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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Adsorption - Adulis.

Adsorption, das Anhaften einer verdichteten Gasschicht an der Oberfläche fester Körper; s. Absorption.

Adstipulieren (lat.), beistimmen, beipflichten.

Adstringieren (lat.), zusammenziehen, stopfen.

Adstringierende Mittel (Adstringentia), zusammenziehende Arzneimittel, welche eine Zusammenziehung der Fasern der tierischen Gewebe und dadurch eine Verdichtung der letztern bewirken, ganz besonders aber die Eigenschaft haben, das Eiweiß aus seinen Lösungen auszuscheiden und zur Gerinnung zu bringen. Aus letzterm Grund bewirken sie auch eine Gerinnung des Bluts, um so mehr, als sie gleichzeitig die glatten Muskelfasern der Gefäße zur Kontraktion anregen und somit eine Verengerung der Gefäße bewirken. Insofern die adstringierenden Mittel Blutungen zum Stehen bringen, nennt man sie auch blutstillende Mittel (Styptika); s. Blutung. Ihre Hauptwirkung ist eine rein örtliche, daher sie zunächst äußerliche Anwendung finden; so bei vielen Hautkrankheiten, die in einer abnorm verstärkten Absonderung der Hautfläche beruhen, z. B. bei Verbrennungen, beim Aufliegen etc. Sie wirken hier heilend, indem sie einesteils das in den Sekreten der wunden Flächen enthaltene Eiweiß zur Gerinnung bringen und somit jenen einen schützenden Überzug geben, andernteils aber die krankhafte Sekretion selbst beschränken. In ähnlicher Weise werden die adstringierenden Mittel bei Blutüberfüllung, Katarrhen, Eiterflüssen und oberflächlichen Geschwüren der Schleimhäute teils äußerlich, teils innerlich mit Nutzen angewendet. Zu stark und zu lange angewandt, reizen sie aber die Schleimhäute und können Entzündung und selbst brandige Zerstörung der betreffenden Gewebe herbeiführen. Am wichtigsten ist die reine Gerbsäure oder das Tannin, dann Abkochungen der Eichen-, Ulmen-, Weiden- und Chinarinde, von Kampescheholz etc., Kino, Katechu, die Ratanhawurzel etc. Von den metallischen adstringierenden Mitteln sind die wirksamsten das essigsaure Blei (Bleizucker), das Eisenchlorid, der Kupfer- und Zinkvitriol, das salpetersaure Silber (Höllenstein), der Alaun. Als Styptika anwendbar sind vornehmlich Gerbsäure und Eisenchlorid. Zur Blutstillung reichen für gewöhnlich kaltes Wasser und Eis aus.

Ad turpĭa nemo obligātur, lat. Sprichwort: "zum Schändlichen ist niemand verpflichtet".

Adua (Adóa, Adówa), Stadt im Lande Tigré in Abessinien, nordöstlich von Gondar, ein Hauptstapelplatz für den Handel zwischen der Küste und dem Innern. Die Einwohnerzahl wurde 1868 von Rohlfs zu 3000 angegeben. Nahe bei die Ealam-Negusgrotten.

Aduatuker (Aduatuči), german. Völkerschaft im belgischen Gallien, zwischen Maas und Rhein seßhaft, auch Tungern genannt, welche ihren Ursprung von den Cimbern und Teutonen ableitete und 57 v. Chr. von Cäsar unterworfen wurde. Die A. beteiligten sich 54 an dem Aufstand der Eburonen und besetzten nach deren Vernichtung ihr Gebiet (beim jetzigen Tongern).

A due (ital., spr. dū-ĕ), zu zwei; z. B. a due corde, auf zwei Saiten; a due voci (spr. wohtschi), für zwei Stimmen.

Ädŭer (Häduer), uralte, mächtige Völkerschaft des keltischen Gallien, am obern Lauf des Liger (Loire) und am untern Arar (Saône), die schon vor Cäsars Zeit mit den Römern im Freundschaftsbund stand. Ihr Streit mit den Sequanern rief Ariovistus nach Gallien, der die Ä. unterwarf. Nach ihrer Befreiung durch Cäsar genossen sie dessen besondere Gunst. Ihr Oberhaupt, Vergobretus genannt, ward von den Priestern gewählt und durch einen Senat beschränkt. Hauptstadt war Bibracte oder Augustodunum (Autun); andre Orte: Cabillonum (Châlon sur Saône), Nevirnum (Nevers), Decetia (Decise), Matisco (Mâcon).

