stichworten recherchiert. In vielen Fällen wurden die Persönlichkeiten direkt angeschrieben und konnten so an der Erstellung ihres eigenen Artikels teilhaben. Ebenso basierten viele der Ortsbeschreibungen auf Angaben, die von den kommunalen Verwaltungen selbst stammten. Nach Möglichkeit wurden bis zum letzten Moment die statistischen Daten und Literaturangaben aktualisiert, so dass z. B. im 1. Band Einwohnerzahlen von 1884, im letzten Band von 1889 zu finden sind.

Nachdem die Artikel aus den Fachredaktionen in der Zentrale eingetroffen waren, mussten sie noch einen Lektorierungsprozess durchlaufen, um in Länge, Formulierung und Schreibweise dem Gesamtwerk angeglichen zu werden. Ein spezielles Karteikastensystem half der Redaktion in Leipzig, das Querverweissystem intakt zu halten. Im Frühjahr 1885 hatte das Manuskript den vorläufigen Reifegrad erreicht, so dass mit den Vorbereitung zum Druck begonnen werden konnte.

Quellen-Lesetipp: Der Verlagschef Herrmann Julius Meyer berichtet über die Arbeit der Meyers-Lexikonredaktion.

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