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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Afrika

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Afrika (Entdeckungsgeschichte: Südafrika).

durchqueren. Lux kam nur bis Kimbundu, Pogge dagegen 1876-77 bis Mussumba, der Residenz des Muata Jamvo, des Beherrschers des großen Lundareichs. Schütt (1879) war bemüht, die Residenz des Muata Jamvo, welcher Fürst die Reisenden nicht weiter gegen O. vordringen läßt, zu umgehen, und gelangte auf dem Rückweg aus dem Lundareich, nach NW. sich wendend, bis zum Mai (6° 53' südl. Br. und 22° 10' östl. L. v. Gr.). Leider sind Schütts Angaben nicht verläßlich. Buchner (1879) sollte beim Muata Jamvo eine Station einrichten, durfte zwar auch nicht weiter gegen O. ziehen, hat aber die Ethnographie Westafrikas sehr bereichert. Pogge brach 1880 mit Leutnant H. Wißmann von Angola aus gegen O. auf. Beide umgingen Muata Jamvos Residenz und gelangten, den Lubilasch und andre große dem Congo tributäre Ströme übersetzend, bis Nyangwe, von wo aus Wißmann die Durchquerung des Kontinents bis Sansibar vollendete, während Pogge vom Nyangwe aus nach dem Westen zurückkehrte, wo er (in Loanda) bald darauf starb. Seine Arbeit nahm 1884 eine neue Expedition auf, bestehend aus den Leutnants Schulze und Kunth, dem Dr. Wolff als Anthropologen und dem Botaniker Büttner. Major Mechow, ein andrer Sendling der Afrikanischen Gesellschaft, drang den Quango entlang gegen N. vor. Stanley, der Entdecker des Congolaufs (s. unten), bereicherte, indem er im Auftrag der Internationalen Afrikanischen Association Stationen am untern Congo anlegte, durch zahlreiche neue Daten unsre Kenntnis des Congobeckens. Er ist den Congo aufwärts bis zum Aruwimi vorgedrungen, welchen Strom er mit Schweinfurths Uëlle identifiziert. Brazza und Mizon bereisten noch das Gebiet zwischen Ogowe und Congo. Auch die Portugiesen, welche ihre Kolonien an der Westküste arg vernachlässigten, treten in der neuesten Zeit als Forscher auf. Eine große von der portugiesischen Regierung ausgerüstete Expedition trug reiche Früchte. Ein Teilnehmer derselben, Serpa Pinto, durchquerte 1878 f., von Bihé aus durch das Land der Gangella, Ambuella und Luina ziehend, längs des Sambesi bis Natal den Kontinent, während Capello und Ivens dem Thal des Quango entlang gegen N. zogen und auch reiches Material sammelten. Vom Cunene südöstlich vorzudringen, ist ihnen nicht gelungen. Von ältern portugiesischen Reisen in den westlichen Provinzen wären jene des Travassos Valdez und J. ^[José Maria] Monteiro (1858-73) zu erwähnen. Sonst bereisten diese Territorien noch Wawra, Welwitsch (1853-1865), Duparquet, John, Livingstone, Cameron u. a.

Forschungsreisen im Süden.

