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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Agyieus; Agynīe; Ägypten

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Agyieus - Ägypten (Lage, Umfang, Bodengestalt).

Der A. (Goldhase, D. Aguti L.) ist 40 cm lang, gelbrot mit Schwarz gesprenkelt, an manchen Leibesstellen gelblicher, an andern rötlicher, am Kreuz und an den Schenkeln lang behaart, findet sich in Guayana, Surinam, Brasilien und Nordperu in Wäldern und grasreichen Ebenen, zum Teil sehr häufig, liegt bei Tage meist ruhig und einsam in seinem Lager in einem hohlen Baum und streift nachts umher. Er läuft sehr schnell, springt gut, hat scharfe Sinne, aber geringe geistige Fähigkeiten. Die Nahrung besteht aus den verschiedensten Pflanzen, und in Zuckerrohrpflanzungen und Gemüsegärten kann er lästig werden. Er vermehrt sich ziemlich stark, hält sich gut in der Gefangenschaft und pflanzt sich hier auch fort. Jung eingefangene Tiere werden sehr zutraulich und erfreuen auch durch ihre große Reinlichkeit. Die Jagd auf den A. ist schwierig, da er nur nachts sein Lager verläßt; das Fleisch ist sehr wenig geschätzt.

Agyieus, Beiname des Apollon (s. d.).

Agynīe (griech.), Unbeweibtheit; agynisch, in der Botanik s. v. w. ohne Pistill.

Ägypten (hierzu Karte "Ägypten etc."), das Wunderland der Alten Welt, ehemals ein großes selbständiges Reich, jetzt ein unter der Hoheit des türkischen Sultans von einem Vizekönig regierter Staat in Nordafrika. Der Name ist griechischen Ursprungs, aber von ungewisser Bedeutung; nach Brugsch wäre das griech. Aigyptos entstellt aus Ha-ka-ptah, d. h. Haus der Verehrung des Ptah. Der einheimische Name war Chemi oder Cheme (d. h. schwarzes Land); doch bezieht sich derselbe nicht auf die dunkle Hautfarbe der Einwohner, denn diese war rotbraun, sondern auf die schwarze Erde, welche, vom Nil angeschwemmt, den fruchtbaren Thalboden von dem angrenzenden Ta Tesch, d. h. das rote, der Wüste auffällig genug unterschied. Bei den Hebräern hieß Ä. Masar (im Dual Misraïm), in persischen Keilinschriften Mudhraja. Der heutige arabische Name ist Masr, der türkische Gipt (der abgekürzte griechische, daher Gipti, die Kopten, die unzweifelhaften Nachkommen der alten Ägypter). Ä. begriff früher nur das Nilthal bis zu den ersten Katarakten südlich von Assuân. Infolge der erobernden Politik seiner letzten Herrscher hat sich das Reich aber ungemein ausgedehnt, sowohl nach S. als nach SO. und SW. Große Länderstrecken am Weißen Nil bis zu den Nilseen und am Gazellenstrom wurden dem Staat einverleibt; dazu kamen Dar Fur und die Somalstädte am Arabischen Meerbusen (Zeila, Berbera etc.) sowie das Land Harar. Damit erstreckt sich das ägyptische Reich vom Kap Burlos (31° 35' nördl. Br.) bis zum Mwutansee (etwa 1½° nördlich vom Äquator), d. h. durch 30 Breitengrade. Der Umfang Ägyptens läßt sich mit völliger Genauigkeit nicht angeben, da ein großer Teil der Grenze sowohl nach W. als nach O. in die Wüste fällt. Allgemein anerkannte Zahlen gibt es nicht. Schweinfurth rechnete noch 1877 die Somalländer südwärts bis zum Fluß Dschubb oder Juba hinzu, so daß sich nach ihm das Areal Ägyptens auf 67,500 QMeilen belief. Doch sind die Ansprüche auf die Somalländer in der Folge wieder aufgegeben worden. Man darf demnach die Grenzen in der Weise bestimmen, daß eine im O. von El Arisch am Mittelmeer gegen den Meerbusen von Akabah gezogene Linie die ganze Sinaihalbinsel im O. des Suezkanals und den schmalen Küstenstreifen westlich vom Dschebel el Schafah bis zum Wadi el Hams einschließt, die Ostgrenze dann weiter am Westufer des Roten Meers entlang bis Harar und Berbera verläuft, während die Südgrenze bis zu den Äquatorialseen reicht und die Westgrenze durch eine Linie gebildet wird, welche, der westlichen Grenze Dar Furs folgend, direkt durch die Wüste zieht und das Mittelländische Meer unter 25° östl. L. trifft. Das würde für das ganze ägyptische Gebiet nach Behm und Wagner ("Bevölkerung der Erde", Bd. 7) ein Areal von 2,986,900 qkm (54,246 QMeilen) geben (s. die statistische Übersicht unter "Staatsverwaltung", S. 214).

