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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Alba de Tormes; Albacēte; Albalonga; Alban; Albana; Albanagium; Albanergebirge

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Albacete - Albanergebirge.

macht ernannt und trat von Italien aus mit 12,000 Mann Kerntruppen den Marsch nach Brüssel an. Er hatte den Auftrag, die Rebellion und Ketzerei mit blutigster Strenge zu unterdrücken und durch Erhebung hoher Steuern den Wohlstand und die Widerstandskraft der Provinzen zu lähmen, und entwickelte in dessen Ausführung die ganze Furchtbarkeit seines Charakters. Zur Bestrafung der Teilnehmer an den Unruhen setzte er einen sogen. Aufruhrrat ein, welcher über allen Gerichten und Gesetzen stand. A. führte anfangs selbst darin den Vorsitz, später that dies in seinem Namen der Spanier Juan de Vargas. Tausende wurden durch jenes Gericht, von dessen Urteil keine Appellation galt, zum Tod verurteilt, unter ihnen als die vornehmsten Häupter des Adels die Grafen Egmont und Hoorn. A. selbst rühmte sich, 18,000 Menschen in den Niederlanden dem Henker überliefert zu haben. Die Befreiungsversuche der Flüchtlinge hatten anfangs keinen Erfolg. A. schlug das Heer Ludwigs von Nassau bei Jemmingen in Friesland und zwang auch den mit einem andern Heerhaufen in Brabant eingedrungenen Wilhelm von Oranien ohne Schlacht zum Rückzug. Nun legte er dem wehrlosen Land unerschwingliche Abgaben auf. Als die härteste derselben wurde der zehnte Pfennig betrachtet, d. h. die Forderung, daß der zehnte Teil von dem Kaufpreis aller beweglichen Güter an den Staat bezahlt werden sollte. Die Strenge, mit der die Durchführung dieser Maßregel versucht wurde, bewog selbst die katholischen Bewohner der südlichen Niederlande, sich dem aufs neue in Empörung begriffenen Norden anzuschließen. Die Spanier mußten sich in die festen Plätze zurückziehen, und bald waren mit Hilfe der Prinzen von Oranien ganz Zeeland und Holland bis auf die Städte Middelburg und Amsterdam von den Spaniern befreit. Wilhelm von Oranien drang mit 20,000 Mann durch Geldern bis nach Löwen in Brabant vor und eroberte die Städte Mecheln, Dendermonde, Audenarde, mußte sich aber vor Mons zurückziehen, worauf ganz Brabant wieder in Albas und die Städte Zütphen, Naarden und Haarlem in die Hände von Albas Sohn Friedrich von Toledo fielen. Indessen wurden die weitern Unternehmungen Albas durch den Geldmangel der spanischen Regierung sehr erschwert, auch schmolz Albas Heer auf dem sumpfigen Boden Hollands durch tägliche kleine Verluste sowie durch Hunger, Kälte und Krankheit immer mehr zusammen; schon fingen die Soldaten an zu murren und den Gehorsam zu verweigern. A. forderte deshalb von Philipp Verstärkungen. Dieser aber rief ihn zurück (1573) und ersetzte ihn durch den mildern Don Luis de Requesens. A. wurde vom König sehr kalt empfangen und mußte längere Zeit den Hof meiden. Im J. 1580 ward er aber beauftragt, Portugal, auf welches Land Philipp Erbansprüche erhob, zu erobern. Auch diesen Auftrag führte er in rascher und glänzender Weise aus, machte sich aber auch hier durch seine Gewaltthätigkeiten so verhaßt, daß Philipp sich bald veranlaßt sah, ihn abzuberufen. Kurz darauf, 12. Jan. 1582, starb A. in Thomar. Noch im Alter von 74 Jahren besaß er die Rüstigkeit eines jungen Mannes. Sein Wuchs war groß, seine Haltung stolz, selbst dem König gegenüber, der Ausdruck des Gesichts finster und zurückstoßend, der Ton der Stimme hart; schon sein Äußeres verkündete den Fanatiker. Grausamkeit und Heuchelei, Habgier und Bigotterie waren die Grundzüge seines Charakters.

