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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Albanersee; Albanerstein; Albanesen

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Albanersee - Albanesen.

vulkanisches Ringgebirge von 60 km Umfang. Der Ring ist aber an drei Stellen durchbrochen, im O. wie im NW. durch die Meteorwasser, welche sich hier Ausgänge schufen, im SW. dadurch, daß sich hier zwei jüngere Krater bildeten, welche jetzt mit den herrlichen Seen von Albano und Nemi gefüllt sind. In der Mitte des alten Ringes hat sich ebenfalls ein jüngerer Eruptionskegel gebildet, der Monte Cavo (Mons albanus im Altertum), 955 m hoch, dessen Krater im Volksmund Hannibals Lager genannt wird. Hier stand der Tempel des Jupiter latialis, das Bundesheiligtum der Latiner. Das A., zum größten Teil mit herrlicher Vegetation und schattigen Wäldern bedeckt, bildet eine beliebte Sommerfrische der Römer und der in Rom weilenden Fremden und ist wegen seiner landschaftlich reizenden Partien das Entzücken der Maler. Zahlreiche kleine Städte, Ariccia, Albano, Castel Gandolfo, Frascati u. a., sind um dasselbe gelagert. Südlich davon erhebt sich, durch eine Senke geschieden, das Volskergebirge.

Albanersee, s. Albano.

Albanerstein, s. Albano.

Albanesen, die Bewohner Albaniens und von Epirus, ein Volk von isolierter Stellung unter den Indoeuropäern, das als Nachkommen der alten Illyrier angesehen wird. Der einheimische Name der A. ist Schkipetaren (Felsbewohner); von den Türken, ihren Beherrschern, werden sie Arnauten genannt. Ihr Hauptgebiet umfaßt das heutige Albanien (das alte Illyricum und Epirus), jenen Landstrich am Adriatischen Meer, der östlich vom Pindus begrenzt wird und von Skutari bis zum Meerbusen von Korinth reicht. Im N. werden sie von den Serben begrenzt, im S. von Griechen, während sie im O. sich mit Bulgaren und Zinzaren berühren. Die Verwüstungen in Epirus durch den Römer Paullus Ämilius, die germanischen, serbischen und bulgarischen Einfälle in Albanien wirkten ohne Zweifel auf die ethnischen Verhältnisse des Landes stark ein. Als Arbanitai treten die A. zum erstenmal im 11. Jahrh. auf; im Peloponnes werden sie 1349 erwähnt. Im 14. Jahrh. wandern sie nach Böotien, Attika, Euböa, dem Archipel, und heute finden wir sie außer ihrem Stammland noch in Makedonien im Bezirk Kolonja, in Attika und Megara auf dem Land sowie in Böotien und Lokris. Auf den Inseln kommen sie im südlichen Euböa vor und bewohnen etwa ein Drittel von Andros. Vorherrschend sind sie auf Salamis, Poros, Hydra und Spezzia. Im Peloponnes bilden sie die Hauptmasse der Bevölkerung von Argolis, Corinthia und Sicyonia, ebenso nehmen sie bedeutende Teile von Arkadien, Lakonien, Messenien und Elis ein. Wohl ein Fünftel der Bewohner Griechenlands gehört den A. an, und dieses Verhältnis ist durch die neuen Erwerbungen in Epirus noch verstärkt worden. Doch sind diese griechischen A. mehr oder minder in der Hellenisierung begriffen. Durch Kolonien, welche gegen Ende des 15. Jahrh. nach dem Fall des einheimischen Fürstengeschlechts auszogen, wurden die A. auch nach Italien, namentlich Kalabrien und Sizilien, versetzt, wo sie bis heute sich erhalten haben.

