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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Aix - Akademie.

vorzugsweise bei Rheumatismen und Hautkrankheiten gebraucht. Das neue Badeetablissement enthält treffliche Badeeinrichtungen. Die Zahl der Gäste beträgt jährlich etwa 5000. Unter den zahlreichen römischen Altertümern, welche sich hier finden, sind der sogen. Bogen des Campanus (aus dem 3. oder 4. Jahrh. n. Chr.), die Ruinen eines Dianatempels und eines altrömischen Dampfbads am besten erhalten. Vgl. Berthet, A., les thermes (Aix 1862).

Aix, Isle d' (spr. ihl dähs oder däh, Insel an der franz. Küste im Biscayischen Meerbusen, im NW. der Mündung der Charente, zum Departement Niedercharente, Arrondissement Rochefort, gehörig, 193 Hektar groß, mit Leuchtturm und 400 Einw. (meist Fischern). Auf der Reede von A. überlieferte sich Napoleon 15. Juli 1815 den Engländern.

Aix la Chapelle (spr. ähks oder ähs la schapäll), franz. Name von Aachen.

Aizoaceen, dikotyle, etwa 450 Arten umfassende, der gemäßigten und warmen Zone angehörige Pflanzenfamilie aus der Ordnung der Centrospermen, zunächst mit den Karyophyllaceen verwandt, von denen sie sich durch den Bauplan der Blüte unterscheiden. Der zwischen Kelch und Fruchtblättern liegende Blattkreis bleibt entweder einfach und bildet sich zu Staubgefäßen aus, oder er zerfällt durch Spaltung in viele Glieder, die sich teils als Blumenblätter, teils als Staubblätter ausbilden. Es gehören also blumenblattlose und blumenblatttragende Formen hierher. Die A. zerfallen in Mollugineen, Aizoideen und Mesembryanthemeen. Letztere wurden früher der äußerlichen Ähnlichkeit der Blüten wegen in die Verwandtschaft der Kakteen gestellt. Vgl. Fenzl, Monographie der Mollugineen ("Annalen des Wiener Museums", Bd. 1 u. 2).

Aja (ital.), s. Ajo.

Ajaccio (spr. ajattscho), Hauptstadt der Insel Corsica, auf der Westküste derselben, am nördlichen Ende des herrlichen Golfs von A. in einer fruchtbaren Ebene (Campo d'Oro) gelegen, hat gerade, breite Straßen und einen weiten, durch eine Citadelle verteidigten Hafen. Unter den Gebäuden verdienen die schöne Kathedrale und die Kapelle Fesch mit den Särgen der Madame Lätitia und des Kardinals Fesch Erwähnung. Auf dem Marktplatz steht die marmorne Statue Napoleons I. als Ersten Konsuls (1850 errichtet). Andre Reminiszenzen an Napoleon sind die Grabkapelle der Bonaparte und das 1865 eingeweihte Monument der Familie Bonaparte, welches den Kaiser zu Pferde darstellt, umgeben von seinen vier Brüdern (auf dem Diamantenplatz). Das Haus der Familie Bonaparte (Casa Bonaparte), die Geburtsstätte Napoleons I., ist jetzt Nationaleigentum. A. hat ein Museum (Fesch) mit Bibliothek, einen botanischen Garten und zählt (1881) 17,327 Einw., welche Fabrikation von Zigarren, Teigwaren, Schiffbau, Korallen- und Sardellenfischerei und Handel mit Fellen, Leder, Holz, Wein und Öl treiben. A. ist Sitz eines Präfekten und seit dem Ende des 6. Jahrh. eines Bischofs. Es lag in römischer Zeit 2 km weiter nach N. und führte den Namen Urcinium; 1495 wurde es an seiner jetzigen Stelle angelegt. Neuerdings ist es als klimatischer Kurort, namentlich als Winteraufenthalt für Brustleidende, in Aufnahme gekommen. Vgl. Biermann, Die Insel Corsica, mit besonderer Berücksichtigung von A. als klimatischem Kurort (Hamb. 1868); Gerber, A. als Winterkurort (Zür. 1883).

