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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: A-cheval-Stellung; Achill; Achillēa; Achilleïn; Achilles; Achilles; Achillessehne; Achilleus

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A-cheval-Stellung - Achilleus.

A-cheval-Stellung (spr. aschwall-), rittlings, Truppenstellung, welche zu beiden Seiten einer Kommunikationslinie (Landstraße, Eisenbahn, Damm, Fluß oder Kanal etc.) so genommen wird, daß ihre Fronte von der Richtung der letztern nahezu senkrecht geschnitten wird.

Achill (spr. äckil, "Adler"), Insel an der Westküste Irlands, von dem festländischen Teil der Grafschaft Mayo durch engen Meeresarm geschieden, 142 qkm (2,6 QM.) groß mit 4970 Bewohnern. Ein wildes Schiefergebirge nimmt den größten Teil der Insel ein, die 672 m Höhe erreicht.

Achillēa L. (Schafgarbe), Gattung aus der Familie der Kompositen, nach Achilleus genannt, weil auf dessen Rat Patroklos mit der Wurzel der Pflanze den verwundeten Eurypylos verband, perennierende Kräuter mit meist aufsteigendem Stengel, gesägten, eingeschnittenen oder 1-3fach fiederspaltigen Blättern und kleinen bis mittelgroßen Blütenköpfchen in Doldenrispen. Etwa 100 Arten in den gemäßigten Klimaten der nördlichen Halbkugel. A. atrata L. (schwärzliche Schafgarbe), auf den Alpen, 26 cm hoch, mit weichhaarigem Stengel, 2,5-5 cm langen, kämmigfiederteiligen Blättern und Blüten mit weißem Strahl und gelblichweißer Scheibe, ist von aromatisch-bitterm Geschmack und bildet mit der weißwolligen A. nana und der folgenden das echte Genippi der Schweizer, welches als tonisches Mittel allgemein in Gebrauch ist. A. moschata L. (Moschusschafgarbe, Iva), auf den Alpen, niedrig, mit weißen, großstrahligen Blüten, riecht stark und angenehm aromatisch, schmeckt brennend gewürzhaft-bitter, enthält neben Achilleïn noch Ivaïn, Ivaöl und Moschatin und wird namentlich zur Bereitung des Ivalikörs benutzt. A. millefolium L. (gemeine Schafgarbe), in Europa, Nordasien und Nordamerika auf Triften, Wiesen, Rainen und an Wegen, mit weichhaarigem oder auch fast kahlem Stengel, fast bis zur Mittelrippe doppelt-fiederspaltigen, weichhaarigen oder fast kahlen Blättern. Blätter und Blüten waren früher offizinell. Die gewürzhaft riechenden und aromatisch-bitter schmeckenden Blätter und Blüten enthalten ein blaues ätherisches Öl, einen Bitterstoff (Achilleïn) und Aconitsäure. Der frisch ausgepreßte Saft der Blätter dient häufig bei Frühlingskuren, auch benutzt man die jungen Blätter als Gemüse und zu Kräutersuppen und säet die Pflanze mit Weißklee und Gräsern auf Weiden. Mehrere Arten werden als Gartenpflanzen kultiviert. A. Ptarmica, s. Ptarmica.

Achilleïn, s. Achillea.

Achilles, s. Achilleus.

Achilles, bekannter Trugschluß des eleatischen Philosophen Zeno oder seines Lehrers Parmenides, welcher beweisen sollte, daß alle Bewegung nur scheinbar sei. Er behauptete nämlich, ein Gegenstand, der sich langsam bewege, z. B. eine Schildkröte, könne von einem sich schneller bewegenden, z. B. Achilleus, nie eingeholt werden, wenn jener auch nur einen kleinen Vorsprung voraus habe; denn der Abstand zwischen beiden müsse in immer kleinere Teile zerlegt werden, könne aber nie ganz verschwinden, und der letztere müsse immer erst dahin kommen, wo der erstere schon gewesen sei. Die Lösung liegt darin, daß, sobald einmal, wie dies bei Achilleus und der Schildkröte geschieht, verschiedene Geschwindigkeiten zugegeben werden, damit auch schon eingeräumt wird, daß dieselben Räume in verschiedener Zeit (von Achilleus z. B. in einer kürzern als von der Schildkröte) durchgangen werden können. ↔

