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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Alaun, konzentrierter - Alava.

Man stellte ihn besonders in der letzten Zeit vor Entdeckung der Staßfurter Abraumsalze dar, weil damals die Kalisalze sehr teuer geworden waren; gegenwärtig hat er an Bedeutung verloren.

Der Natronalaun ist wegen seiner großen Löslichkeit (bei 13° in 2,14, bei 100° in 1 Teil Wasser) schwieriger darzustellen, die Lösung verliert auch beim Kochen die Fähigkeit zu kristallisieren; er verwittert an trockner Luft und hat keine praktische Bedeutung.

A. dient besonders zur Bereitung von Farben und Farblacken und in der Färberei als Beize, in der Weißgerberei, zum Leimen des Papiers, zum Färben der Goldwaren, zu schwer verbrennlichen Anstrichen, zum Härten des Gipses, zum Klären von Wasser und ausschmelzendem Talg, als Zusatz zu Brot, um schlechtes Mehl verwendbar zu machen, zum Füllen des Raums zwischen den Doppelwänden feuerfester Geldschränke, weil der Reichtum des Alauns an Kristallwasser das Eindringen der Hitze hindert, als fäulniswidriges Mittel, namentlich zum Aufbewahren von Fellen, Häuten, in der Medizin als adstringierendes Mittel; gebrannter A. dient zum Beizen.

Bei den meisten Verwendungen des Alauns kommt lediglich sein Thonerdegehalt in Betracht, und man hat daher den konzentrierten A. (s. unten) dargestellt, welcher reicher an Thonerde ist. Die schwefelsaure Thonerde kann sehr billig aus den Alaunerzen erzeugt werden, ist aber wegen ihrer Leichtlöslichkeit schwer zu reinigen, während der A. schwer löslich ist, gut kristallisiert und daher namentlich auch leicht frei von Eisen erhalten werden kann.

A. war den Alten nicht bekannt, das Alumen des Plinius war Eisenvitriol und enthielt höchstens schwefelsaure Thonerde. Geber aber kannte unsern A. aus Rocca in Mesopotamien, und im 13. Jahrh. bestanden bei Smyrna und im Neapolitanischen Alaunsiedereien, welche Alaunfels verarbeiteten. Im 15. Jahrh. gründeten Genuesen Alaunwerke auf Ischia, auch entstand damals das Alaunwerk zu Tolfa im Kirchenstaat, und der römische A. galt bis in die Neuzeit als der beste. In der ersten Hälfte des 16. Jahrh. wurde bei Schwemsal A. fabriziert. Libavius und Agricola beschrieben die Darstellung des Alauns aus Alaunschiefer und gaben an, daß man die Lauge mit gefaultem (ammoniakhaltigem) Urin versetzte (also Ammoniakalaun fabrizierte). Kunkel kannte den Gehalt dieses Alauns an "flüchtigem Laugensalz", und Bergman und Scheele wiesen Kali im A. nach. Trotzdem aber wurde die chemische Natur des Alauns erst 1797 durch Chaptal und Vauquelin festgestellt. Zu Anfang dieses Jahrhunderts beherrschte der sehr reine Lütticher oder Lücker A. den Markt, und erst als Bleibtreu 1806 auf der Haardt ein Alaunwerk anlegte, wurde den Lütticher Werken wirksame Konkurrenz gemacht. Seitdem blühte die deutsche Alaunsiederei auf und gewährte Fabrikstädten wie Elberfeld und Barmen durch billigen reinen A. wesentliche Vorteile vor belgischen und französischen Manufakturen. In neuerer Zeit erwuchs den ältern Werken, welche Schwefelkies führende Materialien verarbeiten, starke Konkurrenz durch neuere Methoden. Vgl. Seger, Über die technische Verwendung Schwefelkies führender Schiefer und Thone der Braunkohlenformation (Neuwied 1869).

Alaun, konzentrierter (kalifreier Alaun, löslicher Alaun, Aluminat), schwefelsaure Thonerde in mehr oder weniger reinem Zustand; s. Schwefelsäuresalze. Alum-cake (Alaunkuchen) ist das Produkt der Einwirkung von Schwefelsäure auf reinen Thon (kieselsaure Thonerde) und enthält demnach schwefelsaure Thonerde und Kieselsäure. Alumina-alum (Thonerdealaun) ist eine Mischung von Alaun mit schwefelsaurer Thonerde, wie sie beider Behandlung von Alunit mit Schwefelsäure erhalten wird. Alle diese Präparate werden wie Alaun benutzt.

