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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Akatalektischer Vers - Akis.

organisierte Beimengungen. Beide Harze lösen sich in Alkohol und Äther; sie enthalten Zimtsäure, wenig Benzoesäure und ätherisches Öl. Sie dienen zur Darstellung von Siegellack und zum Färben von Firnissen, welche am Licht nicht verbleichen, und können, da sie die chemisch wirksamen Strahlen des Sonnenlichts absorbieren, zum Anstreichen der Fenster in den Dunkelzimmern der Photographen benutzt werden. Außerdem dient A. zum Leimen feinerer Papiere, das gelbe zur Darstellung von Pikrinsäure (durch Kochen mit Salpetersäure).

Akataléktischer Vers, s. Katalexis.

Akathístos (griech., "nicht im Sitzen"), in der griech. Liturgie eine Hymne auf die Jungfrau Maria, welche am Sonnabend vor dem Sonntag Judika die Nacht hindurch stehend gesungen wird. Im 7. Jahrh. soll Konstantinopel bei einer Belagerung zweimal dadurch gerettet worden sein, daß unter Absingung dieser Hymne eine Prozession mit dem Bilde der Maria abgehalten wurde.

Akatholiken (griech., "Nichtkatholiken"), die früher allgemein übliche Bezeichnung der nichtkatholischen Christen, namentlich der Protestanten; seit der von Kaiser Franz Joseph verkündigten Gleichberechtigung aller Konfessionen in Österreich offiziell nicht mehr, wohl aber noch in Brasilien etc. gebräuchlich.

Akazie, s. Acacia und Robinia (unechte A.).

Akbar, der Große, eigentlich Dschelal Eddin Mohammed, der größte und berühmteste unter den Herrschern der Großmoguldynastie in Indien, geb. 14. Okt. 1542 zu Amirkot, folgte seinem Vater Humayun 1556, in einem Alter von 13 Jahren, in der Regierung und stand zuerst drei Jahre lang unter der Vormundschaft seines Wesirs Beiram. In glücklichen Kriegen erwarb er seinem Reich im O. Bengalen und Behar, im S. Malwa und Teile des Dekhan bis an die Godaweri, westlich Gudscharat und Sind, im N. Kaschmir. Nach Besiegung aller Feinde und Niederwerfung der zahlreichen innern Empörungen widmete er die eifrigste Sorge der Organisation seines unermeßlichen Reichs, das unter ihm zu einem Wohlstand gelangte, den es weder vorher gekannt hatte, noch nachher unter indischen Königen je erreichte. Die Steuern ertrugen 345 Mill. Mk. im Jahr. Obwohl gläubiger Moslem, war er äußerst duldsam gegen andre Religionen und pflog gelehrte Disputationen mit Hindu wie mit Missionären vom Orden Jesu; eine seiner Frauen soll eine Christin gewesen sein. Er starb in Agra, seiner Residenz, 1605. Das über seinem Grab in Sikandra bei Agra errichtete Denkmal bildet eins der größten Bauwerke dieser Art. Vgl. v. Noer, Kaiser A. (Leid. 1880-86, 2 Bde.).

Akelei (Aglei), Pflanzengattung, s. Aquilegia.

Aken, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Magdeburg, Kreis Kalbe, an der Elbe, hat ein Amtsgericht, Fabrikation von Zucker, ätherischen Ölen (Romershausensches Augenwasser), Sprit, eine Dampfmühle, Schiffbau, Schiffahrt, bedeutenden Ackerbau und (1880) 5284 meist ev. Einwohner. Die Stadt wird zuerst 1217 erwähnt und war 1355-1718 Sitz einer Deutschordens-Kommende.

Aken, Hieronymus van, s. Bosch 1).

