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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Adelaer; Adelaïde

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Adelaer - Adelaide.

seiten des Kaisers, durch Beförderung zum Offiziersrang im Militär- und zur achten Klasse im Zivildienst und durch Dekoration mit einem russischen Orden. Persönlichen A. haben sonstige Zivilbeamte von Offiziersrang (d. h. von der 14.-9 Klasse einschließlich). In Ungarn unterschied man früher zwischen Magnaten und gewöhnlichem A. Während jene persönlich auf dem Reichstag erschienen, war dieser durch Abgeordnete vertreten. Auf den Komitatsversammlungen hatte jeder adlige Gutsbesitzer Sitz und Stimme; auch war er frei von Steuern, Zöllen und Einquartierungen und legte sich das, was er leistete, selbst als Subsidie auf. Auch vom gewöhnlichen Kriegsdienst war er befreit und diente nur in der sogen. Insurrektion, wenn zur Verteidigung des Königs und der Grenzen des Reichs der A. in Masse aufgerufen ward. Er ward endlich nur von seinesgleichen gerichtet und stand nur unter der Oberhoheit des Königs. Doch sind diese Vorrechte jetzt im wesentlichen aufgehoben. Der titulierte A. ist in Ungarn sehr spät eingeführt worden (herczeg = Fürst, gróf, báró). Der neukrëierte A. wurde häufig mit Lehnsgütern versehen, von welchen er einen Zunamen erhielt; außerdem existiert noch ein geringerer Briefadel ohne Grundbesitz.

Sind nun auch nach dem Vorstehenden die Vorrechte des Adels allenthalben beschränkt und vermindert worden, so hat derselbe doch auch noch heutzutage eine nicht geringe Bedeutung, welche namentlich darauf beruht, daß ihm (in Deutschland freilich nur dem hohen A.) eine bevorzugte Stellung in der Volksvertretung eingeräumt ist, daß die höhern Hofchargen eine Prärogative des Adels sind, und daß er durch festes Zusammenwirken seiner Standesgenossen sich fast überall im Besitz der höchsten Staats- und Militärämter zu behaupten gewußt hat. Aber ebenso gewiß ist es, daß die Ausschließung der Bürgerlichen vom Hofdienst, von den höchsten Staatsämtern und von den höhern Offiziersstellen sowie die mit dem Geist und der Bildung unsrer Zeit nicht vereinbaren adligen Vorurteile die Hauptursachen einer gewissen Abneigung gegen den A. sind, die man zuweilen bei den übrigen Ständen findet, und die 1848 so scharf hervortrat, daß man fast überall auf eine gänzliche Aufhebung des Adels drang, welche in den sogen. deutschen Grundrechten auch wirklich ausgesprochen wurde. Während die einen den A. als einen notwendigen Vermittler zwischen Fürst und Volk auch noch unsrer Zeit empfehlen, sprechen die andern das direkte Gegenteil aus. Doch hat man neuerdings wiederholt auch in Deutschland das Fortbestehen des Adels als wünschenswert bezeichnet, weil ein durch Reichtum und angesehene Stellung von der Regierung unabhängiger Stand den politischen Interessen des Volks besonders zu dienen berufen und befähigt sei, was freilich von einem bloßen Hof- und Dienstadel nicht zu erwarten steht. Vgl. v. Strantz, Geschichte des deutschen Adels (2. Aufl., Waldenb. 1851, 3 Bde.); Liebe, Der Grundadel und die neuen Verfassungen (Braunschw. 1844); v. Maurer, Über das Wesen des ältesten Adels der deutschen Stämme (Münch. 1846); Eisenhart, Der Beruf des Adels im Staat (Stuttg. 1852); Gneist, A. und Ritterschaft in England (Berl. 1853); Heffter, Die Sonderrechte der souveränen und der mediatisierten Häuser in Deutschland (das. 1871); Rose, Der A. Deutschlands und seine Stellung im Deutschen Reich (das. 1883).

Adelaer (spr. -lär), Curt Siversen, bedeutender Seemann, geb. 16. Dez. 1622 zu Brevig in Norwegen, trat 1637 unter Tromp als Adelborst (Seekadett) in niederländische, 1641 in venezianische Dienste und erwarb sich Ruf im Kampf gegen die Türken. Im J. 1654 in der Schlacht bei Tenedos schlug er sich mit seinem Schiff durch. Von Ibrahim Pascha mit dem türkischen Admiralsschiff verfolgt und geentert, tötete er diesen im Zweikampf, worauf sich die Türken ergaben. Im J. 1660 wurde er Generalkapitänleutnant und Chef der venezianischen Flotte, nahm aber seinen Abschied und ging 1661 nach Holland zurück. Im J. 1663 berief ihn König Friedrich III. als Generaladmiral nach Dänemark und adelte ihn unter dem Namen A. ("Adler"), den er in den Niederlanden wegen seiner Schnelligkeit zur See als Ehrennamen erhalten hatte. A. rief tüchtige Ausländer herbei, schuf eine treffliche Flotte, starb aber schon 1675, kurz nach Ausbruch des Kriegs mit Schweden.

Adelaïde, ansehnlicher Fluß im austral. Nordterritorium (Südaustralien), entsteht aus zwei Quellflüssen, welche auf dem Tafelland im Innern entspringen, und mündet in die Adambai (Clarencestraße). Weit hinauf schiffbar, verspricht er einst für den Binnenverkehr wichtig zu werden. Stuart entdeckte den Fluß auf seiner letzten Reise 1862.

Adelaïde, Hauptstadt der britisch-austral. Kolonie Südaustralien, 9 km östlich vom St. Vincentgolf, am Fuß des Mount Lofty und an beiden Ufern des wasserarmen, aber hier zu einem schönen See aufgedämmten Torrensflusses, Knotenpunkt mehrerer Eisenbahnen (s. Plan). Die bemerkenswertesten Gebäude sind: das Palais des Gouverneurs, Regierungsgebäude, Rathaus, Generalpostamt, Parlamentsgebäude, Obergericht, Bibliothek (20,000 Bände) und Museum, Hospital, Irrenhaus, die anglikanische Kathedrale, deutsche und zahlreiche andre Kirchen, Universität,

^[Abb.: Situationsplan von Adelaide.]