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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Albin - Albit.

kehrung des Landes. Der Sektengeist aber wucherte insgeheim fort, so in Piemont, wohin viele A. aus der Provence geflohen, die als Waldenser im 13. und 14. Jahrh. Vorläufer des Protestantismus wurden. Vgl. Hahn, Geschichte der Ketzer im Mittelalter (Stuttg. 1845); K. Schmidt, Histoire et doctrine de la secte des Cathares ou Albigeois (Straßb. 1849); Peyrat, Histoire des Albigeois (Par. 1882, 2 Bde.). Der Verzweiflungskampf der A. ist der Gegenstand des epischen Gedichts "Die A." von Nikolaus Lenau.

Albin, s. Apophyllit.

Albinagii jus (lat., Albinagium, franz. Droit d'aubaine), s. v. w. Heimfallsrecht, s. Fremdenrecht.

Albini ^[Albini], Franz Joseph, Freiherr von, verdienter Staatsmann, geb. 14. Mai 1748 zu St. Goar, Sohn des kurböhmischen Kammergerichtsassessors Kaspar A. (1788 in den Freiherrenstand erhoben), trat 1770 in fürstbischöflich würzburgische Dienste, 1775 in das Reichskammergericht und ward 1787 als Geheimer Reichsreferendar des Mainzer Erzbischofs nach Wien gesandt, wo er das Vertrauen Josephs II. erlangte und 1789 die Aufnahme in die fränkische Reichsritterschaft fand. Im J. 1792 wurde er kurmainzischer Hofkanzler und Minister, wohnte 1797 dem Kongreß zu Rastadt bei, stellte sich 1799 an die Spitze des Mainzer Landsturms und ward von Dalberg, nachdem dieser Großherzog von Frankfurt geworden war, zum Ministerpräsidenten ernannt. Als die Verbündeten das Gebiet eingenommen hatten, übertrugen sie ihm die Verwaltung; später trat A. in österreichische Dienste und war zum Bundestagsgesandten ausersehen, als er 8. Jan. 1816 in Dieburg starb.

Albinismus, Zustand der Albinos (s. d.).

Albinos (v. portug. albino, weiß; Kakerlaken, weiße Neger, Dondos, Weißsüchtige, lat. Leucaethiopes), besondere Varietät des Menschen, welche sich durch eine milchweiße Haut, seidenartige, weiße Kopf-, Bart- und Schamhaare, eine blaß rosenrote Iris und tiefrote Pupille charakterisiert. Der Augapfel dieser A. ist in steter zitternder Bewegung, und alle sind kurzsichtig. Sie sehen am besten in der Dämmerung und besser bei Mondlicht als bei dem sie zu stark blendenden Sonnenlicht. Im allgemeinen von mittlerer Größe, sind sie von schwächlicher Konstitution. Man findet sie in allen Klimaten und unter allen Menschenrassen, am häufigsten aber unter den Negern, weit seltener unter den Nationen von weißer Hautfarbe. In einigen Gegenden sind sie ein Gegenstand des Abscheus, weshalb sie sich in unbewohnte Gegenden zurückziehen und dort beisammenleben, was wahrscheinlich Veranlassung zu der Annahme gegeben hat, daß sie eine besondere Nation oder Rasse seien. Der Albinismus oder die Leukäthiopie (Leukopathie) beruht auf einem mehr oder minder vollständigen Mangel des Pigments in den tiefern Zellenschichten der Oberhaut (der sogen. Malpighischen Schleimschicht) sowie auf Pigmentmangel in der Regenbogen- und Gefäßhaut des Auges. Die Gründe dieses Mangels kennen wir nicht. Der eigentliche Albinismus ist stets angeboren, kommt teils sporadisch, teils erblich vor und ist unheilbar. Er findet sich auch bei den Tieren häufig. Die weißen Kaninchen, weißen Mäuse, weißen Raben, weißen Tauben etc. sind A. Die weißen Elefanten, welche in einigen Gegenden Asiens so hoher Verehrung genießen, sind wenigstens eine an Albinismus angrenzende Varietät. Dasselbe gilt von den isabellfarbigen Pferden. Geoffroy Saint-Hilaire unterscheidet vollkommenen, partiellen und unvollkommenen Albinismus. Der vollkommene charakterisiert sich durch völlige und allgemeine Entfärbung der Haut; bei dem partiellen beschränkt sich die Entfärbung auf einzelne Stellen der Haut, und beim unvollkommenen findet nur eine mehr oder weniger ins Auge fallende Verminderung der färbenden Materie statt. Vgl. Mansfeld, über das Wesen der Leukopathie oder des Albinoismus (Braunschw. 1822).

