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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Abbas Pascha; Abbassiden; Abbāte; Abbāte; Abbau; Abbazia; Abbé; Abbé ***; Abbeokuta

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Abbas Pascha - Abbeokuta.

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Abbas Mirza'

die Türken, ging ohne Kriegserklärung über die Grenze und belagerte Bajesid; einer seiner Generale drang sogar bis Diarbekr vor und machte große Beute. Doch gingen die Eroberungen bald wieder verloren. A. selbst ergab sich dem Trunk und regierte ganz nach Willkür, wie seine Vorgänger. Das Räuberunwesen unterdrückte er zwar mit Strenge, aber die Justiz war verkäuflich, die Statthalter- und Beamtenstellen wurden den Meistbietenden überlassen. Grenzstreitigkeiten führten zu wiederholten Kriegen mit Rußland, in denen A. mehr durch persönliche Tapferkeit als durch Feldherrntalente glänzte. Als der Friede von Turkmantschai (22. Febr. 1828) diese für Persien unheilvollen Unternehmungen abschloß, erhielt A. von der Königlichen Asiatischen Gesellschaft zu London das Diplom als Ehrenmitglied. 1831 und 1832 bekämpfte er die Kurdenhäuptlinge von Chorasan, wodurch er sich aufs neue beliebt machte. Bevor er jedoch die Eroberung von Herat vollenden konnte, starb er im Dezember 1833 in Meschhed an einer Epidemie. Er hinterließ 24 Söhne und 26 Töchter. Sein ältester Sohn, Mohammed Mirza, bestieg 1834 den Thron von Persien.

Abbas Pascha, Vizekönig von Ägypten, Sohn Tussum Paschas, Enkel Mehemed Alis, geb. 1813 zu Dschiddah in Hidschas und in Kairo erzogen, erhielt, 15 Jahre alt, den Posten eines Provinzialinspektors, den er drei Jahre verwaltete, bekleidete dann verschiedene hohe Verwaltungsämter, ward Generalinspektor der Provinzen und bald darauf erster Minister und Präsident des Rats von Kairo. Auf diesem Posten, den er acht Jahre lang bekleidete, gewann er die allgemeine Achtung sowohl der Eingebornen als auch der europäischen Konsuln. Im Krieg von 1841 in Syrien befehligte er eine Division der ägyptischen Armee. Er ward von Mehemed Ali, als dieser 1848 in Krankheit verfiel, zu seinem Stellvertreter eingesetzt, aber von seinem Oheim Ibrahim Pascha, der sich mit Zustimmung der Pforte der Regierung bemächtigte, wieder verdrängt. Der Tod Ibrahims (10. Nov. 1848) rief ihn nach Ägypten zurück. Von den ausländischen Konsuln als legitimer Thronfolger anerkannt, wurde er in Konstantinopel im November 1848 von dem Sultan mit der Würde des Vizekönigs von Ägypten belehnt. Doch zeigte es sich bald, daß er engherzig bigott, träge und wollüstig war und die Fremden und ihre Zivilisation haßte. Er stellte die Arbeiten seiner Vorgänger ein, verminderte Heer und Flotte und schaffte die Kopfsteuer ab; jedoch bedrückte er das Land durch Beschränkung des Handels und Verkehrs und durch Erpressungen. Beim Ausbruch des Kriegs gegen Rußland 1854 stellte er der Pforte 15,000 Mann Landtruppen und seine Flotte zur Verfügung. A. ward am Morgen des 13. Juli 1854 auf einem Diwan in einem Salon seines Palastes Benha el Assel tot gefunden, wahrscheinlich aus Privatrache ermordet. Sein Nachfolger war Said Pascha, ein jüngerer Sohn Mehemed Alis.

Abbassiden, 1) Kalifendynastie, s. Abbas 1) und Kalifen. -

2) Persische Dynastie, s. Abbas 2).

Abbāte (ital.), s. v. w. Abt, Abbé.

Abbāte, Niccolò dell', ital. Maler, geb. 1512 zu Modena, bildete sich nach Correggio, Parmeggianino und Giulio Romano, war vorzugsweise als Freskomaler in seiner Vaterstadt (Schloß Scandiano) und im Gebiet von Bologna thätig; jedoch hat sich von seinen Malereien nur wenig erhalten. Ein für San Pietro in Modena gemaltes Altarbild: Marter der Apostel Petrus und Paulus (Galerie zu Dresden), zeigt ganz den Einfluß Correggios. Im J. 1552 wurde ↔ er von Primaticcio nach Fontainebleau berufen, wo er bis zu seinem Tod (1571) mit jenem an der Ausschmückung des Schlosses mit (meist untergegangenen) mythologischen Darstellungen arbeitete.

