Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

179

After - Afterkorn.

an, daß die beiden erstern sowie die Bantuvölker aus einer Vermischung mit den aus Asien eingewanderten Hamiten hervorgegangen seien. Dagegen hält Lepsius zunächst aus anatomischen Gründen, namentlich der vorgebeugten Haltung des Oberkörpers wegen, alle einheimischen afrikanischen Rassen für verwandt und sucht insbesondere bei fast sämtlichen zentralafrikanischen Sprachen nachzuweisen, daß dieselben ihrem Grundcharakter nach, namentlich in betreff der Klasseneinteilung der Substantiva, mit den Bantusprachen identisch und nur durch die Einwirkung der hoher zivilisierten Hamiten in einen Zersetzungsprozeß eingetreten seien; bloß die Hottentotten hält er für nach Süden abgedrängte Verwandte der Hamiten, mit denen sie sprachlich die Unterscheidung der Geschlechter gemein haben. Jedenfalls herrscht darüber allgemeine Übereinstimmung, daß zwischen den Hamiten und Semiten einerseits und allen oder fast allen übrigen afrikanischen Völkern anderseits sowohl sprachlich als kulturgeschichtlich eine tiefe Kluft liegt. Nur erstere besitzen eine alte Schrift, Litteratur und Geschichte; was sich bei letztern von Litteratur findet, beschränkt sich auf der neuesten Zeit angehörige christliche Erbauungsbücher, Bibelübersetzungen u. dgl. und einige Sammlungen von Volkserzählungen und Tiermärchen. Daß die Hamiten ebenso wie später, zum Teil schon in geschichtlicher Zeit, die Semiten aus Asien eingewandert sind, beweist teils ihre geographische Stellung, namentlich aber ihre zu dem semitischen Sprachstamm in unleugbaren Beziehungen stehende Sprache. Vgl. die "Sprachenkarte" und Fr. Müller, Grundriß der Sprachwissenschaft, Bd. 1 (Wien 1876-77); Lepsius, Nubische Grammatik, mit einer Einleitung über die Völker und Sprachen Afrikas (Berl. 1880); Cust, Sketch of the modern languages of Africa (Lond. 1884, 2 Bde.).

After, altdeutsches Verhältniswort (niederländ. achter), s. v. w. nach, hinter, seit dem 15. und 16. Jahrh. nur noch in Zusammensetzungen mit Hauptwörtern, seltener mit Zeitwörtern (z. B. afterreden) vorkommend, oft mit dem Nebenbegriff des Falschen, Schlechten, Unechten, z. B. Afterkind, s. v. w. uneheliches Kind; Aftermehl, das nach der Beutelung des feinern übrigbleibende Mehl; Afterbier, Nach- oder Halbbier, Kofent etc.; Afterkorn (s. d.) etc.