Albinovanus, Pedo, röm. Dichter, Freund des Ovid, von dessen "Epistulae ex Ponto" einer an ihn gerichtet ist, feierte die Thaten des Germanicus in einem heroischen Gedicht, von dem jedoch nur ein schönes Bruchstück (in Wernsdorfs "Poetae latini minores", Bd. 4) auf uns gekommen ist. Außerdem hat man ihm ohne Grund eine Elegie: "Consolatio ad Liviam Augustam de morte Drusi" (in Bährens' "Poetae latini minores", Bd. 1, Leipz. 1879), beigelegt, von der sogar behauptet wird, daß sie ein italienisches Machwerk des 15. Jahrh. ist (vgl. Haupt, Opuscula, Bd. 1, Leipz. 1875).

Albinus, Decimus Clodius, aus einem edlen, aber verarmten Geschlecht, wurde von Commodus zum Statthalter Britanniens ernannt, dort 193 von den Legionen gegen Didius Julianus zum Kaiser ausgerufen, aber 197 von Septimius Severus bei Trévoux in der Nähe von Lyon besiegt und getötet.

Albion, alter, jetzt nur noch poetisch gebrauchter Name der großbritann. Insel (England und Schottland), wird vom gälischen alb (Höhe) und inn (Land, Insel) abgeleitet, also s. v. w. Hochlandsinsel.

Albion, Heerführer der Sachsen in den Kriegen mit Karl d. Gr., Freund Wittekinds, ließ sich nach seiner Unterwerfung 785 zu Attigny in Frankreich taufen.

Albionmetall, mit Zinn plattiertes Blei.

Albionpresse, eine in England von Cope erbaute und noch heute im Gebrauch befindliche Handpresse für Buchdrucker.

Albis, Bergkette im schweizer. Kanton Zürich, ein aus den Schwyzer Voralpen in die Hochebene vortretender Ausläufer, der im 918 m hohen Bürglenstutz seinen Gipfelpunkt, im 873 m hohen Ütli (Uto) seinen Schlußpfeiler hat und von hier zu einem bloßen Hügelzug sich verflacht (s. Zürich). Über die beträchtlichste Einsenkung der Kette, den Albispaß (793 m), bewegte sich früher der ganze Verkehr von Zürich nach Zug und dem Vierwaldstätter See; seit Eröffnung der Zürich-Luzerner Eisenbahn hat er nur noch lokale Bedeutung. Am Westfuß des A., bei Hausen, liegt die Kaltwasserheilanstalt Albisbrunn, 1839 nach dem Muster der Gräfenberger angelegt.

Albis, röm. Name der Elbe (s. d.).

Al bisogno (ital., spr. bisonnjo), im Notfall (bei Notadressen auf Wechseln).

Albissolaspitzen haben ihren Namen von dem Städtchen Albissola bei Genua und sind den Genueser Spitzen ähnlich.

Albít (wegen seiner weißen Farbe so genannt, auch Tetartin, Periklin, Natronfeldspat), Mineral aus der Ordnung der Silikate (Feldspatgruppe), kristallisiert in triklinischen Gestalten, welche große Ähnlichkeit mit denen des Orthoklases haben, worunter sehr häufig Zwillingsbildungen mit den charakteristischen Streifungen vorkommen; er tritt tafelförmig oder kurz säulenförmig auf, findet sich aber auch derb, in individualisierten Massen und körnigen, schaligen und strahligen Aggregaten und eingesprengt. Der A. ist ein Natronfeldspat, entsprechend der Formel Na2Al2Si6O16 ^[Na<sub>2</sub>Al<sub>2</sub>Si<sub>6</sub>O<sub>16</sub>], enthält aber stets etwas (meist unter 1 Proz.) Kalk, herrührend von einer