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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Akademiestücke; Akademiker; Akademisch; Akadien; Akalephen

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Akademiestücke - Akalephen.

(S. 247) erwähnte Accademia della Crusca oder Academia furfuratorum zu Florenz und auf französischem Boden die ebenfalls schon als Teil der Pariser Gesamtakademie besprochene. Zu Madrid stiftete der Herzog von Escalona 1714 eine A. für spanische Sprache, die 1713 mit mehreren Privilegien zu einer königlichen Anstalt erhoben wurde (s. oben). Alle Arbeiten dieser Sektion der Königlichen A., namentlich ihr Hauptwerk, das große spanische Wörterbuch, stehen in verdientem Ansehen. Petersburg erhielt 1783 ebenfalls eine A. für russische und asiatische Sprachen, welche jetzt mit der A. der Wissenschaften verbunden ist. Ähnliche Institute bestehen unter dem Namen von Akademien in Stockholm seit 1789 für die schwedische Sprache, in Pest seit 1830 für die ungarische. Für Altertumskunde sind mehrere Akademien thätig. Für die Erforschung der etrurischen Altertümer wurde zu Cortona in Italien die Accademia etrusca 1727 und für die nordischen Antiquitäten eine andre zu Upsala in Schweden 1710 errichtet; beide haben sehr schätzbare Arbeiten geliefert. Die A., welche für die römische Sprache Paul II. in Rom gründete, ging bald ein, und ein ähnliches Schicksal hatte nach kurzer Blüte die von Leo X. gestiftete. Andre minder wichtige entstanden aus ihrer Asche. Alle ähnlichen Anstalten aber übertraf die bereits erwähnte Académie des inscriptions. Reichlicheres antiquarisches Material stand den italienischen gelehrten Vereinen zur Verfügung. So stiftete für die in Herculanum und Pompeji aufgefundenen Denkmäler zu Neapel der Minister Tanacci 1755 die herculanische A. Ihre Abhandlungen, die seit 1775 erscheinen, führen den Titel: "Antichità di Ercolano". Die A. für Geschichte und Antiquitäten, welche 1807 Joseph Bonaparte in Neapel errichtete, ist später wieder eingegangen. In demselben Jahr entstand zu Florenz eine A. für die Erklärung toscanischer Altertümer und zwei Jahre früher (1805) in Paris die keltische A., die sich zum Hauptzweck die Aufklärung der Geschichte, Sitten, Denkmäler der Kelten, vornehmlich in Frankreich, setzte und 1814 den Namen "Société des Antiquaires de France" annahm.

