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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Aleppobeule; Aler; Alért; Aleschki; Alēsia; Alessandrĭa

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Aleppobeule - Alessandria.

ten, Obsthainen und Spaziergängen im Thal des Kuweik, während sich jenseit des Thals zu beiden Seiten die öde Ebene ausdehnt. Eine antike Wasserleitung führt der Stadt 11 km weit Trinkwasser zu. Seine Lage im Knotenpunkt aller Handelsstraßen, welche vom Mittelmeer nach O. führen, machte A. von jeher zu einem Haupthandelsemporium des Orients; es bildete schon vor Jahrhunderten den Stapelplatz für europäische, levantische, indische und persische Waren. Am schwunghaftesten war der Handel Aleppos vor der Auffindung des Seewegs nach Indien, während und nach der Zeit der Kreuzzüge, wo die Genuesen und Venezianer ihre Hauptniederlagen hier hatten. In unsrer Zeit ist er, obwohl infolge des Erdbebens und der darauf wütenden Pest sowie durch die Unruhen im Land und Bedrückungen aller Art beträchtlich zurückgegangen, doch immer noch lebhaft; er befindet sich jetzt fast ausschließlich in den Händen der sehr rührigen und durchweg wohlhabenden einheimischen Christen (Griechen und Armenier), während die früher hier zahlreich vertretenen europäischen Handelshäuser fast ganz den Platz geräumt haben. Der Hauptverkehr besteht in der Einfuhr von britischen Zeugen und Manufakturen, Kolonialwaren und französischen leichten Tuchen. Zur Ausfuhr kommen Galläpfel, Farbstoffe und Droguen (nach England), gelbe Baumwolle und schmutzige, aber gute Wolle (nach Frankreich und Italien), ferner Tabak, Weizen, Pistazien, Sesam, Öl etc. Erzeugnisse des Gewerbfleißes sind besonders Seife, kostbare Brokat- und Seidenstoffe, Gold- und Silberwaren, Silberarbeiten, Färbereiartikel etc. Etwa 34 km nordwestlich von A. sind die Ruinen des im 6. Jahrh. erbauten berühmten Klosters des heil. Simeon, des bekannten Säulenheiligen. - Aleppos Gründung datiert aus dem 2. Jahrtausend v. Chr. Der älteste Name der Stadt war Chaleb (gräzisiert Chalybon). A. war die Hauptstadt der Landschaft Chalybonitis, welche der Chalos (Kuweik) durchfloß, und erlangte nach Palmyras Sturz als Handelsplatz große Bedeutung. Seleukos Nikator verschönerte die Stadt und nannte sie Beröa, welcher Name bis zur Eroberung der Araber 636 blieb, dann aber dem alten Haleb (italianisiert A.) wieder weichen mußte. Während der Kreuzzüge gründeten die Seldschukken hier ein Sultanat, das zwar schon 1117 wieder unterging, aber den Grund zu der spätern Größe der Stadt legte. Im J. 1260 wurde sie, damals noch herrlich und groß, eine Beute der Mongolen und 1400 der Horden Timurs. In der Folge kam sie unter die Herrschaft der mameluckischen Sultane von Ägypten und 1516 durch Sultan Selim I. in die Gewalt der Türken, von denen sie zur Hauptstadt eines Paschaliks gemacht wurde.

Aleppobeule, in Syrien, Persien, Ägypten, besonders in Aleppo, vorkommende, nicht ansteckende Hautkrankheit, welche bei Eingebornen schon in der frühsten Kindheit, aber auch im reifen Alter, besonders im Gesicht, seltener an den Extremitäten, auftritt und in der Bildung von Knoten besteht, die sich langsam zu großen, schmerzhaften Geschwülsten entwickeln. Diese vereitern allmählich, bedecken sich mit einer dicken Kruste und führen zu fürchterlichen Entstellungen des Gesichts. Man zerstört die Anschwellungen durch Ätzungen und durch das Glüheisen. Ähnliche Krankheiten kommen bei den Arabern (Biskorabeule, Saharageschwür), auf Amboina (Amboinapocken), in Sibirien und Ungarn (Pokolvar) vor.