In Bezug auf die Körperbeschaffenheit lassen sich keine einheitlichen Merkmale für die A. aufstellen. Sie zerfallen in einen nördlichen Stamm, die Gegen, und einen südlichen, die Tosken, zwischen denen der Fluß Schkumb die Grenze bildet; diese beiden Stämme stehen sich ferner, als man gewöhnlich annimmt, können sich untereinander nur schwer verständigen und hassen einander. Es ist auffallend, daß blonde Haare und graue Augen besonders bei den südlichen Tosken vorkommen, im N. aber die dunkle Gesichtsfarbe herrscht. Nach den wenigen bekannten Schädelmessungen sind die nördlichen A. brachykephal, während die südlichen dolichokephal sein sollen. Eingehende anthropologische Untersuchungen fehlen noch. Die Zahl sämtlicher im türkischen Reich lebender A. gibt Gopčević auf 1,400,000 an. Dazu kommen 250,000 in Griechenland, von denen 38,000 bloß albanesisch sprechen, und 100,000 in Italien (meist in Sizilien), so daß die Gesamtzahl des Volks sich auf 1,750,000 Seelen beläuft. Der Religion nach zerfallen die A. in Mohammedaner, Griechen und Katholiken. Die Zahl der erstern dürfte sich auf 1 Mill. belaufen; dem griechisch-orthodoxen Glaubensbekenntnis huldigen im osmanischen Reich etwa 280,000, in Griechenland sämtliche A. Katholisch sind in Albanien 120,000, in Italien sämtliche A.

Kultur. Die A. wurden bisher zu den nur halb zivilisierten Völkern Europas gerechnet. Während Serben, Griechen, Rumänen, Montenegriner und Bulgaren nach und nach das Türkenjoch abwarfen, waren die A. wie vergessen und lieferten erst in der letzten Zeit Beweise, daß sie aus einem 400jährigen Schlummer zu politischem Leben erwachen. Noch Fallmerayer schreibt ihnen das negative starre Prinzip des Stillstands zu, der alle Bildung abweist. Sie seien überall selbstsüchtig, meuterisch, unzuverlässig, grausam, dabei aber rührige, unerschrockene, sparsame und hartknochige Handarbeiter, Schiffer, Bauern und Soldaten. Andre heben namentlich an den A. der griechischen Inseln (z. B. den Hydrioten) edle Züge hervor. Gyurkewicz kennzeichnet sie als Hirten, Krieger, Räuber, nur für den Notbedarf Ackerbauer; sie kennen und schätzen nicht Kultur, Gesetz, Gesellschaft und Staat, nur Traditionen, namentlich Herkommensrecht der Stämme, Faustrecht des Einzelnen, Blutrache. Die fortwährenden Stammesfehden und die konfessionelle Verschiedenheit ließen nur selten einen durch die Grausamkeit des türkischen Despotismus geweckten Patriotismus, ein Gefühl der Zusammengehörigkeit aufkommen. Ihr gefeierter Volksheld und Märtyrer Georg Kastriota (Skanderbeg, gest. 1467) war der Abstammung nach nicht Albanese, sondern Slawe. Wohl aber ist ein engeres Heimatsgefühl bei den A. vorhanden, das sich in warmen Zügen offenbart. Die türkische Regierung benutzte die wohlbekannte Kriegstüchtigkeit des Volks als ein geeignetes Mittel, um in allen Provinzen des weiten Reichs nicht sowohl die Ordnung als den Despotismus zu stützen. Damit entzog sie zugleich dem Lande die beste Widerstandskraft. Leider waren aber die A. dort, wie in der Fremde, gesetzlose Räuber. G. v. Hahn zeichnet in kräftigen Strichen den Zustand des Landes: Faustrecht, Fehde, Blutrache, besonders bis zum Beginn des 19. Jahrh. Der Adel nährte sich von Erpressungen, das verarmte Volk von Straßenraub und Viehdiebstahl, während der Ackerbauer in unaussprechlichem Elend lebte. Den Despotismus der mohammedanischen Raubstände, des Adels und der Krieger, brach zuerst der bekannte Ali Pascha von Janina; danach versuchten im bessern Sinn die türkischen Reformgesetze aus dem Chaos einen Mechanismus herzustellen, der aber ebensowenig zum Organismus werden konnte wie anderwärts im türkischen Reich. Selbstsucht, Not und eine Art patriotischer Anhänglichkeit an alte Sitten und Unsitten erzeugten fortwährende Aufregung gegen die türkische Regierung, kehrten sich aber auch feindlich gegen andre Völker, wie Montenegriner und Griechen, was sich 1878 in der Bildung der albanesischen Liga äußerte.