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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Alemannische Gesetze; Alemannischer Dialekt; Alembert; Alembrotsalz; Alemdar; Alemtejo

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Alemannische Gesetze - Alemtejo.

durch Gallien und über die Alpen und drangen bis Mailand vor. Kaiser Gallienus trieb sie zurück, konnte aber die Ansiedelung alemannischer Scharen auf der rechten und linken Seite des Oberrheins nicht hindern. Im J. 270 brachen sie, mit den Markomannen vereint, abermals in Italien ein, schlugen den Kaiser Aurelian bei Mailand und Piacenza und setzten das ganze römische Reich in Schrecken. Doch wurden sie schließlich zurückgeworfen und hielten bis zum Tod Aurelians Ruhe. Gleich danach aber durchbrachen sie die Grenzlinien, zerstörten die Städte des Zehntlands und überschwemmten Gallien. Noch einmal jagte sie Probus über die Alb und den Neckar zurück und suchte die Grenze durch Lager und feste Werke (276) zu sichern; aber gleich nach seinem Tod (282) fiel das ganze Land diesseit des Rheins und westlich von der Iller wieder in die Hände der A. Selbst des Julianus großer Sieg bei Hausbergen in der Nähe von Straßburg (357) hatte keine bleibenden Folgen, sowenig wie die Züge der Kaiser Valentinian (368) und Gratian. Die A. gewannen Wohnsitze südlich und westlich vom Rhein, und nach der Mitte des 5. Jahrh. waren sie bereits im Besitz des heutigen Schwaben, der Schweiz und des Elsaß. Wir finden sie später im Bund mit Aetius, aber auch im Heer Attilas. Als sie aber in das Land der ripuarischen Franken eindringen wollten, besiegte sie der Frankenkönig Chlodovech 496, entriß ihnen das Maingebiet und unterwarf sie der fränkischen Oberhoheit. Ein Teil der A. floh und erhielt von dem Ostgotenkönig Theoderich Wohnsitze in Rätien, von wo aus dieselben 553 einen verheerenden Einfall in Italien machten. Bei dem Verfall des Merowingerreichs suchten die A. die Herrschaft der Franken abzuschütteln, wurden jedoch namentlich von Pippin von Heristall niedergehalten. Beim Verfall der Dynastie der Karolinger entstand ein Herzogtum Alemannien, das, von Burkhard gestiftet, im 10. und 11. Jahrh. bedeutend war, dann aber, nach heftigen innern Kriegen (1096) unter die Häuser Staufen und Zähringen geteilt, als ein Ganzes nicht mehr vorkommt. Die Zähringer erhielten Thurgau, Zürichgau, Aargau mit Burgund, die Staufen das eigentliche Schwabenland oder den ostrheinischen Teil Alemanniens. Letzteres hieß seitdem allein Alemannien, später Schwaben. Vgl. Stälin, Wirtembergische Geschichte, Bd. 1 (Stuttg. 1841); Bacmeister, Alemannische Wanderungen (das. 1867); Haas, Urzustände Alemanniens (Erlang. 1866); v. Schubert, Die Unterwerfung der A. unter die Franken (Straßb. 1884).

Alemannische Gesetze, die Gesetze, Gebräuche und Gewohnheiten der alten Alemannen, deren Sammlung bereits im 5. Jahrh. n. Chr. begonnen, aber erst unter dem austrasischen König Dagobert vollendet wurde. Sie sind lateinisch abgefaßt, gleichwohl aber für die Kenntnis der Sprache wie der Geschichte jenes germanischen Völkerbunds von großer Wichtigkeit. Leider fehlt bis jetzt noch eine genauere Untersuchung derselben. Sie zeichnen sich durch Humanität vor andern altdeutschen Gesetzen aus.

Alemannischer Dialekt, s. Deutsche Sprache.

