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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Aachen.

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Aachen'

Anmerkung: Fortsetzung von [Mineralquellen.]

Dazu in unwägbarer Menge: kohlensaures Manganoxydul, Phosphorsäure, Thonerde, Fluorcalcium und (nach Wildenstein) auch Borsäure. An gasförmigen Bestandteilen sind außer Kohlensäure noch Stickstoff, Sauerstoff und etwas Grubengas darin enthalten. Wegen des sehr bedeutenden Schwefelgehalts (der nach neuern Versuchen für die Rosen- und Corneliusquelle der untern Gruppe fast gleich ermittelt worden) ist das Wasser anfangs nicht angenehm zutrinken; doch ist es leicht verdaulich, wie es sich auch als Badewasser durch Weichheit und Milde auszeichnet. Das Dampfbad ist reich an flüchtigem Schwefel, und die Douche, gewöhnlich mit Reiben (Frottieren) verbunden, wirkt eigentümlich kräftig. Die Wirkung der Aachener Schwefelthermen erstreckt sich hauptsächlich auf die drüsigen Organe sowie auf die Schleimhäute der Atmungs-, Verdauungs- und Geschlechtsorgane. Das Wasser wirkt, indem es leicht erregt, auflösend und wird daher mit Erfolg angewandt gegen Gicht, Rheumatismen, chronische Katarrhe, Unterleibsbeschwerden, Leberleiden, Blasen- und Merkurialkrankheiten, Neuralgien, Krankheiten des lymphatischen Systems, weibliche Krankheiten etc. Zu widerraten ist der Gebrauch dieser Quellen bei Vollblütigkeit, fieberhaften Beschwerden, bedeutender Schwäche innerer wichtiger Organe und großer allgemeiner Aufregung des Nervensystems. Der seit 1865 begonnene Versand des Wassers der Kaiserquelle ist durch eine neue Füllungsmethode wichtig geworden, da man nun überall sich das natürliche Aachener Schwefelwasser verschaffen kann. Die Sommersaison dauert vom 1. Mai bis Ende Oktober; in neuester Zeit hat auch die Wintersaison großen Aufschwung genommen. Außer den warmen Quellen hat A. noch mehrere kalte Eisenquellen, die den Wassern von Pyrmont und Schwalbach nicht nachstehen und meist äußerlich gegen allgemeine Schwäche, Unregelmäßigkeiten der Menstruation, Krämpfe etc. gebraucht werden, sowie eine Molkenkuranstalt. Vgl. Liebig, Chemische Untersuchungen der Schwefelquellen Aachens (Aach. 1851); Lersch, Geschichte des Bades A. (das. 1870); Derselbe, Die Thermalkur zu A. (das. 1872); Schuster, Verhaltungsmaßregeln etc. (3. Aufl., das. 1876); Reumont, Die Thermen von A. und Burtscheid (4. Aufl., das. 1877); Derselbe, Über Winterkuren an Schwefelthermen (das. 1877).

A. ist Sitz der Regierung, eines Landratsamts, eines Land- und Schwurgerichts sowie einer Handelskammer (mit Burtscheid). Der Landgerichtsbezirk umfaßt die 16 Amtsgerichte zu A., Aldenhoven, Blankenheim, Düren, Erkelenz, Eschweiler, Eupen, Geilenkirchen, Gemünd, Heinsberg, Jülich, Malmedy, Montjoie, St. Vith, Stolberg und Wegberg.

Die Umgebungen Aachens sind freundlich. Rings um die Stadt sind vortreffliche Promenaden angelegt, die mit Sorgfalt unterhalten werden (Stadtgarten in Verbindung mit einem botanischen Garten). Sehr anziehend ist der Spaziergang nach dem Lousberg, einem 250 m hohen Hügel nördlich von der Stadt, mit herrlicher Aussicht. Vom Lousberg, zugleich einem ergiebigen Fundort für Petrefakten der Kreideformation, durch einen Einschnitt getrennt, erhebt sich der Salvatorberg, mit Kapelle, 1883-84 nach den ältesten Plänen neu aufgebaut. Ein großartiges neues, im Bau befindliches Stadtviertel, überwiegend auf Burtscheider Gebiet, umgrenzt die neuerdings in ein Gartenrestaurant umgewandelte Frankenburg, den sagenhaften Lieblingsaufenthalt Karls d. Gr. und Fastradas, in parkartiger Umgebung. Zwei neue Badehäuser, das Schloßbad und das Luisenbad (zu ↔ Burtscheid gehörig), liegen nahebei in den neuen Straßenanlagen, welche A. mit Burtscheid (s. d.) verbindet.