After (Anus), die hintere Ausmündung des Darmkanals (s. Darm). Krankheiten des Afters kommen häufig vor. Eine derselben ist angeboren, nämlich der Mangel oder die Verschließung des Afters (atresia ani), wobei der Mastdarm blindsackartig endigt und die äußere Haut an Stelle des Afters keine Öffnung besitzt, also auch keine Darmentleerung eintreten kann. Unter den erworbenen Krankheiten des Afters sind die sogen. Hämorrhoiden (s. d.) die gewöhnlichsten. Entzündungen des Afters und des Mastdarms entstehen durch die verschiedensten Ursachen: durch den mechanischen Reiz, welchen harte Ansatzstücke einer Klistierspritze oder harte Kotmassen auf das Darmende ausüben; durch fremde Körper, welche mit den Fäkalmassen durchtreten sollten, z. B. verschluckte Fischgräten, Stecknadeln, Obstkerne, Knochenstückchen u. dgl., welche aber in der Nähe des Afters sich einbohren oder die Schleimhaut daselbst verletzen; ferner durch die Anwesenheit von Eingeweidewürmern, namentlich Madenwürmern bei Kindern; durch Fortleitung der Entzündung des Dickdarms, z. B. bei der Ruhr; durch Fortleitung einer Entzündung der Umgebung auf den A. etc. Diese Entzündungen sind mit brennenden und drückenden Schmerzen im A. und mit unaufhörlichem Stuhldrang verbunden, welcher aber nach etwa stattgefundener Entleerung nicht wesentlich erleichtert wird. Die schwächsten der genannten Reize verursachen eine katarrhalische Absonderung, welche ungefährlich ist, aber durch Wundwerden der Haut sehr lästige Beschwerden hervorrufen kann. In höhern Graden kommt es zur Geschwürsbildung, wie bei der Ruhr, bei allgemeiner Darmschwindsucht, bei Verletzungen der Schleimhaut. Alle diese können zur Bildung von Fistelgängen (Anusfistel, Mastdarmfistel) führen und erheischen dann operative Behandlung. Eine besonders langwierige und durch ihre Folgen böse Geschwürsform kommt namentlich beim weiblichen Geschlecht nach syphilitischer Ansteckung vor; sie bewirkt oft so extreme Verengerung (strictura ani) des letzten Darmabschnitts, daß die Entleerung gänzlich unmöglich wird und an den Folgen der Kotstauung leicht der Tod eintreten kann, wenn nicht durch Operation ein andres Darmstück eröffnet und zu einem künstlichen A. (Kotfistel, anus praeternaturalis) mit der Bauchwand vernäht wird. Solche widernatürliche Darmfisteln können auch ohne Kunsthilfe bei chronischen Bauchfellentzündungen, eingeklemmten Brüchen etc. durch Perforation von Darmgeschwüren, Schuß- und Stichwunden zu stande kommen. Von Geschwülsten des eigentlichen Afters ist nur der Krebs zu nennen, der hier stets als krebsiges Geschwür (Cancroid) vorkommt; über die übrigen Veränderungen vgl. Mastdarm, Mastdarmfistel, Mastdarmkrebs etc.

Afterbildungen, s. v. w. Neubildungen.

Afterbrunft, die Brunft der Rehe im Dezember; s. Reh.

Afterbürgschaft (Nachbürgschaft, Überbürgschaft, Fidejussio succedanea), die einem Gläubiger gegenüber übernommene Verbindlichkeit, für die Schuld eines Bürgen aus einer Bürgschaft aufzukommen, falls dies seitens des Bürgen nicht geschehen sollte. Der Afterbürge (Nachbürge, Überbürge, fidejussor fidejussoris, fidejussor succedaneus) haftet in zweiter Linie für den Bürgen, dessen Verpflichtung für ihn die Hauptschuld ist.

Afterdolde, s. v. w. Trugdolde, s. Blütenstand.

Afterfratt (Wundsein, Frattsein, Wolf, Excoriatio), oberflächliche Hautentzündung am After, wobei die Haut in größerer oder geringerer Ausdehnung gerötet, feucht, etwas rauh ist und beim Gehen und überhaupt bei jeglicher Reibung einen brennenden Schmerz verursacht. Das Übel beruht auf der Entfernung der schützenden Horndecke der Haut und entsteht gern bei fetten Personen, welche leicht schwitzen, bei anhaltender Reibung der Teile, wie beim Reiten, namentlich aber bei kleinen Kindern infolge von Verunreinigung mit Harn und Kot. Der A. wird verhütet oder beseitigt durch wiederholte Waschungen mit kühlem Wasser oder mit Bleiwasser. Weniger zu empfehlen sind Streupulver, z. B. des Bärlappsamens.

Afterjucken, s. Jucken.

Afterkamille, s. Anthemis.

Afterklauen (Afterzehen, Aberklauen, Gräfler), bei den Huftieren die beiden Zehen hinten an jedem Fuß über dem Ballen, welche den Boden nicht berühren und nur ausnahmsweise ebenso groß werden wie die Hauptzehen des Fußes.

Afterkorn (Hinterfrucht, Aftergetreide, Hintergetreide), die geringwertigere Sorte von Getreide, welche beim Dreschen und Reinigen der Frucht von der eigentlichen Marktware und Brotfrucht ausgeschieden wird. Verwerflich ist die Verwendung des Afterkorns zu Viehfutter, weil die dem