Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Agathologie; Agăthon; Agathophyllum; Agathosma; Ägatische Inseln; Agāve

185

Agathologie - Agave.

Schauplatz der blutigsten Greuel. An 4000 Menschen fielen der Wut der Soldaten zum Opfer, eine noch größere Zahl wurde verbannt, die Güter der Getöteten wie der Geächteten wurden verteilt. Nach diesen Blutszenen wurde A. zum unumschränkten Feldherrn von Syrakus ausgerufen. A. gab gute Gesetze, ordnete das Finanzwesen und schuf ein zahlreiches, wohlgeübtes Heer und eine starke Flotte. Die Eroberung fast ganz Siziliens durch A. veranlaßte endlich die Karthager, eine Flotte und ein Heer dahin zu schicken. Die unterjochten Städte verbanden sich mit dem karthagischen Feldherrn Hamilkar, und A. wurde 310 am Himerafluß geschlagen und dann in Syrakus belagert. Um sich aus dieser Bedrängnis zu befreien, durchbrach A. mit 60 Schiffen die den Hafen blockierende Seemacht der Karthager und segelte nach Afrika. Dort schlug er die überraschten Karthager wiederholt, eroberte die meisten ihrer Städte, gewann das Heer des treulos ermordeten Ophellas von Kyrene, der sich ihm angeschlossen hatte, und dachte schon daran, den Königstitel von Afrika anzunehmen, als die Siege der Agrigentiner über Syrakus seine schleunige Rückkehr nötig machten. Er übergab daher den Oberbefehl in Afrika seinem Sohn Archagathos und eilte (307) mit 2000 Mann nach Sizilien. Hier kämpfte er mit Glück gegen die Karthager und ihre sizilischen Bundesgenossen und suchte auch die Ruhe in der Stadt durch Ermordung und Einkerkerung seiner Gegner wiederherzustellen. Dann kehrte er nach Afrika zurück, wo er die Seinen in verzweifelter Lage fand. Das Wagnis einer Schlacht schien ihm das einzige Rettungsmittel. Er erlitt aber eine vollständige Niederlage, und seine Sache in Afrika mit Heer und Söhnen feigherzig preisgebend, entfloh er heimlich nach Sizilien (306). Seine Söhne büßten den Verrat mit dem Leben, das Heer ergab sich an die Karthager. Auf die Nachricht von der Ermordung seiner Söhne wütete er gegen alle Verwandte der Mörder. Solche Greuel und die Kunde von seiner gesunkenen Macht verschafften seinen sizilischen Gegnern, an deren Spitze Deinokrates stand, ansehnlichen Zuwachs. Unter diesen Umständen schloß A. Frieden mit den Karthagern, wodurch er sich Geld und Lebensmittel für seine Truppen verschaffte. Dann wandte er sich gegen Deinokrates und besiegte ihn um so leichter, als ein großer Teil der Soldaten desselben zu A. überging. Deinokrates selbst schloß mit A. einen Vertrag und wurde aus einem Gegner ein Gehilfe des Tyrannen, der durch seine energischen (freilich oft auch überaus grausamen) Maßnahmen die Herrschaft über Syrakus und die andern griechischen Städte auf Sizilien bald fester in der Hand hatte als zuvor, so daß er seit dieser Zeit milder auftreten und sich als ein wohlwollender Herrscher zeigen konnte. Seiner eignen Natur aber fehlte die Ruhe; das Abenteurerleben, das er von Jugend an geführt, gab er auch im Alter nicht auf. Er unternahm Streifzüge und Raubfahrten zu Lande und zur See, brandschatzte die Liparischen Inseln (303), eroberte Kerkyra und gab es als Mitgift seiner mit dem König Pyrrhos von Epirus verlobten Tochter Lanassa. Nicht lange nachher eroberte er Kroton (295) und durchzog plündernd das Land der Bruttier. Aber sein Enkel Archagathos, ein Sohn jenes Archagathos, den A. in Afrika geopfert hatte, neidisch, daß A. seinen Sohn gleichen Namens bevorzuge, tötete diesen Oheim bei einem Gelage und ließ A. durch dessen Lieblingssklaven in einem Zahnstocher ein langsam wirkendes Gift beibringen, das demselben so furchtbare Schmerzen verursachte, daß er sich bei vollem Bewußtsein auf einen Scheiterhaufen bringen und verbrennen ließ (289), nachdem er ein Alter von 72 Jahren erreicht und 28 Jahre regiert hatte. A. besaß alle Eigenschaften eines großen Feldherrn, aber entstellt durch despotische Härte und Grausamkeit. Außer seinem Bruder Antandros schrieben auch seine Zeitgenossen Timäos und Kallias des A. Biographie, jener mit Haß, dieser mit Schmeichelei. Außerdem gibt Diodor von Sizilien seine Geschichte.

