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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Alençon; Alençonspitzen; Alentours; Aleph; Alepīne; Aleppo

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Alençon - Aleppo.

im N. und Algarve im S., 24,411 qkm (nach Strelbitskys Berechnung 24,294 qkm [439,4 QM.]) groß. An den Ostgrenzen des Landes erheben sich gruppenweise die Serras de São Mamede und Portalegre, d'Ossa, d'Evora u. a. m., nach O. meist in schroffen Felswänden abfallend, nach W. in weite Ebenen übergehend, welche vor ihrer Verflachung zur sandigen Küste durch isolierte Felskämme unterbrochen werden. Die südliche Grenze bildet das bis 900 m ansteigende Gebirge von Algarve (Serra de Monchique). Im O. wird die Provinz durch den Guadiana, im N. durch den Tejo und im SW. durch den Sado bewässert. Im S. und W. ist das Klima heiß und trocken. Hier breiten sich weite, baumlose, von Sumpfstrecken unterbrochene und spärlich angebaute Heideebenen aus, während im O. die Thäler äußerst fruchtbar und die Berge schön bewaldet sind. Die Bevölkerung betrug 1881: 367,169 Seelen. Außer Weizen und Gerste baut man Reis und Mais. Wein und Obst gedeihen fast überall, in den wärmern Gegenden auch Oliven und Orangen, Feigen, Mandeln und andre Südfrüchte. Die Wälder bestehen vorzugsweise aus Kork- und andern Eichen und aus Kastanien; die Ebenen sind mit Wacholder, Myrten und kurzem, zur Schaffütterung geeignetem Gras bewachsen. Die Viehzucht ist ansehnlich, namentlich liefert A. die besten Schweine, nächstdem besonders Schafe und Ziegen. Bei der geringen Bevölkerung bleibt noch Getreide zur Ausfuhr übrig. Die Industrie liegt noch danieder; auch der Bergbau wird ungeachtet der Anzeichen eines nicht unbedeutenden Erzreichtums vernachlässigt. Von Lissabon durchschneiden zwei Eisenbahnen das Land, eine nördliche, welche sich in drei Stränge spaltet: nach Madrid, nach Badajoz und nach Evora zur zweiten, südlichern, die sich bei Beira gleichfalls nach O. und SW. spaltet. Die Provinz umfaßt die drei Distrikte Beja, Evora und Portalegre. Hauptstadt ist Evora.

Alençon (spr. alangßóng), Hauptstadt des franz. Departements Orne, an der Sarthe, die unfern entspringt, und an der Westbahn, schön gelegen und gut gebaut, ab er düstern Aussehens, hat eine schöne Kirche, Notre Dame, ein Stadthaus mit zwei Türmen vom alten Schloß der Herzöge von A. (s. unten) und (1881) 15,939 Einw. Die Fabrikation der ehemals so berühmten Spitzen von A. (points d'A.), welche in Stadt und Umgebung über 20,000 Hände beschäftigte, ist jetzt sehr verringert. Im übrigen herrscht viel industrielle Thätigkeit, namentlich Baumwollspinnerei, Pikee-, Barchent- und Leinweberei, Fabrikation von Stickereien, feinen Strohhüten, Handschuhen, Verarbeitung von Quarzkristallen (Diamanten von A.) zu Schmucksachen. Auch wird in der Umgebung treffliche Pferdezucht betrieben. A. hat ein Lyceum, ein Museum, eine Bibliothek von 14,000 Bänden und ist Sitz des Präfekten. - Die alten Herzöge von A. waren ein Zweig des königlichen Hauses Valois und stammten von Karl II. von Valois, der 1322 von seinem Vater mit der Grafschaft A. belehnt wurde und 1346 in der Schlacht bei Crécy fiel. Das Pairieherzogtum ward jedoch erst 1414 für des Stammvaters Enkel Johann III. errichtet, welcher 1415 in der Schlacht bei Azincourt fiel. Als mit Karl IV. 1525 das Haus A. erlosch, gab König Karl IX. das Herzogtum seinem jüngern Bruder, dem Herzog Franz von Anjou, nach dessen Tod 1584 es wieder an die Krone zurückfiel. Heinrich IV. überließ es pfandweise dem Herzog von Württemberg, der es 1608 auf seinen Sohn vererbte, von dem es Maria de' Medici 1612 für die Krone zurückkaufte. Ludwig XIV. verlieh den Titel davon 1710 seinem Enkel, dem Herzog von Berry, und Ludwig XVI. 1774 seinem ältesten Bruder, dem Grafen von Provence. Gegenwärtig führt der zweite Sohn des Herzogs von Nemours, Prinz Ferdinand Philipp (geb. 1844), den herzoglichen Titel von A.

