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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Adalbert

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Adalbert.

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Adâl'

schen mohammedanischen Danakil, die als nomadisierende Hirten das Land durchstreifen und die Karawanenstraßen nach Schoa unsicher machen. Unter den Ortschaften des Landstrichs, der durchaus keine politische Einheit bildet, da die einzelnen Danakilstämme voneinander unabhängig sind, wird Aussa im Innern als Hauptort betrachtet. Der wichtigste Hafenort, Ausgangspunkt der abessinischen Karawanen, ist Tadschurra. Nördlich davon liegen Obok, ein 1862 von den Franzosen angelegter Hafen am Tadschurragolf, und das seit 1869 Italien gehörige Assab. Vgl. Paulitschke, Die geographische Erforschung der Adâlländer (Leipz. 1884).

Adalbert (Adelbert, "der an Geschlecht Glänzende"), 1) A. von Prag (eigentlich Wojtech), Apostel der Preußen, Sohn des mächtigen böhmischen Fürsten Slavnik, ward im Moritzkloster zu Magdeburg gebildet und 982 vom Erzbischof Adalbert in Magdeburg zum Bischof von Prag geweiht. Durch seine Strenge den neubekehrten Böhmen verhaßt geworden, begab er sich 988 in das Kloster Monte Cassino und von da in das aventinische Kloster zu Rom. Im J. 993 in sein Bistum zurückgerufen, verließ er im Zorn über die heidnische Wildheit der Böhmen seinen Sprengel von neuem und suchte das Christentum in Ungarn zu verbreiten. Im J. 996 begab er sich von Rom aus zum Kaiser nach Mainz und von da nach Polen zum Herzog Boleslaw, um den dortigen heidnischen Völkern, namentlich den Preußen, das Christentum zu verkündigen, hatte aber keinen Erfolg und ward von einem heidnischen Priester beim Dorf Tenkitten im Samland 23. April 997 erschlagen. Seine Leiche ist im Dom zu Gnesen beigesetzt, von wo sie 1038 nach Prag übergeführt wurde; hier fand man die Gebeine 1880 in einer Gruft am Domplatz und begrub sie in der Domkirche. Gedächtnistag der 23. April. Es gibt von ihm zwei Biographien von Zeitgenossen, dem Mönch Canoparius (Anmerkung des Editors: richtig: Canaparius) und Erzbischof Bruno (abgedruckt in Pertz' "Monumenta Germaniae historica. Script.", IV; deutsch von Hüffer, Berl. 1857).

2) Erzbischof von Hamburg-Bremen, Sohn des Grafen Friedrich von Goseck, geboren um 1000, trat als Mitglied des Halberstädter Domstifts in den geistlichen Stand und ward von Kaiser Heinrich III. 1045 über jenes vereinigte Erzstift gesetzt. Er war von edler Gestalt, regem, feingebildetem Geist und sittlich reinem Lebenswandel, neigte aber zu Stolz und Eitelkeit. Mit dem sächsischen Herzogshaus der Billunge lebte er von Anfang an in erbitterter Feindschaft und schloß sich daher eng an das Königtum an. Im J. 1053 von Papst Leo IX. zum Legaten im Norden ernannt, erhielt er als solcher die geistliche Herrschaft über ganz Skandinavien und breitete das Christentum bei den Wenden aus. Seit 1063 mit dem Erzbischof Anno von Köln Vormund des minderjährigen Heinrich IV., wußte er erstern zu verdrängen und den jungen Fürsten zu beherrschen, so daß er nach dessen Schwertnahme 1065 allein das Reich regierte. Obgleich ihn die Reichsfürsten, über seinen Stolz und seine Willkür empört, im Januar 1066 auf dem Reichstag zu Tribur vom Hof Heinrichs verbannten und zur Niederlegung der Reichsgeschäfte nötigten, war er doch schon 1069 wieder im vollen Besitz seiner frühern Macht. Er trug sich mit dem Plan, ein nordisches Patriarchat zu gründen, was aber die römische Kurie zu vereiteln wußte; überdies erlitten die Kirche und Adalberts Einfluß im Osten und Norden gerade damals große Verluste. Er starb, zu früh für seine weit aussehenden Pläne, in Goslar 16. März 1072. Sein Leben beschrieb Adam von Bremen (s. d.). Vgl. ↔ Grünhagen, A. von Bremen und die Idee eines norddeutschen Patriarchats (Leipz. 1854).

