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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Abu Simbal; Abulfaradsch; Abúlfeda; Abulghàzi Behàdur; Abulīe; Abulkāsem; Abūna; Abundantĭa; Abuschehr

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Abulfaradsch - Abu Simbal.

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Abukir'

Meister des Mittelmeers, und der Zweck der französischen Expedition nach Ägypten war vereitelt. In dem weitern Kampf wurde die Gegend von A. auch noch zweimal Zeuge von Landschlachten. Die Pforte, von England unterstützt, wollte nach dem für Frankreich schlimmen Ausgang des syrischen Feldzugs Ägypten wiedererobern. 18,000 Mann unter Mustafa landeten Mitte Juli bei A. und setzten sich in diesem von den Franzosen befestigten Platz fest, wurden aber von Bonaparte, der mit 5000 Mann Infanterie und 1000 Pferden schnell herbeieilte, 25. Juli 1799 in einer mörderischen Schlacht geschlagen und fast ganz aufgerieben, worauf die Franzosen 2. Aug. auch A. wiedereroberten. Am 8. März 1801 landete ein englisches Korps unter Abercromby, nötigte den General Friant zum Rückzug, eroberte das Fort A. und nahm 30 km davon eine verschanzte Stellung. Hier wurde es 21. März von Menou angegriffen. Kaltblütig schlugen die Briten zwei Angriffe zurück. Dann entschied Abercromby durch eine umgehung der Franzosen die Schlacht, die ihn selbst das Leben kostete, aber auch die völlige Räumung Ägyptens von den Franzosen bewirkte.

Abulfaradsch, s. Bar Hebräus.

Abúlfeda ("Vater der Treue"), Ismail ibn Ali, arab. Fürst und berühmter Gelehrter aus dem Geschlecht der Ejubiden, geb. 1273 zu Damaskus, wohin sein Vater Malek al Afdal Ali, Bruder des Herrschers von Hamat, Malek al Mansur, vor den Mongolen geflohen war, kämpfte schon 1288 bei der Erstürmung von Tripolis durch den ägyptischen Sultan Malek al Mansur und bei Akkon unter dem Sultan Malek al Aschraf. Besonders aber that er sich in dem Kriege gegen die Mongolen hervor. Als 1299 der Sultan von Hamat, Malek al Modassar, Abulfedas Vetter und Beschützer, starb, benutzte der Sultan von Ägypten dessen kinderlosen Tod, besetzte Hamat und verlieh A. 1310 die Statthalterschaft daselbst. Obwohl Vasall Ägyptens, ward er doch von dessen Beherrschern mit dem Titel Sultan beehrt und hoch geachtet. Er starb 26. Okt. 1331. Er hat mehrere wichtige Werke in arabischer Sprache hinterlassen, darunter namentlich Annalen, die bis 1328 reichen und eine reiche Fundgrube für die Geschichte der mosleminischen Herrscher bis dahin bieten. Fleischer gab davon heraus die "Historia anteislamica" (Leipz. 1831), Gagnier "De vita et rebus gestis Muhammedis" (Oxf. 1722), Noël Desvergers "Vie de Mohammed" (Par. 1837), Reiske das ganze Werk mit Ausnahme der antisemitischen Geschichte unter dem Titel: "Annales moslemici" (Kopenh. 1789-94, 5 Bde.). Das Autograph Abulfedas ist auf der kaiserlichen Bibliothek zu Paris. Bekannt ist auch eine Geographie Abulfedas ("Thakwig al boldan"), von welcher mehrere Stücke arabisch und lateinisch herausgegeben wurden, z. B. "Tabula Syriae" von Köhler (Leipz. 1766), "Descriptio Aegypti" von Michaelis (Götting. 1766) und "Arabiae descriptio" von Rommel (das. 1802-1804). Eine Ausgabe des ganzen Werks besorgten Reinaud und Mac Guckin de Slane (Par. 1837-40) nebst einer französischen Übersetzung (1848, Bd. 1 u. 2) und Schier eine autographierte Ausgabe (Dresd. 1842). Die Handschrift desselben befindet sich auf der Leidener Bibliothek. A. hat außerdem mehrere in das Gebiet der Rechtsgelehrsamkeit, Mathematik, Logik und Medizin einschlagende Werke geschrieben.