Geschichte. A. gehört zu den ältesten Städten Deutschlands. Der um das 3. Jahrh. auftretende Name Aquisgranum wird von Apollo Granus hergeleitet, den die Römer bei Thermen verehrten. Die Bäder werden zuerst unter Alexander Severus erwähnt. Zu Cäsars Zeit wohnte hier der germanische Stamm der Eburonen. Schon unter König Pippin bestand daselbst um 753 eine königliche Pfalz, auf welcher Karl d. Gr. häufig Hof hielt. Im J. 881 wurde A. von den Normannen geplündert, erhob sich aber seit 966 als Sitz eines Pfalzgrafen zu höherer Bedeutung, bis dann dies Amt im 12. Jahrh. erlosch, da sich daraus die Pfalzgrafschaft bei Rhein entwickelte. Kaiser Friedrich I. verlieh der Stadt 1166 zwei Messen und ihren Kaufleuten Zollfreiheit durch das Reich, und Wilhelm von Holland erteilte 1250 den vom Rat beschlossenen Statuten seine Zustimmung; doch bestanden als königliche Beamte Vogt und Schultheiß auch weiter fort. Im Mittelalter zählte A. mehr als 100,000 Einw. Es hieß "des heiligen römischen Reichs freie Stadt" und spielte im Rheinischen Städtebund eine hervorragende Rolle. Von Ludwig dem Frommen bis auf Ferdinand I. (813-1531) wurden hier 37 Kaiser und deutsche Könige gekrönt. Im J. 1450 erzwangen die Zünfte durch einen Aufstand Anteil am Stadtregiment. Die Reformation fand zeitig Eingang, ja 1587 wurde der katholische Magistrat verjagt, worauf 1588 die Reichsacht über A. ausgesprochen und von dem Kurfürsten Ernst von Köln vollstreckt ward. Im J. 1605 wies der Reichshofrat sämtliche Protestanten aus der Stadt, und allwährend des jülichschen Erbstreits durch die Nähe protestantischer Heere die Protestanten abermals die Oberhand gewannen, wurden spanische Truppen unter Spinola aus den Niederlanden herbeigerufen und durch sie 1614 das Edikt des Reichshofrats vollzogen. Die Verlegung der Krönungen nach Frankfurt, die Religionsstreitigkeiten und eine große Feuersbrunst 1656 führten Aachens Verfall herbei. Im J. 1793 und wieder 1794 besetzten die Franzosen die Stadt; 1801 wurde sie durch den Lüneviller Frieden französisch und Hauptstadt des Departements der Roer. Im J. 1815 fiel sie an Preußen. Von A. führen zwei Friedensschlüsse den Namen. Der erste Friede von A. beendigte 2. Mai 1668 den sogen. Devolutionskrieg (s. d.) Ludwigs XIV. gegen Spanien. Ludwig XIV. mußte sich mit einem Teil Flanderns, namentlich den Plätzen Charleroi, Ath, Audenarde, Douai, Tournay und Lille begnügen, wogegen Spanien die Franche-Comté zurückerhielt. Der zweite Friede von A., 18. Okt. 1748 zwischen Österreich, England, Holland und Sardinien einerseits und Frankreich, Spanien, dem Herzog von Modena und der Republik Genua anderseits abgeschlossen, beendigte den österreichischen Erbfolgekrieg. Österreich trat in diesem Frieden die italienischen Herzogtümer Parma, Piacenza und Guastalla an den spanischen. Infanten Philipp ab und erhielt dafür die von den Franzosen eroberten österreichischen Niederlande zurück. Die Pragmatische Sanktion Kaiser Karls VI. ward von allen kontrahierenden Mächten anerkannt. Frankreich erhielt von den Engländern die Insel Cape Breton zurück und erkannte die Thronfolge des Hauses Hannover in England an. England erhielt Madras zurück, und der Assientotraktat von 1713 (s. Assiento) ward auf vier Jahre verlängert. Sardinien blieb im Besitz der ihm von Österreich 1743 abgetretenen mailändischen Landesteile. Auf dem

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 6.