Wenden wir uns nun dem Süden Afrikas zu, wo in der neuern Zeit kaum minder wichtige Entdeckungsreisen als im NW. und in den Nilländern stattfanden. Die Kolonialpolitik Hollands macht es erklärlich, warum vom Kapland aus, welches bereits 1652 von den Holländern in dauernden Besitz genommen worden war, lange Zeit so wenig für die Entdeckung des Innern geschehen ist. Erst 1777 wurde durch Gordon der Oranjefluß entdeckt, 1778 durch Patterson dessen unterer Lauf. Mit der Besitznahme des Kaplandes durch die Engländer beginnt die Zeit der Entdeckungen auch für diesen Teil Afrikas. John Barrow und Lichtenstein drangen, jener zu den Kaffern, dieser zu den Betschuanen, ins Innere vor. Evangelische Missionäre waren schon 1737 von Herrnhut nach Guinea und zum Kap ausgesendet worden. Mit denen der Mährischen Brüder verbanden sich jetzt die Bemühungen der Wesleyaner, das Christentum unter der einheimischen Bevölkerung zu verbreiten; aber erst von 1807 an drangen die Missionäre tief ins Innere ein und ließen sich unter den freien Völkern nieder. Campbell durchzog das Oranjeflußgebiet und gründete Missionen unter den Betschuanen. Zu den englischen (Campbell, Moffat, Philip, Hamilton, Kay) gesellten sich später französische und deutsche Missionäre (Haug, Hahn, Rath), so daß nach und nach der Schleier, der bis dahin Südafrika bedeckt hatte, gelüftet wurde. Burchell, Thompson, Andrew Smith, Steedmann, Kapitän Alexander (Entdecker des Damalandes), Harris, später Andersson schlossen sich als Entdecker an. Mit der Zeit der Auswanderung der unzufriedenen holländischen Ansiedler (Boers), von 1835 an, beginnt auch für die bis dahin schwer zugänglichen Länder des Südostens die Zeit der Entdeckungen. Große Nimrode, wie Gordon Cumming und der unter den Fußtritten eines verwundeten Elefanten gebliebene Schwede Wahlberg, dann Gassiot (1851), Galton, Fr. Green (1852), Sandersson, Baldwing, Southerland drangen tief ein, keiner aber so weit als der Missionär David Livingstone. Eine Ära neuer Entdeckungen begann, als derselbe, der sich seit 1841 in Südafrika niedergelassen, 1849 den Ngamisee, den ersten der großen Süßwasserseen, die seitdem im Innern Südafrikas aufgefunden wurden, erreichte. Als der erste Nichtportugiese durchquerte er 1853-56 den ganzen südlichen Kontinent von Loanda bis Quillimane an der Ostküste, erforschte 1858-64 das Gebiet des Sambesi, entdeckte dabei die Seen Nyassa und Schirwa und trat 1866 seine letzte große Reise an: von Sansibar und den Rowuma aufwärts bis zum Nyassasee, von da nach dem Südende des Tanganjika und nordwestlich weiter bis zur Hauptstadt des Cazembe, wo er im Mai 1868 ankam und freundliche Aufnahme fand (Entdeckung des Lualaba sowie der Seen Moero und Bangweolo). Im folgenden Jahr sich nach Udschidschi am Tanganjikasee wendend, erforschte er von hier aus das Manjuemaland und kehrte dann nach Udschidschi zurück, wo ihn der zur Auffindung des in Europa Verschollenen ausgesandte Amerikaner Stanley 1871 antraf. Nachdem beide noch das Nordende des Tanganjika durchforscht, starb Livingstone 1873 zu Italo am Bangweolo. In seine Fußstapfen tretend, haben zahlreiche Forscher unsre Kenntnis Südafrikas weiter ausgebaut. Baines und Chapman (1858 ff.), Grout, Kretschmar, de Froberville, Döhne, Casalis, Hardeland, Josaphat und Theophil Hahn, Wangemann (1866 f.), Calderwood, Baldwing, Andersson durchzogen von der Walfischbai das Land bis an den Sambesi; der Zoolog Fritsch durchwanderte den Oranjefreistaat und das Betschuanenland drei Jahre lang (1864-66); Bleek erforschte die südafrikanischen Sprachen. Der Württemberger Karl Mauch hat von Potschefstroom aus auf wiederholten Reisen das Reich Mosilekatses erforscht und dabei Goldfelder am Tati entdeckt, die eine Zeitlang sanguinische, nicht bewährte Hoffnungen erregten. Im J. 1872 durchzog er ganz Südostafrika bis an den Sambesi, wobei er die Ruinenstätte Zimbabije entdeckte, welche man mit dem Salomonischen Ophir in Verbindung zu setzen versuchte. In demselben Gebiet forschten 1869 Eduard Mohr und A. Hübner,