Abbau (auch Ausbau), die Errichtung neuer Bauernhöfe, mit Abbruch der alten, auf separierten und zusammengelegten Grundstücken sowie die Anlage von neuen Vorwerken auf größern Gütern. Über Vorteile und Nachteile des Abbaus und Ausbaus vgl. Hofsystem und Zerschlagung der Grundstücke. - Über Abbau im Bergbau s. d. Abgebaut heißt eine Grube, wenn der Erzgehalt erschöpft ist, oder der weitere Bau wegen entgegenstehender Schwierigkeiten aufgegeben wird.

Abbazia, Ortschaft in der österreich. Bezirkshauptmannschaft Volosca (Istrien), in neuester Zeit als Kurort bekannt geworden, in schöner Lage am Quarnerobusen des Adriatischen Meers, mit südlicher Vegetation (schöne Lorbeerwälder), mildem Klima, Seebad, neuem Hotel der Südbahn und (1884) 360 Einw. Vgl. Radics, A. (Wien 1884); Noë, Tagebuch aus A. (Teschen 1884).

Abbé (franz.), ursprünglich s. v. w. Abt. Auf Grund eines zwischen Papst Leo X. und dem König Franz I. von Frankreich abgeschlossenen Kontrakts stand den Königen von Frankreich das Recht zu, 225 Abbés commendataires für fast alle französischen Abteien zu ernennen. Seit Mitte des 16. Jahrh. führten den Titel A. überhaupt junge Geistliche mit oder ohne geistliche Weihen. Ihre Kleidung bestand in einem schwarzen oder dunkelvioletten Gewand mit kleinem Kragen, und ihr Haar war in eine runde Haarlocke geordnet. Da von diesen nur wenige zum Besitz einer Abtei gelangen konnten, so fungierten einige als Hauslehrer, Gewissensräte etc. in angesehenen Familien, andre widmeten sich der Schriftstellerei. Erst mit der Revolution verschwanden sie aus der Gesellschaft. Vielfach wendet man den Titel A. (ital. Abbate) noch in Briefen an junge Geistliche an.

Abbé *** (Abbé Trois-Étoiles), der pseudonyme Verfasser mehrerer antiklerikaler französischer Romane, welche in den 60er Jahren einiges Aufsehen erregt haben, und von denen "Le Maudit" (1863) und "La Religieuse" (1864) die bemerkenswertesten sind. Die Autorschaft dieser Romane wurde in den Pariser litterarischen Kreisen bald Louis Ulbach, bald dem Abbé Michon und bald Ferdinand Fabre zugeschrieben, von allen dreien aber mehr oder weniger entschieden verleugnet.

Abbeokuta, Hauptstadt der Egba im Reiche Joruba in Westafrika, am schiffbaren Ogun, 89 km nördlich vom Hafenplatz Lagos an der Guineaküste. Der über 100,000 Einw. zählende Ort dehnt sich zu beiden Seiten des Ogun aus; er ist von einer 2 m hohen, ca. 20 km langen Erdmauer umgeben, durch welche fünf Thore führen, und besteht eigentlich aus einem Komplex mehrerer schmutziger Ortschaften mit viereckigen, strohgedeckten Negerhütten. Als hervorragendes Gebäude kann nur die hölzerne christliche Kirche gelten. Es besteht oder bestand eine Zeitung, die in der Egbasprache von den Zöglingen der Missionsschulen gedruckt wurde. Sehr lebhaft ist der Handel mit Palmöl, das auf dem Ogun nach Lagos verschifft wird, von wo dagegen alle europäischen Industrieprodukte eingeführt werden. - Der zu A. gehörige Distrikt, das sogen. Königreich A., ist nur klein. An der Spitze steht ein Alake oder Häuptling, in gewisser Beziehung ein konstitutioneller Monarch, neben dem die Ältesten und die vom Volk erwählten Ogboni Einfluß auf die Regierungsgeschäfte und Steuererhebung

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 17.