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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ägyptische Augenentzündung

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Ägyptische Augenentzündung.

gen gebracht, die Forts besetzt, zugleich aber ein Teil der Stadt zerstört und von den erbitterten Soldaten und Einwohnern ein furchtbares Blutbad unter den Europäern angerichtet, deren Häuser meist in Brand gesteckt wurden. Die englische Regierung sah sich daher genötigt, ein Landheer unter Wolseley nach Ä. zu schicken, das zunächst Alexandria besetzte, dann das ägyptische Heer unter Arabi, der den Widerstand fortsetzte, vom Suezkanal aus 13. Sept. bei Tell el Kebir angriff und vollständig in die Flucht schlug. Die Empörer wurden in die Verbannung geschickt. Tewfik Pascha wurde darauf wieder in die Herrschaft eingesetzt, doch hatte er alles Ansehen verloren und behauptete sich nur mit Hilfe der englischen Truppen, welche Ä. besetzt hielten. Englische Beamte und Offiziere machten zwar Versuche, dem Land eine neue, bessere Verfassung und Verwaltung zu geben sowie das Heer zu reorganisieren, doch ohne Erfolg. Die Ausfälle in den Einkünften während der Empörung und die erheblichen Kosten der englischen Okkupation hatten ein solches Defizit zur Folge, daß weder die Entschädigungen an die durch die Ereignisse von Alexandria betroffenen Europäer noch die Zinsen der Staatsschuld gezahlt werden konnten. Der Versuch, den England auf der Londoner Konferenz 1884 machte, die Zustimmung der Mächte zu einer Zinsreduktion zu erlangen, scheiterte an seiner Weigerung, die frühere internationale Finanzkontrolle herzustellen. Dazu kam der Aufstand des Mahdi im Sudân, wo die ägyptischen Truppen mehrere Niederlagen erlitten, die den Abfall des ganzen Landes von Ä. zur Folge hatten. Auch die Besitzungen am Roten Meer und in Harar gingen verloren. So wurden durch die Rebellion Arabi Paschas und die englische Intervention die innern und äußern Erfolge früherer Jahre wieder vernichtet.

Aus der neuern geschichtlichen Litteratur sind hervorzuheben: Bunsen, Ägyptens Stellung in der Weltgeschichte (Hamb. 1844-57, 5 Bde.); Lepsius, Königsbuch der alten Ägypter (Berl. 1858); Brugsch, Geschichte Ägyptens unter den Pharaonen (Leipz. 1877); Maspero, Geschichte der morgenländischen Völker (deutsch, das. 1877); Dümichen, Geschichte des alten Ä. (Berl. 1878-82, 3 Lfgn.); Wiedemann, Ägyptische Geschichte (Gotha 1883 ff.); Lumbroso, L'Egitto al tempo dei Greci e dei Romani (Tur. 1882); Weil, Geschichte des Abbasidenkalifats in Ä. (Stuttg. 1860, 2 Bde.); Quatremère, Histoire des Sultans Mameloucks (Par. 1837-41, 2 Bde.); Paton, History of Egyptian revolution from the period of the Mamelukes to the death of Mohammed Ali (2. Aufl., Lond. 1870, 2 Bde.); Cusieri, Storia fisica e politica dell' Egitto dalle prime memorie de suoi abitanti al 1842 (Flor. 1862, 3 Bde.); über die Regierung Mehemed Alis die Werke von Mengin und Jomard (1839), Mouriez (1855-58, 4 Bde.); über die Zustände unter Ismail die Schriften von Sacré und Outrebon (1865), Lesseps (s. d.); über die neueste Zeit Malortie, Egypt, native rulers and foreign interference (2. Aufl., Lond. 1883); H. Vogt, Die kriegerischen Ereignisse in Ä. 1882 (Leipz. 1882).