Abulghàzi Behàdur, tatar. Chan und Geschichtschreiber, geb. 1605 zu Ürgendsch, angeblicher Sprößling der Familie Dschengischans, aus einem ↔ Seitenzweig der Familie Dschüdschis, die bis zum Ende des 15. Jahrh. über die Goldene Horde herrschte, zu welcher auch Charesm gehörte. A. ertrug großes Ungemach, bevor er 1644 den Thron von Chiwa bestieg, regierte 20 Jahre, machte sich durch seinen Mut allen seinen Feinden furchtbar und dehnte zweimal die Grenzen seines Landes bis an die Ufer des Serafschan in Bochara aus; 1663 legte er die Regierung zu gunsten seines Sohns nieder und begann im osttürkischen Dialekt eine genealogische Geschichte der Türken, welche nach seinem Tod (1665) sein Sohn vollendete, und die als die glaubwürdigste Geschichte seines Zeitalters angesehen wird. Der Graf Strahlenberg brachte dieselbe während seiner Gefangenschaft in Sibirien an sich, und seitdem ist sie fast in alle europäischen Sprachen übersetzt worden. Nach der ersten deutschen Übersetzung ward die "Histoire généalogique des Tatares" (Leid. 1726, 2 Bde) gearbeitet. Eine neue Übersetzung lieferte Messerschmid unter dem Titel: "Geschlechtsbuch der mungalisch-mogulischen Chane" (Götting. 1780). Das Original wurde in Kasan gedruckt ("Historia Mongolorum et Tartarorum", 1825) und erschien seitdem in einer französischen Übersetzung mit Kommentar von Desmaisons (Petersb. 1871-74, 2 Bde.).

Abulīe (griech., "Willenlosigkeit"), eine Form von Geisteskrankheit, die gewöhnlich mit Melancholie zusammen vorkommt. Die Kranken klagen, daß sie nichts arbeiten und zu keinem Entschluß kommen können etc., obwohl sie doch die Notwendigkeit deutlich einsehen; hierin liegt der Unterschied zwischen A. u. Schwachsinn.

Abulkāsem (Abulkasis), Arzt, geboren zu Zahera bei Cordova, gest. 1106 oder 1107 in Cordova, war hauptsächlich Chirurg und schloß sich an Paul von Ägina an. Besonders häufig wurde von ihm das Glüheisen angewandt. Für die Geschichte der Medizin ist sein das ganze Gebiet umfassendes Werk "Altasrif" von besonderer Wichtigkeit. Eine (unvollständige) lateinische Übersetzung desselben lieferte Grimm ("Liber medicinae theoricae", Augsb. 1519, Wien 1532); der Abschnitt über Chirurgie, welcher das Beste über diesen Zweig der Medizin aus der Araberzeit enthält, wurde mit lateinischen Übertragungen herausgegeben von Channing ("Albucasis, De chirurgia", Oxf. 1778, 2 Bde.).

Abūna (arab., "unser Vater"), bei den orientalischen Christen die gewöhnliche Anrede an alle, welche einen geistlichen Rock tragen; besonders das Oberhaupt der abessinischen oder äthiopischen Kirche.

Abundantĭa (lat.), röm. Göttin des Überflusses, ohne Tempel und Altäre, doch oft auf römischen Kaisermünzen nach dem Ideal der Demeter gebildet, meistens ein Füllhorn mit Geld ausschüttend. Verschieden davon ist die dem keltischen oder germanischen Heidentum angehörige Domina Abundia (altfranz. Dame Habonde), die in Dichtungen des Mittelalters vorkommt: ein gütiges Wesen, das den Menschen Gedeihen und Überfluß bringt, wenn es mit seinem Gefolge (dominae nocturnae) von den Speisen und Getränken, die ihm nächtlicherweile offen hingestellt werden, ohne sie zu mindern, genießt.

Abuschehr, Stadt, s. Buschir.

Abu Simbal (Ebsambul, Isambul), Ort in Nubien, südlich von Assuân, am linken Ufer des Nils, berühmt durch zwei von Burkhardt 1817 aufgefundene altägyptische Tempel, die mit ungeheurem Kraftaufwand aus dem Felsen ausgehauen sind und an Größe und Kunst den schönsten Denkmälern Thebens gleichkommen. Sie wurden auf Befehl des Königs Ramses II. (1388-22 v. Chr.) ausgeführt und sind ihm,

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 70.