Albacēte, span. Provinz im ehemaligen Königreich Murcia, grenzt im N. an die Provinz Cuenca, im O. an Valencia und Alicante, im SO. und S. an Murcia, im SW. an Granada, im W. an Jaen und Ciudad Real und hat einen Flächenraum von 15,466 qkm (281 QM.). Das Land ist in seinem nördlichen Teil eben und gehört damit zur Mancha, im S. verbreiten sich die Gebirgszüge der Sierra de Alcaraz, Calar del Mundo, Sierra de Taibilla und Sierra de las Cabras. Die hauptsächlichsten Flüsse sind der Jucar und der Segura mit dem Mundo. Die Bevölkerung betrug 1883: 222,736 Einw., d. h. 14 auf das QKilometer. Die Provinz bildet mit den angrenzenden neukastilischen Provinzen Ciudad Real und Cuenca das am schwächsten bevölkerte Gebiet in Spanien. Der Boden ist wenig angebaut, fast ganz baumlos (nur im Quellgebiet des Segura sind bedeutende Kiefernwaldungen), daher sehr einförmig und öde. Produkte sind: Getreide, Wein, Öl, Safran, Hanf, Esparto, auch Schafwolle, dann Metalle, Schwefel (berühmte staatliche Schwefelgruben am Zusammenfluß des Mundo und Segura mit einer Produktion von jährlich ca. 40,000 Ton.), Steinkohlen und Salz. Auch Mineralquellen finden sich in großer Zahl vor. Die Industrie ist von geringerer Bedeutung. Das bedeutendste Etablissement ist die Messingfabrik in San Juan de Alcaraz. Außerdem werden namentlich Töpferwaren, Bastschuhe und Anislikör erzeugt. Die Eisenbahn von Madrid nach Alicante und deren Abzweigung nach Cartagena bilden die wichtigsten Kommunikationsmittel. Die Provinz umfaßt acht. Gerichtsbezirke (darunter Alcaraz, Almansa, Chinchilla, Hellin). Die Stadt A., in weiter Getreideebene an der Eisenbahn, ist gut gebaut, hat eine Normalschule, einen Zirkus für Stiergefechte, zahlreiche Messerschmieden, eine ansehnliche Messe (im September), bedeutenden Getreide- und Viehhandel und (1877) 18,976 Einw. A. ist Sitz des Gouverneurs und eines Appellationsgerichts.

Alba de Tormes, Bezirksstadt in der span. Provinz Salamanca, am Tormes, mit dem Stammschloß der Herzöge von Alba, einer großen Steinbrücke von 26 Bogen und (1877) 2807 Einw.

Albalonga, die Mutterstadt Roms, die erste Gründung der Latiner von Lavinium, lag auf einer Bergfläche am Abhang des heutigen Monte Cavo und über dem Albanersee und war nur durch zwei schmale, leicht zu verteidigende Zugänge im O. und W. zugänglich. Noch ist die Stelle deutlich erkennbar, wo die Stadt in einer langen Straße zwischen Berg und See sich hin erstreckte. Das Namensverzeichnis der 14 Könige von A., die alle den Beinamen Sylvius führen, ist ebenso mythisch wie die Sage von Romulus und Remus, den angeblichen Erbauern Roms. Nach den Königen herrschten hier 100 Jahre hindurch Diktatoren. Die Gründung der Stadt wird 300 Jahre vor Roms Erbauung, ihre Zerstörung ans Ende des 1. Jahrh. der römischen Königsherrschaft gesetzt. Anfangs stand A. in enger Verbindung mit der Tochterstadt, bis der Verrat des Diktators Mettus Fuffetius die Römer zur Rache aufrief. Die Stadt sank in Trümmer, die Einwohner wurden nach Rom versetzt, wo sie sich auf dem Cölischen Hügel anbauten. Die ganze schöne Umgebung war später mit Villen bedeckt, woraus nach und nach das Municipium Albanum, das heutige Albano (s. d.), entstand.

Alban, s. Guttapercha.

Albana, Stadt, s. Albania.

Albanagium (Albinagium, mittellat.), das frühere landesherrliche Recht auf die Hinterlassenschaft nicht naturalisierter Fremden.

Albanergebirge (ital. Monti Laziali), ein 18 km südöstlich von Rom sich aus der Ebene erhebendes