Alençonspitzen, Spitzen, welche in der franz. Stadt Alençon (s. d.) angefertigt werden, wohin 1675 der Sitz der französischen, zehn Jahre früher durch venezianische Arbeiter begründeten Spitzenindustrie verlegt worden war. Die Alençonspitze wird wegen des Reichtums und der Schönheit ihrer Muster und der vollendeten Ausführung die "Königin der Spitzen" genannt. Sie wird ausschließlich mit der Nadel angefertigt und zwar aus einem mit der Hand gewebten, aber außerordentlich feinen und knotenfreien Faden. Die Arbeiterin fertigt gewöhnlich ein Stück von 25 cm Länge an. Die einzelnen Teile werden dann durch eine feine Naht zu einem Stück von 25 m Länge zusammengesetzt.

Alentours (franz., spr. alangtuhr), Umgebung (von Gegenden und Personen).

Aleph, Anfangsbuchstabe des hebräischen und phönikischen Alphabets; auch Zahlzeichen für 1.

Alepīne, schwarzes geköpertes Gewebe mit Kette aus weicher Seide und Einschlag aus weichem feinen Kammgarn, wird im Stück gefärbt und besonders in Aleppo, Amiens, Paris, Gera, Rochlitz etc. fabriziert.

Aleppo (Haleb), Hauptstadt des gleichnamigen asiatisch-türk. Wilajets, das den nördlichen Teil von Syrien und den nordwestlichen Teil Mesopotamiens umfaßt, liegt 300 km nordöstlich von Damaskus, in einer fruchtbaren, vom Steppenfluß Kuweik (Kuêk) bewässerten Thalebene (ca. 420 m), die sich gegen S. und O. in die Wüste verliert, und war vor dem Erdbeben von 1822, das zwei Drittel der Stadt zerstörte, der Größe nach die dritte Stadt des türkischen Reichs und, wenn nicht nominell, doch faktisch die Hauptstadt Syriens. Sie hat einen Umfang von etwa 12 km und besteht aus der Altstadt (Medineh) und 13 Vorstädten, die einen größern Raum einnehmen als jene. Die Straßen tragen das morgenländische Gepräge, sind jedoch gut gepflastert, und die Häuser, aus Quadern fest erbaut, haben zum großen Teil ein sehr stattliches Aussehen. Auch von den alten Palästen steht noch mancher, teils im venezianischen, teils im arabischen Baustil. Unter den Moscheen (vor dem Erdbeben zählte A. deren 100, wovon die meisten in Schutthaufen verwandelt wurden) zeichnet sich die Dschami ed Adlijeh durch Schönheit aus. Ziemlich in der Mitte der Stadt erhebt sich auf einem etwa 65 m hohen Hügel, die Stadt beherrschend, eine alte Feste mit 20 m hohem Turm; am Fuß des Hügels steht die Wohnung des Gouverneurs. Die Zahl der Bewohner, unter denen durchaus ein weit freierer und fröhlicherer Sinn herrscht als in den meisten übrigen mohammedanischen Städten, wird von Sachau ("Reise in Syrien", Leipz. 1883) auf 125,000 angegeben, wovon etwa 20,000 Christen (meist unierte Griechen, die einen Metropoliten hier haben) und 5000 Juden sind. Die jüdische Gemeinde von A., unter der sich zahlreiche Wechsler, Bankiers und Konsuln europäischer Staaten befinden, ist nächst der von Damaskus die bedeutendste in Syrien und bewohnt ein eignes Stadtviertel (Bahsita), wie die eingebornen Christen die Vorstadt Dschedaide und die Europäer die Vorstadt Kitab. Im N. von der Stadt liegt eine große Kaserne für die in A. stationierte Garnison. Das Klima von A. ist im allgemeinen gesund, im Winter rauh und die Stadt im ganzen Orient berühmt wegen ihrer Umgebung von lieblichen Gär-^[folgende Seite]