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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Afterkristalle - Agamedes.

A. beigemengten Unkrautsamen den Tieren oft schädlich werden, oft auch unverdaut und keimfähig durch den Darmkanal in den Dünger wandern und dem Acker wieder zugeführt werden. A., von dem das Unkraut nicht zu scheiden ist, muß, wenn es keine giftigen Samen (Rade, Trespe etc.) enthält, geschroten oder stark gedämpft werden, ehe es zur Verfütterung dient; schädliches A. gehört auf den Kompost.

Afterkristalle, s. Pseudomorphosen.

Afterlehen (Subfeudum), ehedem ein Lehen, welches Gegenstand eines neuen Lehens geworden ist, indem der Vasall sein Nutzungseigentum (dominium utile) einem andern ins Lehen reicht (subinfeudatio). Bei der Subinfeudatio kamen drei Lehnspersonen übereinander zustehen: der Oberlehnsherr (dominus), der Unterlehnsherr (vasallus primus) und der Aftervasall (Vasallus secundus). Der Aftervasall war zwar zunächst nur Mann des ersten Vasallen, aber doch zur Lehnstreue gegen den obern Lehnsherrn verbunden, welcher ihn beim Erlöschen des Rechts des ersten Vasallen als unmittelbaren Lehnsmann anzuerkennen hatte.

Aftermiete (Untermiete, Sublocatio, Subconductio), dasjenige Rechtsverhältnis, welches entsteht, wenn der Mieter den ermieteten Gegenstand weiter vermietet, wozu er nach gemeinem Recht berechtigt ist. Nach preußischem Recht hat der Mieter nicht schon an sich die Befugnis der Weitervermietung, sondern nur, wenn sie ihm vom Vermieter ausdrücklich eingeräumt ist. Zwischen dem ursprünglichen Vermieter und dem Aftermieter besteht kein Rechtsverhältnis. Jener hält sich in allen Stücken an seinen Mieter, dieser (der Aftermieter) an seinen Vermieter.

Aftermoose, s. Lebermoose.

Afterpacht (Unterpacht), dasselbe Rechtsverhältnis beim Pacht wie die Aftermiete (s. d.) bei der Miete.

Afterpfand (Pignus pignoris, Subpignus), das von einem Pfandgläubiger an einen Dritten (Afterpfandgläubiger) weiter verpfändete Pfand. Das Afterpfandrecht besteht in der Befugnis, das Pfandrecht des ersten Pfandgläubigers zum Zweck der eignen Befriedigung an dessen Stelle geltend zu machen.

Afterraupen, s. Blattwespen.

Afterschörl, s. Axinit.

Afterskorpione, s. Gliederspinnen.

Afterspinnen, s. Gliederspinnen.

Aftervasall, s. Afterlehen.

Afwa-Saxa, s. Awasaksa.

Afzelius, 1) Adam, Botaniker, geb. 8. Okt. 1750 zu Larf in Westgotland, wurde 1777 Dozent der orientalischen Litteratur, als Linnés letzter Schüler 1785 Demonstrator der Botanik an der Universität Upsala, begab sich 1792 als Naturforscher nach der englisch-afrikanischen Kolonie Sierra Leone, verlor aber hier bei der Ausplünderung der Kolonie durch die Franzosen alle seine wertvollen Sammlungen. Im J. 1796 als Sekretär bei der schwedischen Gesandtschaft in London angestellt, kehrte er 1799 auf seinen Lehrstuhl in Upsala zurück, erhielt 1812 die Professur der Materia medica und starb 20. Jan. 1837 in Upsala. Er schrieb: "Genera plantarum guineensium" (Ups. 1804), "Stirpium in Guinea medicinalium species novae" (das. 1818), "Stirpium in Guinea medicinalium species cognitae" (das. 1825) und gab die Selbstbiographie Linnés (deutsch, Berl. 1826) heraus. Seine ethnographische Pflanzensammlung hat die Universität Upsala angekauft.