Agathologie (griech.), s. v. w. Lehre vom Guten.

Agăthon, griech. Tragiker aus Athen, geboren um 448 v. Chr., der durch Schönheit, Reichtum und feine Bildung ausgezeichnete Freund des Euripides und Platon. Letzterer verewigte das Gastmahl, mit dem er seinen ersten dramatischen Sieg 417 feierte, durch sein "Symposion"; mit ersterm befand er sich zusammen am Hof des Königs Archelaos von Makedonien, wo er um 402 gestorben zu sein scheint. Wieland hat ihn zum Helden seines ehedem vielgelesenen Romans "A." gemacht. Er führte mancherlei rhythmische und musikalische Neuerungen ein, auch war er der erste, der in seiner Tragödie "Anthos" ("Die Blume") den Stoff nicht aus der Mythengeschichte zu nehmen, sondern Handlung und Personen zu erdichten wagte. In seinem Stil hatte er den Sophisten Gorgias zum Vorbild. Die Bruchstücke seiner Dichtungen in Naucks "Tragicorum graec. fragmenta" (Leipz. 1856). Vgl. Ritschl, De Agathone (Halle 1829).

Agathophyllum Commers., Gattung aus der Familie der Laurineen. A. aromaticum Willd., ein Baum auf Madagaskar, hat lederartige, immergrüne, als Gewürz benutzte Blätter, in Büscheln stehende, aromatische Blüten und birnförmige, holzige, gewürzhafte Früchte, welche als Nelkennüsse auch nach Europa gekommen sind.

Agathosma Willd. (Wohlgeruch), Gattung aus der Familie der Rutaceen, immergrüne Sträucher mit meist wechselständigen, kleinen, flachen oder fast dreikantigen Blättern, an der Spitze der Zweige in Dolden oder Köpfchen stehenden, zierlichen, weißen oder rötlichen Blüten, etwa 100 Arten in Südafrika, von denen mehrere als Zierpflanzen kultiviert werden. Sie enthalten ätherisches Öl, welches bei A. cerefolium Don. kerbelähnlich, bei A. microphylla Mey. anisähnlich, bei A. cyminoides Eckl. et Zeyh. kümmelähnlich riecht.

Ägatische Inseln (Ägaten, ital. Egadi), Inselgruppe an der Westspitze (Capo Böo) von Sizilien, zusammen 180 qkm (3,3 QM.) groß mit (1881) 5615 Einw. Die größten sind: Levanzo (s. d.) im N., Favignana (s. d.) im S., Marettimo (Hiera) im W. Zwischen diesen und Sizilien liegen die auch zu den Ägatischen Inseln gezählten Klippeninseln Le Formiche. Marettimo hat ein Kastell, das als Staatsgefängnis dient, und produziert viel Kapern, Thymian und trefflichen Honig. Bei Favignana erfochten die Römer unter G. Lutatius Catulus und P. Valerius Falto 10. März 241 v. Chr. über die Karthager den Seesieg, welcher den ersten Punischen Krieg beendigte.

Agāve L., Gattung aus der Familie der Amaryllidaceen, langlebige Gewächse mit großen, fleischigen, rosettenförmig gestellten, am Rande dornigen Blättern, treiben einen bis 12 m hohen Blütenschaft, welcher aus der Mitte der Rosette sehr schnell emporschießt und eine kandelaberartige Blütenrispe mit oft an 4000 glockenförmigen, honigreichen und schön duftenden Blüten trägt. A. americana L. (Maguey, s. Tafel "Spinnfaserpflanzen"), aus Mexiko, kam aus Südamerika 1561 nach Europa, ist über ganz Südeuropa (nördlich bis Bozen) verbreitet, zum Teil verwildert, findet sich auch in Nordafrika, in