3) Erzbischof von Mainz, Sohn eines Grafen von Saarbrücken, trat in den geistlichen Stand, fand früh Aufnahme in der kaiserlichen Kanzlei und ward von Heinrich V., als er 1105 seinem Vater die Krone entriß, zum Kanzler ernannt. Er erlangte bei diesem König bald herrschenden Einfluß und verfocht eifrig die kaiserlichen Rechte gegen die Kirche; bei dem Römerzug 1111 war er an den Maßregeln besonders beteiligt, welche Papst Paschalis II. zum Verzicht auf das Investiturrecht zwangen. Zur Belohnung ward er im gleichen Jahr zum Erzbischof von Mainz ernannt. Niedriger Ehrgeiz und Habgier bewogen ihn, sofort seine Ansicht zu ändern. Aus einem Anhänger des Kaisers ward er dessen heftigster Gegner und ein leidenschaftlicher Vorkämpfer der Rechte der Kirche. Als er sich mit den aufständischen sächsischen Fürsten verband, ließ ihn der Kaiser verhaften und absetzen; doch wurde A. 1115 durch einen Aufstand der Mainzer Bürger befreit und erneuerte den Kampf gegen Heinrich, über den er sogar den Bann aussprach. Fortwährend schürte er den Bürgerkrieg, wiederholte Vertreibung aus Mainz konnte ihn nicht beugen. Auch nach dem Wormser Konkordat (1122) hörten seine Hetzereien nicht auf. Nach Heinrichs Tod bewirkte er durch seine Ränke, daß nicht Friedrich von Hohenstaufen, sondern der kirchlich gesinnte Lothar gewählt wurde, bei dem er übrigens nur kurze Zeit in Ansehen und Einfluß stand. Nachdem er seine Familie durch stattliche Lehen bereichert hatte, starb er 23. Juni 1137. Vgl. Kolbe, Erzbischof A. I. von Mainz und Heinrich V. (Heidelb. 1872).

4) Heinrich Wilhelm A., Prinz von Preußen, Sohn des Prinzen Wilhelm, des jüngsten Bruders König Friedrich Wilhelms III., und der Prinzessin Maria Anna von Hessen-Homburg, geb. 29. Okt. 1811 zu Berlin, trat früh in das Heer ein, ward 1839 als Oberst mit Führung der Gardeartilleriebrigade betraut und 1840 Generalmajor. Er besuchte 1826 Holland, 1832 England und Schottland, 1834 Petersburg und Moskau, 1837 das südliche Rußland, die Türkei, Griechenland und die Ionischen Inseln und trat 1842 eine größere Reise nach Brasilien an, die er in dem Werk "Aus meinem Reisetagebuch 1842-1843" (als Manuskript gedruckt, Berl. 1847) beschrieb. Im J. 1846 zum Generalleutnant befördert, erhielt er 1848 Gelegenheit, seine im Marinewesen gesammelten Erfahrungen durch die "Denkschrift über die Bildung einer deutschen Flotte" (Potsd. 1848) nutzbar zu machen und der damaligen Zentralgewalt bei Herstellung einer deutschen Flotte hilfreich an die Hand zu gehen. Bei Bildung einer technischen Marinekommission wurde er Vorsitzender derselben. Am 30. März 1854 zum Admiral der preußischen Küsten und Oberbefehlshaber der Marine ernannt, erwarb er sich großes Verdienst um Hebung derselben. Im Sommer 1856 unternahm er bei einer Übungsfahrt im Mittelländischen Meer eine Besichtigung der Küste des Rif, landete, von den Rifpiraten mit Schüssen empfangen, mit 65 Mann, stürmte eine Anhöhe, mußte indes der Übermacht weichen und ward am Schenkel verwundet. Während des dänischen Kriegs 1864 übernahm er den Befehl über das Ostseegeschwader, ohne Gelegenheit zu Kriegsthaten zu finden. Er starb 6. Juni 1873 in Karlsbad. Aus seiner Ehe mit Therese Elßler (Frau v. Barnim) hatte er einen Sohn, den Freiherrn Adalbert v. Barnim, der, 1841 geboren, auf einer mit R. Hartmann unternommenen Reise in das Nilgebiet 12. Juli 1860 zu Rosseires am Blauen

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 101.