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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Afrika

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Afrika (Entdeckungsgeschichte: Ostafrika, Inseln).

dann Krönlein, Thomas, Griesbach, Button, Merensky, während Vincent Erskine den untern Lauf des Limpopo, namentlich dessen Mündung, auffand (1868-75). In neuester Zeit (1872 ff.) forschten in Südafrika Elton, Berthoud, Cohen, Kope, Oates, Ernst v. Weber, Lady Barker, Stevenson, Morton, Palgrave (1876), Depelchin (1879) und der österreichische Reisende Holub, der neuerdings in Südafrika thätig ist. Der englische Krieg gegen die Zulu und Boers rief eine förmliche Litteratur über Südafrika hervor.

Forschungsreisen im Osten. Die Inseln.

Von der Ostseite des Kontinents war 1789 Lacerda nach der Residenz des Cazembe gezogen, desgleichen später (1831) Monteiro und Gamitto, während Guillain die Küsten erforschte. Mosambik erforschte Peters. Im J. 1843 bereiste Krapf und seit 1846 J. ^[Johannes] Rebmann die Suaheliküste, und beide Missionäre zogen Erkundigungen über die Schneeberge und Äquatorialseen ein, desgleichen Erhardt. Erst 1856 ff. entdeckten Burton und Speke den Tanganjika und 1860 f. Speke und Grant den Ukerewe, damit war auch das zwei Jahrtausende alte Rätsel des Nils zum Teil gelöst. Die philanthropischen Bestrebungen der Briten, welche in der Gründung der Universitätsmission am Nyassa Ausdruck fanden, waren von keinem Glück begleitet.

Im äquatorialen Osten, wo deutsche Missionäre durch die Entdeckung der Schneeberge vorgearbeitet hatten, wurde durch deutsche Forscher ein weites neues Gebiet der Wissenschaft erschlossen. Baron v. d. Decken drang 1861 und 1862 mit dem englischen Geologen Thornton bis an den Kilima Ndscharo vor, und auf einer zweiten Reise nach diesem Schneeberg gelang es ihm mit O. Kersten aus Altenburg, denselben bis zur Höhe von 4300 m zu ersteigen, nicht aber, das Land der feindseligen Massai zu durchreisen. Eine neue Expedition mit zwei eigens in Europa erbauten Dampfern im Juli 1865 führte v. d. Decken auf dem Dschubb stromaufwärts bis über Bardera; aber das Schiff scheiterte 26. Sept., und v. d. Decken wurde nebst Link ermordet. Seine Begleiter entkamen nur teilweise unter Brenners Leitung. Letzterer ward von der Familie beauftragt, Nachforschungen nach dem Schicksal der Ermordeten anzustellen; er konstatierte deren trauriges Ende und machte gleichzeitig höchst interessante Reisen im Lande der südlichen Galla, während der mit gleichem Auftrag ausgesandte Württemberger Theodor Kinzelbach zu Makdischu im Somalland 1868 dem klimatischen Fieber erlag. 1865-67 verbreiteten in den Gallaländern Krapf, Wakefield und News das Christentum.

Von O. aus trat, um Livingstone aufzusuchen, 1873 V. L. Cameron einen Marsch nach dem Innern des Kontinents an. In Udschidschi angelangt, umsegelte er den Tanganjika und schlug sich hierauf über Nyangwe an das rechte Ufer des Lualaba durch Urua, an den Kassali- oder Kilandschasee und von diesem quer durch den Kontinent bis nach Angola durch. Noch großartiger war die zweite Reise des oben genannten Henry Stanley. Im November 1874 trat er von Sansibar aus den Marsch nach dem Ukerewe an, den er umfuhr, zog von hier durch Uganda zum Mwutan (Albert Nyanza), entdeckte, gegen SW. sich wendend, den Akanyaru oder Alexandrasee und erreichte, noch weiter gegen S. ziehend, den Tanganjika, den er gleichfalls befuhr und erforschte. Nachdem er Udschidschi verlassen und durch Manjuema an den Lualaba gelangt war, machte er die epochemachende Fahrt diesen Strom abwärts, der sich als mit dem Congo identisch erwies, dessen Mittellauf und bis über den Äquator nach N. reichende bogenförmige Windung Stanley daher entdeckt hat.