Alembert (spr. alangbähr), Jean Lerond d', einer der hervorragendsten Philosophen und Mathematiker des 18. Jahrh., geb. 16. Nov. 1717 zu Paris, ward von seinen unnatürlichen Eltern, der Frau v. Tencin und dem Dichter Destouches, ausgesetzt, von der Frau eines armen Glasers aufgenommen und erzogen, trat, zwölf Jahre alt, in die Pensionsanstalt des Collège Mazarin, wo er die raschesten Fortschritte in den Wissenschaften machte. Anfänglich fesselte ihn das Studium der Theologie; später studierte er die Rechte, wurde sogar Advokat, wendete sich aber bald von der Praxis ab und mit Feuer den philosophischen, besonders den mathematischen und physikalischen, Studien zu. Im J. 1741 als Mitglied in die Akademie der Wissenschaften aufgenommen, schrieb er den "Traité de dynamique" (Par. 1743; beste Ausg., das. 1759) und den "Traité de l'équilibre et du mouvement des fluides" (das. 1744). Seine "Réflexions sur la cause générale des vents" (Par. 1747) trugen ihm nicht nur den von der Berliner Akademie ausgesetzten Preis, sondern auch die Mitgliedschaft derselben ein. An den Untersuchungen, welche Newtons Entdeckungen über die Bewegungen der Himmelskörper ergänzten, nahm er sehr fördernden Anteil. Seine hierher gehörigen zahlreichen Abhandlungen finden sich in den "Opuscules mathématiques" (Par. 1761-80, 2 Bde.) gesammelt. Von den sogen. exakten wandte sich A. auch zu andern Wissenskreisen. Außer den "Mélanges de littérature, d'histoire et de philosophie" (Par. 1752, 5 Bde., und 1770, 5 Bde.) gab er die durch Scharfsinn und Klarheit ausgezeichneten "Éléments de philosophie" (das. 1759) heraus und erregte großes Aufsehen durch seine Abhandlung über die Verderblichkeit der jesuitischen Lehren, die ihm heftige Gegner erwarb. Mit Diderot unternahm er die Herausgabe des großen "Dictionnaire encyclopédique" (Par. 1751-72, 28 Bde.), zu welchem Werk er die mathematischen Artikel und die Einleitung, eine Einteilung und systematische Übersicht der Wissenschaften nach Bacon, lieferte. Dasselbe übte große litterarische Wirkung aus, verwickelte ihn aber in vielfache Streitigkeiten, die ihn veranlaßten, sich von den mathematischen und physikalischen Forschungen mehr und mehr abzuwenden und vorzugsweise mit rein litterarischen Fragen zu befassen. Hierher gehören die "Essais sur les gens de lettre", "L'art de traduire", die "Réflexions sur le style" u. a., höchst geistreiche Schriften, welchen er vorzüglich seinen stilistischen Ruf sowie seine Aufnahme in die Académie française, deren Sekretär er 1772 ward, verdankt. Als Mensch von biederm, bescheidenem, uneigennützigem und wohlthätigem Sinn hat er besonders durch sein unglückliches Liebesverhältnis zu der geistreichen, aber unbeständigen L'Espinasse Teilnahme eingeflößt. Als "Freidenker" hat er von seiten der Theologen Verfolgungen erfahren, die zuletzt dahin führten, daß selbst die Akademie ihm seinen Gehalt entzog. Dennoch folgte er weder dem Rufe Friedrichs II., der ihm seine Freundschaft, noch dem der Kaiserin Katharina II. von Rußland, die ihm die Erziehung ihres Sohns Paul antrug. Von dem erstern erhielt er einen Jahresgehalt. Er starb 29. Okt. 1783 am Stein, dessen Operation er sich nicht unterwerfen wollte. Condorcet setzte ihm in seinem "Eloge" ein schönes Denkmal. Gesammelt sind seine vermischten Schriften herausgegeben als "Œuvres philosophiques, historiques et littéraires" von Bastien (Par. 1805, 18 Bde.), von Didot (das. 1821, 16 Tle. in 5 Bdn.), von Condorcet ("Œuvres. Sa vie, ses œuvres, sa philosophie", neue Ausg., das. 1852). Eine vollständige Sammlung seiner mathematischen Schriften ist nicht erschienen.

Alembrotsalz, s. Quecksilberchlorid.

Alemdar (Alembdar), ein Offizier am türk. Hof, der dem Sultan bei feierlichen Aufzügen die grüne Fahne des Propheten voranträgt.

Alemtejo (Alentejo, spr. alengteschu, d. h. jenseit des Tejo), die größte, aber am spärlichsten bevölkerte Provinz Portugals, zwischen Beira und Estremadura