Ägyptische Augenentzündung (Ophthalmia militaris contagiosa oder granulosa, s. Tafel "Augenkrankheiten", Fig. 2, 3), eine epidemische Augenentzündung, von welcher die französischen Truppen während des ägyptischen Feldzugs in den Jahren 1798-1801 in einer furchtbaren Weise ergriffen wurden. Auch die englischen, 1800 zu Abukir ausgeschifften Truppen hatten von ihr zu leiden, und später pflanzte sich die Krankheit auf alle die Orte über, wohin die Truppen gingen, und brach demzufolge auch auf Malta, Sizilien, in Gibraltar, Portugal und Spanien sowie in England aus, wo sie heftig wütete. Bis 1813 suchte sie Italien und seitdem die meisten europäischen Heere heim. Noch 1833 und 1834 wütete die Krankheit arg unter den belgischen Truppen, so daß Tausende erblindeten. Die ä. A. tritt gelegentlich auch unter der Zivilbevölkerung auf, namentlich in solchen Fällen, wo viele Menschen in engen Räumen zusammenwohnen, wo nicht für die nötige Reinlichkeit gesorgt wird und die Luft mit schädlichen Ausdünstungen und Miasmen geschwängert ist (z. B. in Zuchthäusern, Schiffen, Waisenhäusern etc.). Auch ist die ä. A. nicht durch die Franzosen nach Europa importiert worden, denn die gleiche Krankheit war schon den alten griechischen und arabischen Ärzten bekannt, und in verschiedenen Ländern Europas wurden Epidemien derselben in den letzten Jahrhunderten mehrfach beobachtet. Man hat angenommen, daß die Krankheit eine rein kontagiöse sei, und daß sie nur diejenigen befalle, welche von einem andern daran leidenden Menschen damit angesteckt werden. Viel wahrscheinlicher aber erzeugt sich die Krankheit neu, wenn viele Menschen dicht zusammengedrängt in einer mit schädlichen Bodenausdünstungen und tierischen Ausflüssen etc. verunreinigten Atmosphäre leben, und wenn sie gleichzeitig großen körperlichen Anstrengungen und klimatisch Schädlichkeiten aller Art ausgesetzt sind. Sobald aber die Krankheit sich einmal entwickelt hat, breitet sie sich auf dem Weg der Ansteckung weiter aus, so daß sie also zu den miasmatisch-kontagiösen Krankheiten zu rechnen ist. Der Träger des Ansteckungsstoffs bei der ägyptischen Augenentzündung ist der Eiter, welcher sich auf der Bindehaut der entzündeten Augen erzeugt. Wird dieser Eiter, selbst in minimaler Menge, auf ein bis dahin gesundes Auge übertragen, was durch Berührung der Kranken, durch Benutzung ihres Waschgeräts und auf ähnliche Weise ja so leicht geschehen kann, so erkrankt dieses in der gleichen Weise. Dadurch erklärt sich die epidemische Verbreitung der Krankheit auch auf solche, welche sonst unter günstigen äußern Verhältnissen leben. Die ä. A. tritt unter drei verschiedenen Formen auf. Die mildeste ist diejenige, welche sich als einfacher Katarrh der Bindehaut des Auges darstellt; die heftigere ist die akute Blennorrhöe, bei welcher sehr reichlicher Eiter gebildet wird, und die dritte, aus diesen entstehende, die granulöse ä. A., das Trachom. Der Verlauf der Entzündung ist bei der ägyptischen Augenentzündung kein andrer als bei jeder auf andrer Ursache beruhender Ophthalmie (vgl. Augenentzündung).

Sie bringt das Leben nur selten in unmittelbare Gefahr und zwar nur während ihres akuten Stadiums, wenn sich die Entzündung über das ganze Auge verbreitet. Um so häufiger führt sie zum Verlust des einen oder andern Auges und zur Blindheit, indem entweder eine Verschwärung und narbige Schrumpfung der Hornhaut hinzutritt, so daß kein Licht mehr in das Auge eindringen kann, oder indem die Entzündung den ganzen Augapfel ergreift und zum Schwunde desselben führt, oder endlich, indem der Bindehautsack verödet und die Hornhaut mit einer undurchsichtigen, narbenartigen Gewebsmasse überzogen wird. Alle diese Formen der Blindheit sind unheilbar. Der Arzt hat gegenüber der ägyptischen Augenentzündung eine doppelte Aufgabe. Zunächst muß er die Verbreitung der Krankheit auf bisher