Ajahli Keman, türk. Streichinstrument mit einem Fuß, etwas kleiner als das Cello. Vgl. Kemangeh.

Ajălon, eine zum Stamm Dan gehörige Levitenstadt in Palästina. In dem nahen Thal fand die Schlacht Josuas gegen fünf kanaanitische Könige statt (Jos. 10, 12), wobei Josua der Sonne stillzustehen gebot. Jetzt Dschalo.

Ajân (Adschan), früherer Name der Ostküste von Afrika vom Kap Gardafui an bis zum Äquator hin, ein Teil des Landes der Somal (s. d.).

Ajan (Ajansk), russ. Hafenort im Küstengebiet von Ostsibirien, 300 km südlich von Ochotsk, erst 1845 angelegt, hat ca. 400 Einw. und war bisher als Station der Russisch-Amerikan. Pelzkompanie wichtig. Die Stadt hat mildere Winter als Kamtschatka und steht mit Jakutsk in Postverbindung.

Ajás, Ort im türk. Wilajet Adana (Kleinasien), an der Bucht von Iskanderûn (Alexandrette), ehemals wichtiger Handelsplatz, jetzt verfallen. Von der zur Römerzeit dort liegenden Stadt Ägeä sind nur geringe Trümmer übrig.

Ajax, s. Aias.

Ajo (ital., span. Ayo), Hofmeister, Erzieher; in der weiblichen Form Aja (span. Aya), Kinderfrau, Erzieherin. Frau Aja, der scherzhafte Beiname der Mutter Goethes, vom Besuch der beiden Grafen Stolberg in Frankfurt her.

A jour (franz., spr. schuhr), s. v. w. zu Tage, durchsichtig; von Rechnungsbüchern etc.: bis auf den laufenden Tag in Ordnung. A j. gefaßte Edelsteine sind solche, bei denen die Fassung den Stein nur an den Kanten festhält, seine Rückseite frei und unbedeckt, ihn also durchsichtig läßt (vgl. Edelsteine).

Ajournieren (franz., spr. -schur-), vertagen, aufschieben.

A Jove principium (lat., "der Anfang von Jupiter"), Einleitungsformel der Verhandlungen des Altertums, unser: Der Anfang mit Gott! Bisweilen auch s. v. w. die Geistlichkeit hat den Vortritt.

Ak (türk.), in zusammengesetzten Ortsnamen oft vorkommend, bedeutet "weiß".

Akăbah (Akabet el Misrieh), türk. Hafenort mit Kastell an der äußersten Spitze des Meerbusens von A., des nordöstlichen Arms des Roten Meers, und am Südende des Wadi el Arabah, hat einigen Handel, wiewohl der Eingang zum Hafen schwierig ist. A. liegt an der Stelle des alten Älana (s. d.), nach welchem der Meeresarm auch der Älanitische Meerbusen hieß.

Akademie (griech. akadēmeia, lat. academīa), Anstalt zur Beförderung wissenschaftlicher oder künstlerischer Studien. Ursprünglich führte den Namen A. die Schule Platons, welche denselben von dem Garten des Akademos, einem mit Anlagen versehenen, an der nördlichen Seite der Stadt Athen gelegenen Platz, empfing, in welchem jener seine Vorträge zu halten pflegte. Die erste Gestalt derselben (347-270 v. Chr.), welche sich noch hauptsächlich an die Werke des Stifters hielt, wird als ältere (oder erste) A., die darauf folgende, deren Gründer Arkesilaos (316-241) sich dem Skeptizismus näherte, als mittlere (oder zweite) A., die von Karneades (214-129) begründete, welche dem Probabilismus huldigte, als neuere (oder dritte) A. bezeichnet (s. Platon). Unter den spätern Platonikern, die wieder zum Dogmatismus zurückkehrten, wird auch erst Philon von Larissa (um die Zeit des Mithridatischen Kriegs, 80) als Haupt einer vierten und Antiochos von Askalon (um 50), welcher die Platonische mit den peripatetischen und stoischen Lehren verschmolz und dem Eklektizismus und Neuplatonismus den Weg bahnte, als solcher einer sogen. fünften A. unterschieden.