Adufe (arab.), Schellentrommel, Tamburin.

Adūla, eine der mächtigsten Gebirgsgruppen der Graubündner Alpen, bestehend aus einer Zentralgruppe und zwei Nebengliedern: dem Camotsch-Scopi (3203, resp. 3201 m) und dem Tambohorn (3276 m), jenes durch den Greinapaß, dieses durch den Bernhardinpaß von der Hauptgruppe getrennt. Letztere zeichnet sich weniger durch Gipfelhöhe als durch großartige Verzweigung aus. Nach N. gehen zwei im Verlauf sich spaltende Hauptzüge, welche die Bergthäler Lugnez und Safien einfassen, nach S. zwei, das Val Calanca einschließend, vom Tambohorn aus ein dritter, der am Paß von San Jorio (1956 m) den Hochgebirgscharakter verliert. Der eine der nördlichen Flügelarme, in welchem der Piz Beverin (3000 m) gebietet, endet mit dem alpenreichen Heinzenberg (2185 m). Den Kulminationspunkt des Zentralstocks bildet das Rheinwaldhorn (3398 m), dessen größter Eisstrom, der Zapportgletscher, sich in das Rheinwaldthal hinabsenkt. Den Reigen der schwierigen Besteigungen eröffnete der Disentiser Pater Plac. à Specha ^[richtig: Spescha] mit Ersteigung des Rheinwaldhorns (1789). J. J. ^[Johann Jacob] Weilenmann gelangte im Juli 1859 als erster auf das Tambohorn. Das Moschelhorn wurde zuerst vom Engländer Morshead (30. Juni 1864), Piz Medel 16. Aug. 1865 von G. Studer und beide Gipfel des Piz Cristallina 28. Juli 1866 von C. Hauser erstiegen.

Adŭlar (edler Feldspat, Girasole, Eisspat, Aventurinfeldspat), Mineral aus der Ordnung der Silikate und der Feldspatgruppe, die reinste Varietät des Orthoklas, ward zuerst vom Pater Pini in Mailand auf der Stella am St. Gotthard, den er fälschlich für den Mons Adula der Alten hielt, aufgefunden und benannt. Er kommt meist in brillanten Zwillings- und Drillingskristallen mit Bergkristall in Drusenräumen oder auf Kluftflächen der granitischen Gesteine der Alpen (besonders im Zillerthal) vor, außerdem auch im Riesengebirge, in Schottland, Norwegen, Sibirien, auf Ceylon, Grönland etc. Er ist wasserhell, graulich-, milch- oder grünlichweiß, stark glänzend, oft mit bläulichem Lichtschein, durchsichtig bis durchscheinend, zuweilen irisierend und von doppelter Strahlenbrechung. Der A. ist einer der teuersten Halbedelsteine, er heißt im Handel Mondstein (Fisch- oder Wolfsauge, ceylonischer oder Wasseropal), wenn er weißliche, oft bläulich und grün schattierte Farbe hat; Sonnenstein, wenn er ein gelbliches, ins Rote fallendes Farbenspiel zeigt. Er wird besonders zu Ring- und Halsnadelsteinen verarbeitet und mit Diamanten eingefaßt. Vgl. Orthoklas.

Adulation (lat.), Schmeichelei.

Adūlis (jetzt Zula), im Altertum griechische, zur Ptolemäerzeit blühende Hafenstadt am jetzigen Annesleygolf des Roten Meers, südlich von Massaua, welche Elfenbein, Sklaven und Schildpatt exportierte. Eine zweite Blütezeit erlebte A. unter den Königen von Axum, für deren Staat es Hafenplatz war. Im 6. Jahrh. fand hier der Indienfahrer Kosmas das für die alte Geographie jener Gegenden wichtige Monumentum Adulitanum, eine Inschrift des Ptolemäos III. Euergetes. Im Oktober 1867, als die Engländer den Feldzug gegen Abessinien begannen, wurde A. deren Stützpunkt; es entstand eine kleine provisorische Stadt, die mit der Annesleybai durch