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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Albers; Albert

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Albers - Albert.

diese Übergriffe Spaniens wurde aber die Quadrupelallianz zwischen England, Frankreich, Österreich und Holland geschlossen. Spaniens Seemacht wurde hierauf (10. Aug. 1718) beim Kap Passaro von der englischen Flotte unter Byng fast gänzlich vernichtet. Auch Frankreich, wo Alberonis kühner Plan, durch die Verschwörung Cellamares nach Gefangennahme des Regenten, des Herzogs von Orléans, den König Philipp V. zum Vormund des jungen Ludwig XV. proklamieren zu lassen, mißlang, erklärte bald darauf (1719) den Krieg und sandte ein Heer über die Pyrenäen, während die Österreicher in Sizilien Fortschritte machten und die Engländer in Galicien landeten, um den zu gunsten des Hauses Stuart von Philipp V. 1718 unter dem Herzog von Ormond versuchten Einfall in Schottland zu rächen. A. verlor zwar den Mut nicht, wurde indes auf Andringen der Verbündeten, die bloß unter dieser Bedingung Frieden schließen wollten, durch eine königliche Ordonnanz vom 5. Dez. 1719 aller Ämter entlassen und angewiesen, binnen acht Tagen Madrid, binnen drei Wochen Spanien zu verlassen. Er begab sich nach Italien, wurde aber vom Papst Clemens XI. mit einem Prozeß bedroht und hielt sich deshalb vom März 1720 bis April 1721 in einem Kloster bei Bologna verborgen. Nach dem Tod Clemens' XI. (1721) aber nahm er seinen Sitz im Konklave ein und beteiligte sich an der Wahl des neuen Papstes, Innocenz XIII., der ihm seine Gunst zuwendete. Clemens XII. ernannte ihn 1734 zum Legaten von Ravenna und Benedikt XIV. zum Legaten von Bologna. Nach dreijähriger Verwaltung dieser Provinz zog sich A. nach Piacenza zurück und widmete dem von ihm schon früher gestifteten Seminar zur Ausbildung junger Parmesaner seine letzte Thätigkeit. Er starb 16. Juni 1752. Sein kolossales Vermögen fiel größtenteils an Philipp V. von Spanien. Vgl. Bersani, Storia del cardinale Giulio A. (Piacenza 1862).

Albers, Johann Friedrich Hermann, Mediziner, geb. 19. Nov. 1805 zu Dorsten bei Wesel, studierte seit 1823 in Bonn, wirkte seit 1827 als Hilfsarzt in der medizinischen Klinik Nasses, habilitierte sich 1829 als Dozent und ward 1831 Professor, als welcher er über Pathologie, Arzneimittellehre, pathologische Anatomie und propädeutische Klinik las. Schon sehr früh auf das Gebiet der Seelenheilkunde hingeführt, war er auf demselben, mit Nasse vereint, auch praktisch thätig und begründete zu Bonn eine eigne Heilanstalt für Gemüts- und Nervenkranke. Im J. 1856 wurde er Direktor des pharmakologischen Kabinetts der Universität in Bonn. Er starb daselbst 11. Mai 1867. A. veröffentlichte eine beträchtliche Anzahl von Schriften, besonders auf dem Gebiet der Pathologie, der Seelenheilkunde und der pathologischen Anatomie, und lieferte einen "Atlas der pathologischen Anatomie" (Bonn 1832-62, 287 Tafeln mit Text).

Albert, 1) ansehnlicher Fluß im nördlichen Queensland in Australien, welcher sich in den Golf von Carpentaria ergießt. Stokes entdeckte seine Mündung 1841 und ging bis zu den Plains of Promise hinauf. In seinem obern Teil heißt er Gregory, welchen Namen er auch nach seiner Gabelung für seinen linken Zweig beibehält, bis sich derselbe mit dem von W. kommenden Nicholson vereinigt, dessen Namen er bis zur Mündung in das Pasco Inlet trägt. Der rechte Zweig heißt zuerst Barkly River, dann A. Der letztere sowie der Nicholson wurden 1856 von Gregory, der Gregoryfluß 1861 von Landsborough erforscht. - 2) (spr. albähr) Stadt im franz. Departement Somme, Arrondissement Péronne, an der Ancre und der Eisenbahn von Amiens nach Arras, mit lebhafter Industrie, namentlich Baumwollspinnereien und -Webereien, Zucker-, Papier- und Maschinenfabriken, und (1876) 4414 Einw.