Aler, Paul, Jesuit und Professor der Theologie, geb. 9. Nov. 1656 zu St. Veit im Luxemburgischen, lehrte zu Köln und Trier, war Rektor in Köln, Aachen, Münster, Trier und Jülich und starb 2. Mai 1727 zu Düren. A. ist besonders bekannt durch seinen "Gradus ad Parnassum" (Köln 1702), zuletzt bearbeitet von Friedemann (4. Aufl., Leipz. 1842, 2 Bde.) und von Koch (8. Aufl., das. 1880).

Alért (franz., v. ital. all' erta, "auf der Hut"), aufgeweckt, munter.

Aleschki (früher Dnjeprowsk), Kreisstadt im südruss. Gouvernement Taurien, mit (1881) 8915 Einw. Westlich davon liegt die kleine Festung Kinburn, mit drei Forts, die 14. Okt. 1855 von den Alliierten bombardiert wurde und infolgedessen kapitulierte.

Alēsia, die sehr alte und feste Hauptstadt der Mandubier in Belgica, welche Cäsar nach hartnäckiger Verteidigung durch Vercingetorix eroberte und zerstörte. Danach blühte A. zwar wieder auf, ward aber 864 von den Normannen abermals zerstört. Spuren der alten Stadt finden sich noch bei dem Dorf Alise Ste.-Reine, am Fuß des Bergs Auxois, unweit Semur (Côte d'Or). Auf der Spitze des genannten Bergs ließ Napoleon III. 1864 eine Kolossalstatue des Vercingetorix errichten mit der aus den Kommentaren Cäsars entlehnten Inschrift: "La Gaule unie, formant une seule nation, animée d'un même esprit, peut défier l'univers".

Alessandrĭa, oberital. Provinz, umfaßt den östlichen Teil von Piemont, grenzt im N. an die Provinzen Turin und Novara, im O. an Pavia, im S. an Genua, im W. an Cuneo und Turin und hat einen Flächenraum von 5117 qkm (nach Strelbitskys Berechnung 4937 qkm [89,7 QM.]). Das Land ist im O. eine weite, fruchtbare Ebene, während der mittlere und westliche Teil aus meist herrlichem, teilweise mit Wald bedecktem Hügelland bestehen. Bewässert wird es vom Po, Tanaro, Bormida und Scrivia. Von der Bormida führt über Alessandria zum Tanaro der Karl Albert-Kanal. Die Bevölkerung betrug 1881: 729,710 Einw., deren Haupterwerbszweige Ackerbau, Weinbau, Produktion von Hanf, Flachs, Obst und Trüffeln, ferner Seidenindustrie, Färberei und Käsebereitung bilden. Das Land wird von einem dichten Straßen- und Eisenbahnnetz durchzogen, das in der Provinzialhauptstadt seinen Knotenpunkt hat und mit den Hauptlinien nach Genua, Turin und Mailand ausläuft. Die Provinz zerfällt in die sechs Kreise A., Acqui, Asti, Casale Monferrato, Novi Ligure und Tortona. - Die gleichnamige Hauptstadt, mit dem Beinamen della Paglia (d. h. von Stroh, wahrscheinlich weil die ersten Häuser in der Eile mit Stroh gedeckt wurden), liegt 91 km südöstlich von Turin in einer südwestlichen Ausbuchtung der großen Poebene in sumpfiger Gegend am Tanaro und an der Bormida und ist stark befestigt. Unter den sechs Hauptplätzen ist die große, quadratische Piazza Reale in der Mitte der Stadt, unter den Palästen der königliche und das Stadthaus mit großem Theater, unter den 19 Kirchen die neue Kathedrale (1823 erbaut) bemerkenswert. Links vom Tanaro liegt die Citadelle (1728 erbaut), zu welcher eine schöne, gedeckte Brücke führt. Die Bevölkerung beträgt (1881) 30,761 Seelen. A. hat ein Lyceum, Gymnasium, eine technische Schule, ein Gewerbeinstitut, Nationalkonvikt, einen großen Campo santo, zahlreiche Wohlthätigkeits anstauen, darunter ein Siechen- und ein Irrenhaus, und Manufakturen in Leinwand, Wachskerzen, Teigwaren, Goldarbeiten etc. Zugleich ist die Stadt reger Handelsplatz, unterhält zwei altberühmte, noch jetzt sehr besuchte Messen und bildet den Knotenpunkt von sechs Eisenbahnen. Sie ist Sitz eines Bi-^[folgende Seite]