Achillessehne (Tendo Achillis), das sehnige Ende der Wadenmuskeln, wodurch diese an dem Fersenknochen befestigt sind (s. Tafel "Muskeln"). Sie ist etwa 11 cm lang, 1½-2½ mm breit und 5-6 mm dick und vermag, ohne zu zerreißen, gegen 400 kg zu tragen. An ihr ziehen die Wadenmuskeln die Ferse des Fußes nach oben, ihre Zerreißung macht daher das Stehen und Gehen sofort unmöglich; die krankhafte Verkürzung derselben, infolge deren die Ferse dauernd über dem Boden bleibt, erzeugt den Pferdefuß, der bei zunehmender Verkürzung der A. sich zu einem förmlichen Klumpfuß gestalten kann. Man schneidet dann die A. unter der Haut durch und befestigt den Fuß mittels einer eignen. Maschine in der normalen Stellung, bis sich die beiden getrennten Enden der durchschnittenen Sehne durch neugebildete Sehnensubstanz wieder vereinigt haben.

Achilleus (lat. Achilles), der gefeiertste Held des griechischen Heroentums, Sohn der Nereide Thetis und des Peleus, des Beherrschers der Myrmidonen in Phthia, Urenkel des Zeus. Nach Homer wurde er von Phönix in der Wohlredenheit und Kriegskunde, von dem Centauren Cheiron in der Heilkunde unterrichtet. Seine Mutter hatte ihm zweierlei, großen Ruhm bei frühem Tod oder langes, aber ruhmloses Leben, verheißen. Er fand das erstere im Zuge gegen Troja. In 50 Schiffen führte er seine Myrmidonen dahin und zerstörte viele Städte um Troja. Als aber Apollon eine Pest ins griechische Lager sendete, so daß unaufhörlich die Totenfeuer loderten, und der Seher Kalchas verkündigte, der Raub der Priesterstochter Chryseïs durch Agamemnon sei Ursache des göttlichen Zorns, der nur durch Herausgabe der Entführten versöhnt werden könne, da entbrannte Streit zwischen ihm und dem Oberfeldherrn Agamemnon, der zum Ersatz für Chryseïs die von A. erbeutete Briseïs verlangte. A. entsagte zwar, von Athene besänftigt, der Geliebten; aber weinend flehte er am Seegestade die Mutter um Rache an, auf deren Bitte Zeus den Troern Sieg gewährte, bis ihr Sohn Genugthuung fand. A. nahm nun, weder am Rat noch selbst am Kampf teil, sondern blieb in den Gezelten, mit Gesang und Saitenspiel den Groll besänftigend. Die Troer bedrängten die Griechen hart; umsonst suchten diese den Trotzigen zu versöhnen, bis endlich sein Liebling Patroklos ihn rührte. Er gestattete dem Freund seine Scharen zur Schlacht zu führen, und ordnete sie; er selbst aber blieb zurück. Patroklos rettete die Schiffe, fiel aber von Hektors Hand. Um seine Leiche entbrannte erbitterter Kampf. Vom heftigsten Schmerz erfaßt, eilte A. waffenlos, doch von Athene geschützt, an den Wallgraben und rief so furchtbar drohend hinüber, daß die Troer flohen. Patroklos' Leiche ward heimgebracht und von A. beweint. Am andern Morgen brachte ihm die Mutter neue Waffen von des Hephästos Hand, darunter einen kunstreich geschmiedeten Schild. A. rief die Achäer zusammen, söhnte sich mit dem Gegner aus, und von Athene gestärkt, legte er die Rüstung an, die ihn wie mit Flügeln hob, und ergriff den Speer, den kein andrer zu schwingen vermochte. Er stürmte hinaus und tötete, wen er erreichte. Die flüchtigen Troer stürzten vor ihm scharenweise in den Xanthos (Skamander), und ihre Leichen dämmten die Wellen. Der ergrimmte Flußgott erhob sich zuletzt selbst gegen den Helden, ward aber von Hephästos auf Geheiß der Hera zurückgedrängt. Jetzt traf A. unter Trojas Mauern mit Hektor zusammen. Dreimal jagte, dreimal, als er ihn erlegt hatte, schleifte er ihn um die Stadt; den Leichnam gab er später dem greisen Vater

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 87.