Von besonderer Wichtigkeit waren in der Folgezeit die von der Ostküste Afrikas nach dem Innern unternommenen Reisen von Price, die Erforschung der Landschaften am nördlichen Nyassa durch Elton und Cotterill (1877), Youngs Beschiffung dieses Sees, die Thätigkeit der Missionäre in der Station Livingstonia am Nyassa, die aufopferungsvolle und an Leiden reiche, jedoch kurze Wirksamkeit der Glaubensboten in Uganda und am Ukerewe, Wilson, O'Neill, Clarke, Smith, Felkin, Hore (1879-1880), die Reise des Geologen J. ^[Joseph] Thomson an den Nyassa und Tanganjika und die Entdeckung des Hikwasees durch denselben (1878-80), die Thätigkeit Cravens, Hildebrandts, Raffrays, Denhardts und Fischers an der Ostküste, die Reise des unglücklichen Abbé Debaize (1878) und jene K. Johnstons, dessen Nachfolger eben J. ^[Joseph] Thomson wurde, Marnos kurze Rekognoszierungstour u. die Thätigkeit der Sendlinge der Internationalen Afrikanischen Assoziation in Brüssel (Crespel, Cambier, Maes, Wautier, Dutrieux, Popelin, v. d. Heuvel, Carter u. a.), welche durch zahlreiche Todesfälle so häufig gestört wurde. Auch die von der Afrikanischen Gesellschaft in Deutschland begründete Station ward durch Elementarereignisse heimgesucht. Böhm und Reichardt reisten an den Bangweolosee, Kaiser starb.

Den Küstenrand des Somal- und Gallalandes nahm Kapitän Guillain sorgfältig auf (1846-48). Im J. 1853 zog Burton mit Stroyan, Speke und Herne bis Harar; Heuglin erforschte die Landschaft um Massaua, und der Pater Léon des Avanchers zog Erkundigungen über das Innere der Galla- und Somalländer ein (1858). Später (1871) erforschte Kapitän Milles die Gegend um das Kap Gardafui, und 1874 erlag Haggenmacher den Streichen wilder Galla, nachdem er einen Vorstoß bis zur Landschaft Habar, wo die Somalhochebene beginnt, vom N. her ausgeführt. Von besonderm Erfolg begleitet war in den Grenzländern am Roten Meer die Thätigkeit Munzingers, der im Dienste des Chedive stand und die Ausbreitung der ägyptischen Herrschaft am Westufer des Roten Meers beförderte. Nach der Eroberung von Harar durch die Ägypter (1875) wurde auch dieses Gebiet in den nähern Bereich der Forschung gezogen und wiederholt besucht, zuletzt (1882) von Baron John Müller und Sacconi; Giulietti war daselbst 1880 ermordet worden. Révoil forschte 1877-78 an mehreren Punkten der Nord- und Ostküste des Somallandes, ebenso 1875 Hildebrandt. Seitdem sich die Franzosen in Obok, die Italiener in der Assabbai festgesetzt, wird der Verkehr mit Schoa durch das Thal des Hawasch etwas lebhafter. Italienische Reisende (Antinori, Cecchi, Martini, Chiarini, Graf Antonelli 1880-82) ließen sich die Erforschung dieser Gegend angelegen sein, und in neuester Zeit hat die italienische Regierung eine eigne Expedition nach Schoa beordert, von wo aus kurz vorher (1882) der Franzose Soleillet nach den südlichen Grenzländern Abessiniens, Kaffa und Enarea, abgegangen war. Dieser Reisende trägt sich sogar mit dem Gedanken der Anlage einer Eisenbahn von der Tadschurrabai nach Schoa.

Abessinien ward ein von Reisenden gern und oft besuchtes Gebiet und zählt mit Recht zu den