Albert (s. v. w. Adalbert oder Albrecht, lat. Albertus):

1) A. der Große (Albertus Magnus), Graf von Bollstädt, geb. 1193 zu Lauingen in Schwaben, studierte zu Padua, trat dann in den Dominikanerorden und lehrte in verschiedenen Klöstern zu Köln, Hildesheim, Freiburg, Regensburg und Straßburg, seit 1230 zu Paris, wo er eine Zeitlang auch an der Universität den theologischen Lehrstuhl innehatte, ward 1254 Provinzial seines Ordens in Deutschland, 1260 Bischof zu Regensburg, legte 1262 diese Würde nieder und widmete sich in Köln ausschließlich den Wissenschaften. Er starb 15. Nov. 1280. In Lauingen wurde ihm 1880 ein Denkmal errichtet. Wegen seiner umfassenden Gelehrsamkeit ward er Doctor universalis genannt. Das Staunen seiner Zeitgenossen über den Umfang seines Wissens, namentlich auch in der Chemie, Physik und Mechanik, spricht sich in den wunderbarsten Sagen aus, die A. zum Zauberer und Vertreter der Magie machen. Wie er in seinen naturwissenschaftlichen Werken meist nur die in den Schriften des Aristoteles und in den byzantinischen, jüdischen und arabischen Kommentaren niedergelegten Forschungen sammelte und zusammenstellte, so zeigen auch seine philosophisch-theologischen Werke ihn völlig von Aristoteles beherrscht, dessen entscheidende Bedeutung für lange Zeit von ihm begründet wurde. In der Botanik trat er auch als selbständiger Forscher auf. Seine Schriften wurden herausgegeben von Jammy (Lyon 1651, 21 Bde.). Sein "Compendium theologicae Veritatis" (zuerst Nürnb. 1473) war im 15. und 16. Jahrh. in zahllosen Drucken verbreitet, ebenso seine apokryphen Schriften: "Liber secretorum Alberti Magni de virtutibus herbarum" (deutsch, Reutling. 1871) und "De secretis mulierum et virorum"; eine kritische Ausgabe des 18. Kapitels der "Historia naturalis" besorgten neuerdings E. Meyer und Jessen ("De vegetabilibus libri VII", Berl. 1867). Vgl. Sieghard Albertus Magnus (Regensb. 1857); Joel, Verhältnis Alberts d. Gr. zu Maimonides (Bresl. 1863); Octave d'Assailly, A. le Grand (Par. 1870); Bach, Des Albertus Magnus Verhältnis zu der Erkenntnislehre der Griechen (Wien 1881).

2) A. I. (Albrecht), 18. Erzbischof von Magdeburg, aus dem thüringischen Grafengeschlecht Käfernburg, ward in Paris und Bologna gebildet, schon 1200 durch die Gunst Innocenz' III. Dompropst zu Magdeburg und 1205, nachdem er sich König Philipp angeschlossen, durch die staufische Partei zum Erzbischof von Magdeburg erwählt und 1206 vom Papst geweiht. Der Neubau des am 20. April 1207 durch Feuer zerstörten Doms ist sein Hauptwerk. Nach Philipps von Schwaben Ermordung half A. Otto IV. zur Anerkennung in ganz Deutschland und begleitete denselben 1209 nach Italien. Als aber 1210 Otto der Bann traf, mußte ihn A. trotz allen Sträubens in Deutschland verkündigen, worauf er 1212 die Wahl des Staufen Friedrich II. zum König betrieb. Deshalb traf A. die Acht und sein Gebiet jahrelange Verwüstung durch die Welsen. Nach wiederhergestellter Ruhe nahm A. die durch den Krieg heimatlos gewordenen Einwohner in die feste Neustadt und mit dieser in den Stadtverband auf. Eine Fehde mit den Markgrafen von Brandenburg, Johann und Otto,