Akenside (spr. ehkensseid), Mark, engl. Dichter und Arzt, geb. 9. Nov. 1721 zu Newcastle upon Tyne, studierte, von seinem Vater zum Geistlichen bei den Dissenters bestimmt, Theologie in Edinburg, dann in Leiden Medizin. Damals veröffentlichte er sein Lehrgedicht "The pleasures of Imagination", welches durch Pracht der Sprache und Zartheit der Empfindungen außerordentlichen Beifall fand. Seine erste Odensammlung (1745) stand nicht auf gleicher Höhe. Er wurde 1751 Mitglied des königlichen Kollegiums der Ärzte zu London, 1759 Arzt am St. Thomas-Hospital, kurz darauf Leibarzt der Königin und starb als solcher 23. Juni 1770 in London. A. ist auch Verfasser medizinischer Schriften, unter denen eine lateinische über die Dysenterie (Lond. 1764) gerühmt wird. Die erste vollständige Ausgabe seiner poetischen Werke erschien London 1804 (neue Ausg. 1880). Vgl. Bucke, Life, writings and genius of A. (Lond. 1832).

Akephalen (griech.), kopflose Mißgeburten. Wirkliche Akephalie kommt nicht vor, es fehlt den A. nur das Gehirn, und sie heißen daher besser Anenkephalen.

Akephalisch (griech.), kopf-, anfangslos, besonders von Büchern, deren Anfang nicht mehr vorhanden ist.

Akershus, Amt im norweg. Stift Christiania, am Christianiafjord, 5372 qkm (97,6 QM.) groß mit (1876) 116,365 Einw. (1880 nur auf 100,300 berechnet), umfaßt die Vogteien Aker und Follo, Nedre und Övre Romerige, liegt großenteils weniger als 100 m ü. M. und bietet durch steten Wechsel von Berg und Thal, von Seen und Flüssen einen Reichtum der lieblichsten Landschaften dar. Im Amt liegt die Stadt Christiania, die aber ein besonderes, nicht zum Amt gehöriges Gebiet bildet.

Akhissar, 1) türk. Stadt, s. Kroja. -

2) Stadt im türk. Wilajet Aïdin (Kleinasien), nordöstlich von Smyrna, mit 12,000 Einw., ist das alte Thyatira in Lydien, wo eine der sieben in der Offenbarung genannten christlichen Kirchen sich befand, und noch jetzt reich an antiken Resten. Die Umgegend liefert ausgezeichnete Baumwolle und berühmte Farbstoffe. Bei A. schlug Valens 366 n. Chr. den Usurpator Procopius, Sultan Murad 1425 den Fürsten von Aïdin.

Akhlath, Stadt, s. Achlath.

Akhmīm (Akhmym), Stadt, s. Achmim.

Akiba, Ben Joseph, Schüler R. Eliesers und R. Nachum Gimsos, ward nach einer in Unwissenheit verbrachten Jugend durch jahrzehntelangen rastlosen Eifer der einflußreichste jüdische Gelehrte im 2. Jahrh. n. Chr., der, während er seinem Lehrhaus in Bne brak vorstand, den jüdischen Traditionsstoff systematisierte und so ordnete, wie er heute in der Mischna (s. d.) vorliegt. Seine Arbeit "Mischna des R. Elieser" ist die Grundlage des religionsgesetzlichen Kodex, aber nicht aufgeschrieben. Fälschlich sind ihm beigelegt das kabbalistische Werk "Sefer Jezira" (s. d.) u. "Otiot oder Alphabet des R. A." Im Aufstand gegen die Römer (132-135) nahm er für den angeblichen Messias Bar Kochba Partei und starb den qualvollsten Märtyrertod.

Akidopeirástik (griech.), eine von Middeldorpff angegebene chirurg. Untersuchungsmethode, nach der man eine vorher sorgfältig gereinigte feine Nadel durch die Haut hindurch in tiefere Teile einsticht, um durch das Gefühl Aufschlüsse über die Konsistenz und Tiefe einer Neubildung, die Beteiligung des Knochens, das Vorhandensein von Spalten u. dgl. zu gewinnen.

Akinēsis (griech.), s. v. w. Lähmung.

Akis, nach Ovid Sohn des Faunus und der Nymphe Symäthis, liebte die Galatea und fand Gegenliebe; aber der Kyklop Polyphem überraschte beide, und erzürnt, sich von Galatea verschmäht zu sehen, warf er ein Felsstück auf sie, welches den A. zerschmetterte. Galatea, glücklich entronnen, verwandelte das unter dem Felsen hervorfließende Blut in den Fluß A., der durch die Kälte seines Wassers berühmt war, und unter dem wahrscheinlich der heutige Fiume Freddo ("kalter Fluß") zwischen Taormina und Catania aus Sizilien zu verstehen ist.