Bodengestaltung und Gewässer.

Die Bodengestaltung, die Bewässerung und damit auch die Bewohnbarkeit der einzelnen Teile des Reichs sind sehr verschiedene. Während in der nördlichen Hälfte nur das schmale Nilthal kulturfähig (freilich auch in ganz besonders hohem Maß) und bewohnbar, der bei weitem größte Rest des ausgedehnten Gebiets aber reine Wüste ist, breiten sich in der südlichen Hälfte, wo der Nil eine Reihe von Zuflüssen sowohl von der rechten als der linken Seite empfängt, weite Ebenen aus, die zwar zum Teil steppenartig und unfruchtbar sind, daher höchstens zur Weide sich eignen, mit denen aber überfeuchte Uferwaldungen und Waldgalerien abwechseln. Kordofan hat den Savannencharakter, den auch das östliche Dar Fur trägt, während sein durch die Marrahkette geschiedener Ostteil, von dem verschiedene Gewässer dem Schari zufließen, fruchtbare Thäler enthält. In dem inselartigen Senaar und dem wasserreichen Dar Fertit wechselt Urwald mit heitern Buschwäldern, Wiesen und Steppen; eine üppige Vegetation bedeckt auch die Ufer des Nils bis zum Mwutan. Dürr und wasserlos ist die Felsenwüste der Danakil, während Harar wieder ein wohlbewässertes Land bildet. Das ägyptische Reich wird in seiner ganzen Ausdehnung von N. nach S. vom Nil durchströmt, dessen sämtliche Nebenflüsse, wenn nicht in ihrer ganzen Länge, so doch in ihrem Unterlauf Ä. angehören. Er ist der einzige Fluß des Reichs. Ist der Strom in den südlichen Gegenden trotz mancher Hemmnisse als Verkehrsader schon von hoher Wichtigkeit, so wird er in seinem untern Lauf zur Lebensbedingung für das eigentliche Ä. Dieses ist zum großen Teil völlig unfruchtbare Sand- und Steinwüste, so daß von den mehr als 1 Mill. qkm dieses Gebiets (vom Mittelmeer bis Wadi Halfa) nach einer Berechnung nur 24,195, nach einer andern 30,500 qkm kulturfähig sind, wovon 17,070 qkm auf das Delta, 13,430 auf das Nilthal und das Fayûm entfallen. In diesem sich längs des Nils hinziehenden Tiefland bildet den Untergrund Fels oder Sand, den eine 10-12 m mächtige Schicht fruchtbaren Schlammes bedeckt: ein schmaler, im untern Teil nirgends über 30 km, im obern selten mehr als 7 km breiter Streifen Landes, der durch seine Ergiebigkeit die geringe Ausdehnung ersetzt. Dieses eigentliche Ä. zerfällt nach seiner natürlichen Beschaffenheit in zwei Teile, Ober- und Unterägypten.

Unterägypten, das vom Mittelmeer bis zu dem Städtchen Beni Suef südlich vom Fayûm reicht, erhebt sich nur wenige Fuß über die Meeresfläche und ist in der That als großenteils vom Nil selbst gebildet ein Geschenk des Stroms, wie es schon Herodot genannt hat. Dies gilt namentlich von dem Delta zwischen den beiden Hauptarmen des Nils und den mit diesen in Verbindung stehenden Kanälen, welches ganz aus angeschwemmtem Flußsand besteht. Es ist eine unabsehbare, wenige Fuß über den Meeresspiegel sich erhebende steinlose Ebene, die zu den ergiebigsten Getreideländern der Erde gehört. Da die Ursachen, welche die Entstehung dieses Landes zur Folge hatten, noch