Gegenwärtig besitzen die meisten bedeutendern Städte Englands und Frankreichs Vereine für Altertumskunde, von denen manche durch gehaltvolle Denkschriften allgemeine Anerkennung gefunden haben. Über die Akademien und Gesellschaften, welche ihre Thätigkeit speziell der Geschichte und der Geographie widmen, s. Historische Vereine und Geographische Gesellschaften. Auch das Gebiet der Naturwissenschaften bearbeiten mit Erfolg zahlreiche Akademien. Die Royal Society in London, anfänglich ein Privatverein weniger Naturforscher, wurde von Karl II. 1663 als "Königliche privilegierte Gesellschaft" inkorporiert. Weltberühmtheit erlangte sie zuerst unter dem Vorsitz Newtons (1703). Die Gesellschaft, welche alle bedeutenden Gelehrten des britischen Weltreichs in sich vereinigt, wird von einem Präsidenten geleitet, welchem ein Rat von 21 Mitgliedern beigegeben ist. Zwei ständige Sekretäre und eine Anzahl Clerks besorgen die Korrespondenzen und andern laufenden Geschäfte. Niemand kann aufgenommen werden, der nicht wenigstens durch drei Mitglieder in Vorschlag gebracht ist, welche die wissenschaftlichen Verdienste ihres Kandidaten öffentlich zur Prüfung mitteilen müssen. Ballotage und eine Stimmenmehrheit von zwei Dritteln entscheiden die Aufnahme. Die regelmäßigen Sitzungen werden im Winterhalbjahr jeden Donnerstag im Somersetpalast zu London gehalten. Die Gesellschaft gibt die ebenso bekannten wie wichtigen "Philosophical Transactions" heraus. Auch die schon erwähnten Royal Societies in Edinburg und Dublin widmen sich hauptsächlich der Kultur der Naturwissenschaften. Außerdem beschäftigen sich im Ausland mit den mathematischen und Naturwissenschaften folgende ältere akademisch konstituierte Gesellschaften: die "Société de physique et d'histoire naturelle" zu Genf; die Academia operosorum zu Laibach (gegründet 1693, restauriert 1781); die Academia Romano-Sociaca in Triest (gestiftet 1803); die Accademia delle scienze in Padua (gestiftet 1520, erneuert 1770); die Accademia botanica in Cortona; die "Kaiserliche Gesellschaft für Mineralogie" in Petersburg; die "Akademische Gesellschaft naturhistorischer Freunde" in Moskau, welche seit 1806 "Mémoires" und seit 1837 "Bulletins" herausgibt; die Accademia dei Lincei zu Rom (um 1590 gestiftet), deren Mitglied Galilei war; die "Societas columbaria" zu Florenz (1737); das "Institutum scientiarum et artium" zu Bologna (1737); die naturforschenden Gesellschaften in Zürich (1746), Lund (1772), Bern (1786), Genf (1790) etc. (weiteres s. Naturwissenschaftliche Vereine). - Für Medizin endlich ward die Leopoldinische A. der Naturforscher 1652 von J. L. ^[Johann Laurentius] Banschius ^[richtig: Bauschius] zu Wien unter dem Namen "Academia naturae curiosorum" gestiftet, welche später zu Ehren der Kaiser Leopold I. und Karl VII. den Namen "Academia Caesarea Leopoldino-Carolina Germanica naturae curiosorum" annahm und seit 1808 ihren Mittelpunkt in Bonn, dann in Jena und Dresden hatte. Ihre wertvollen Schriften erschienen unter mehreren Titeln im Druck: "Miscellanea curiosorum" (1705, 32 Bde.); "Ephemerides" (1722, 10 Tle.); "Acta" und "Nova Acta" (seit 1757); daneben "Leopoldina" (seit 1859). Andre medizinische Akademien befinden sich zu Palermo (1645), Venedig (1701), Genf (1715), Madrid, Lissabon (1780), Petersburg (1799), Paris (1820), wo schon 1731 eine A. für Chirurgie errichtet worden war, die 1820 mit der medizinischen vereinigt wurde; ferner in Cadiz (1820), Brüssel (1841) etc.

Vgl. Achmet d'Héricourt, Annuaire des sociétés savantes (Par. 1865-66, 2 Bde.); Stöhr, Akademisches Jahrbuch (Leipz. 1876 u. 1877); Müller, Die wissenschaftlichen Vereine und Gesellschaften Deutschlands im 19. Jahrhundert. Bibliographie ihrer Veröffentlichungen seit ihrer Begründung (Berl. 1884).

Akademiestücke (auch Akademien), die Zeichnungen der die Kunstschulen besuchenden Schüler, meist Darstellungen von Köpfen, Füßen, Händen und andern Körperteilen sowie des ganzen menschlichen Körpers in verschiedenen Stellungen, sowohl nach lebenden (Akten) als nach in Gips geformten Vorbildern und Vorlegeblättern ausgeführt.

Akademiker (griech.), Mitglied einer Akademie.

Akademisch, auf eine Akademie oder Universität bezüglich, dazu gehörig, z. B. akademischer Senat, akademische Bürger, akademische Studien, Würden, akademische Freiheit gegenüber dem Zwang der Schule, akademische Gerichtsbarkeit (s. Universitäten). In der Ästhetik bezeichnet man, besonders in der bildenden Kunst, mit dem Ausdruck, oft mit dem Nebenbegriff des Pedantischen und Steifen, diejenige Richtung, welche das Hauptgewicht mehr auf die hergebrachten Kunstformen und -Regeln legt als auf eine freie, selbständige Weiterbildung derselben.

Akadien, s. Acadia.

Akalephen, s. Medusen.