2) Arvid August, schwed. Dichter und Schriftsteller, geb. 6. Mai 1785, war seit 1821 Pfarrer zu Enköping, wo er hochbetagt 25. Sept. 1871 starb. A. machte sich besonders durch seine Forschungen im Gebiet altnordischer Geschichte und Litteratur bekannt. Er übersetzte die alten Edden ins Schwedische und gab die "Sämundar-Edda" (nach Rasks Rezension) heraus, ferner mit Geijer die "Svenska folkvisor", eine Sammlung altschwedischer Volkslieder mit den alten Melodien (Stockh. 1814-17, 3 Bde.; deutsch in Auswahl von Warrens, Leipz. 1857), und lieferte eine interessante, aus Volksliedern, der Chronik und alten Volkstraditionen geschöpfte Geschichte Schwedens bis zum Tod Karls XII. ("Svenska folkets sagohäfder", Stockh. 1839-70, 11 Tle.; die drei ersten Teile in deutscher Übersetzung von Ungewitter mit einem Vorwort von L. Tieck als "Volkssagen und Volkslieder aus Schwedens älterer und neuerer Zeit", Leipz. 1842). Als Dichter gehörte A. zur sogen. gotischen (national-romantischen) Schule. Besonders gelangen ihm Romanzen (z. B. "Der Necke") und Volkslieder im alten Nationalton.

Ag, in der Chemie Zeichen für Silber (Argentum).

Ag., bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung für Agassiz (s. d.).

Aga (türk., "Herr"), früher Titel der türk. Militärbefehlshaber bis zum Major, jetzt nur noch Titel der nicht zur Efendiklasse gehörigen (ungebildeten) Bürger und Unterbeamten. So im kaiserlichen Palast der Kapu Agassi, das Haupt der weißen Verschnittenen; der Kislar Agassi, der Herr über die Mädchen; der A. Babi saadet ("der Herr des Thors der Glückseligkeit"), der Oberaufseher der Odalisken; der Chasinedar Baschi, der Oberschatzmeister; der Kilardschi Baschi, der Oberkellermeister, und der Serai Agassi, der Oberaufseher des Serails.

Agacieren (franz., spr. agass-), auf pikante Weise anregen und herausfordern.

Agada, s. Haggada.

Agades, Hauptstadt der Landschaft Aïr (s. d.) in der südlichen Sahara, an einem Knotenpunkt von Handelsstraßen, ehemals blühend mit 50,000, jetzt verödet mit nur etwa 7000 Einw., welche ansehnlichen Salzhandel treiben.

Agadîr (Santa Cruz), Küstenstadt in der marokkan. Provinz Sus, an der Mündung des Sus, mit jetzt nur 1500 Einw., hatte früher lebhaften Handelsverkehr mit Europa, ist aber durch die Erbauung Mogadors sehr herabgekommen. Die Reede von A. gilt für die beste der ganzen Küste.

Agalloche-Blindbaum, s. Excoecaria.

Agallocheholz (spr. -losch-), s. Aloeholz.

Agalma (griech.), Weihgeschenk, Bild, Statue.

Agalmatolíth (griech., "Schmuckstein"; Bildstein, chinesischer Speckstein, Lardit, Pagodit), Mineral aus der Ordnung der Silikate und der Thongruppe, besteht aus Kieselsäure, Kali, Thonerde und Wasser, ist derb, splitterig, fast mild, gelblich- oder grünlichgrau, auch fleischrot oder ölgrün, bisweilen fleckig, matt oder schimmernd, kantendurchscheinend, fühlt sich etwas seifenartig an, spez. Gew. 2,75-2,9, Härte 2-3, findet sich in China und bei Nagyag in Siebenbürgen und wird in China zu allerlei Kunstsachen, Götzenbildern etc. verarbeitet.

Agamé, eine zum Reich Tigré gehörige Landschaft im nordöstlichen Abessinien. Daselbst liegt auf einem 2285 m hohen Berg das nur auf Leitern zu ersteigende Kloster Debre Damo; an der Ostgrenze, neben dem 3410 m hohen Lavaberg Alekwa, in 2530 m Höhe Addigerat. Das Land erzeugt Getreide u. Wolle in Fülle.

Agamedes, Sohn des Königs Erginos von Orchomenos, aus dem Geschlecht der Minyer, Bruder des