Alaun, poröser, schwefelsaure Thonerde, welche im Moment des Erstarrens der konzentrierten Lösung durch Einrühren von etwas doppeltkohlensaurem Natron (infolge von Kohlensäureentwickelung) porös geworden ist.

Alaune, Doppelsalze, welche analog dem gewöhnlichen Alaun zusammengesetzt sind und dieselbe Kristallform haben. Der gewöhnliche Alaun ist ein Doppelsalz von schwefelsaurer Thonerde und schwefelsaurem Kali Al2.3SO4 ^[Al<sub>2</sub>.3SO<sub>4</sub>], K2SO4+24H2O ^[K<sub>2</sub>SO<sub>4</sub>+24H<sub>2</sub>O], und indem in demselben das Kalium durch Natrium, Lithium, Cäsium, Rubidium oder Ammonium ersetzt wird, entstehen Natronalaun, Ammoniakalaun etc. An Stelle des Thonerdemetalls kann aber auch Eisen, Mangan oder Chrom treten, wodurch Eisenalaun, Chromalaun, Manganalaun und zwar wieder Kali-, Ammoniak-, Natroneisenalaun etc. gebildet werden. Im gewöhnlichen Leben versteht man unter Kali- oder Ammoniakalaun stets das thonerdehaltige, unter Eisen- oder Chromalaun das kali- oder ammoniakhaltige Doppelsalz.

Alaunerde, erdige braune Masse, welche aus Thon, Schwefelkies und freiem Schwefel besteht, findet sich weitverbreitet in der norddeutschen Ebene als Glied der Tertiärformation, besonders in der Nähe von Braunkohlen bei Freienwalde, Muskau, Schwemsal, Bornstädt etc., und dient zur Bereitung von Alaun. A. ist auch s. v. w. Thonerde, Aluminiumoxyd.

Alaunerze, s. Alaunschiefer und Alaunerde.

Alaungerberei, s. Leder.

Alaunkuchen, s. Alaun, konzentrierter.

Alaunschiefer (Vitriolschiefer), kohlen- und bitumenreicher Thonschiefer, von Schwefelkies durchdrungen, bisweilen feldspathaltig und infolge teilweiser Verwitterung Alaun und Eisenvitriol enthaltend, findet sich besonders im Silur und Devon und bildet Lager von beträchtlichem Umfang in Skandinavien, bei Lautenthal am Harz, bei Saalfeld, Gräfenthal, Sonneberg, Reichenbach im Vogtland, in Schlesien, im Fichtelgebirge, am Niederrhein, in England etc., wird auf Alaun verarbeitet. Sehr bitumenreicher A. ist brennbar (vgl. Brandschiefer).

Alaunspat (Alaunstein), s. v. w. Alunit.

Alăva, span. Provinz, die südlichste und größte, aber am wenigsten bevölkerte der drei baskischen Provinzen, grenzt im N. an Viscaya und Guipuzcoa, im O. an Navarra, im S. an Logroño, im W. an Burgos und hat einen Flächeninhalt von 3122 qkm (56,7 QM.). Das Land bildet eine bis zum obern Lauf des Ebro abfallende südliche Terrasse des kantabrischen Küstengebirges. Der nördliche Teil der Provinz wird vom östlichen Hauptzug dieses Gebirges mit Monte Araz, Peña de Amboto, Peña de Gorbea erfüllt, der zentrale Teil ist Hochebene, der südliche Teil gehört zum obern Ebrothal. An fließenden Gewässern enthält die Provinz den Ebro mit einigen kleinen Nebenflüssen, darunter der Zadorra und dem Nervion. Das Klima ist mild und gesund. Die Bevölkerung betrug 1883: 94,687 Einw. (30 auf das QKilometer), die hauptsächlich in landwirtschaftlicher Produktion ihren Erwerb finden. Üppige Eichenwaldungen bekleiden die Abhänge der Berge, und die Thäler und Ebenen erzeugen großen Überfluß an Getreide, Hanf und Gartenfrüchten; namentlich wird in der Rioja alavesa (längs des Ebro) viel Obst und Wein gebaut. Das