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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Algenib; Algenpilze; Alger

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Algenib - Alger.

12. Ordnung: Florideae (Rot- oder Blütentange). Die hierher gehörigen, durch Farben- und Formenpracht ausgezeichneten A. sind vorwiegend Meeresbewohner; nur die Gattungen Batrachospermum Roth, Lemanea Bor. und Arten von Bangia Lyngb. sowie Hildenbrandtia Nard. bewohnen süßes Wasser. Die schön rote oder dunkelviolette Färbung vieler Florideen wird durch einen roten, neben Chlorophyll auftretenden Farbstoff, das Pykoerythrin ^[richtig: Phykoerythrin], bedingt. Nur in ihren einfachsten Formen ähneln diese A. den Konfervaceen, sonst nimmt ihr Thallus blattartige oder regelmäßig verästelte, oft sehr zierliche Formen an; bei einer Gruppe, den Korallineen, wird derselbe durch Inkrustation von kohlensaurem Kalke korallenartig fest. Die ungeschlechtliche Vermehrung geschieht durch unbewegliche Brutzellen, die Tetrasporen, die zu vier in je einer Mutterzelle entstehen. Der Befruchtungsprozeß verläuft bei den Gruppen der Florideen in etwas verschiedener Weise, immer aber findet derselbe zwischen unbeweglichen Samenkörpern (Spermatien) u. einem mit halsartigem Empfängnisorgan versehenen Karpogon (Fig. 16 f, t) statt. Bei manchen Florideen sitzt das Empfängnis-Organ oder die Trichogyne nicht unmittelbar dem Karpogon auf, sondern letzteres stellt schon vor der Befruchtung einen Zellkörper dar, und die Trichogyne wird von einer besondern Zellreihe, dem Trichophor (Fig. 16 f), getragen. Zum Zweck der Befruchtung müssen die aus den Antheridien (Fig. 16 a n) entleerten Spermatien durch das Wasser in die Nähe der Trichogyne gelangen; einzelne haften dann an der zarten Haut derselben fest, worauf dieselbe an der Berührungsstelle sich auflöst. Infolge der Befruchtung entwickelt sich das Karpogon weiter und erzeugt entweder einen dichten Knäuel von Ästen, deren Endzellen sich zu Sporen ausbilden, die Keimhäufchen (glomeruli) darstellend, oder es bildet sich zu einer kapselartigen Sporenfrucht' ^[richtig:,] dem Cystokarp (Fig. 17), aus, welches die Sporen einschließt. Die Cystokarpien stehen entweder frei an der Seite der Thalluszweige, oder sind dem Körper des Thallus eingesenkt; sie enthalten einen oder mehrere von Gallerthüllen umschlossene Ballen von Sporen und öffnen sich bei der Reife am Scheitel. Wichtigste, zugleich als Repräsentanten von Familien betrachtete Gattungen sind: Porphyra Ag., Lemanea Bory, Ceramium Lynb., Furcellaria Lam., Gigartina Ag., Dumontia Ag., Rhodymenia Grev., Gelidium Ag., Sphaerococcus Grev., Rhodomela Ag., und Corallina Tourn.

Die Fukaceen und Florideen bilden die hauptsächliche Vegetation der Meere und erreichen zum Teil riesige Dimensionen, wie Laminarien und Macrocystis-Arten (bis 300 m lang), schwimmen auf hoher See oder leben an den Felsen der Küste festgewachsen, wo sie vielen Seetieren zur Nahrung und zum Aufenthalt dienen. Eine Darstellung wichtiger Meeresformen der A. gibt die beifolgende Tafel und zwar folgende Arten: 1. Macrocystis pyrifera, 2. Nereocystis Luetkeana (adulta), 3. N. L. (juvenilis), 4. Alaria fistulosa, 5. A. esculenta, 6. Laminaria Bongardiana, 7. L. saccharina, 8. L. digitata, 9. Constantinea Rosa marina, 10. Odonthalia Gmelini, 11. Iridaea Mertensiana, 12. Dumontia Hydrophora, 13. Porphyra pertusa, 14. u. 15. Thalassophyllum Clathrus (crispum), 16. Costaria Turneri, 17. Fucus Vesiculosus, 18. Halymenia palmata, 19. Agarum Gmelini, 20. Desmarestia intermedia. Auch in den vorweltlichen Perioden, vom Übergangsgebirge bis zum Tertiär, waren die Meere reich an solchen Gewächsen.

Die meisten A. sind ausgesprochene Wasserpflanzen, und diejenigen, welche an der Luft leben, halten sich nur an feuchten Orten auf und erfordern sogar für gewisse Lebensprozesse, wie für die Bildung von Schwärmsporen, periodische Anwesenheit tropfbarflüssigen Wassers. Eine zweite Lebensbedingung der A. ist das Licht, dessen sie, wie alle mit Chlorophyll ausgestatteten Gewächse, zur Unterhaltung des Assimilationsprozesses bedürfen. Sie bilden ihre organische Substanz, wie die höhern Pflanzen, aus Kohlensäure und Wasser und unterscheiden sich in dieser Beziehung sehr bestimmt von den Pilzen, welche des Chlorophylls entbehren, sich daher von vorgebildeter organischer Materie ernähren müssen. Über die Beziehungen von A. zu Pilzen s. Flechten, zu Tieren s. Symbiose. - Einen Nutzen gewähren nur die Tange, von denen manche jung als Gemüse, andre als Futter für Haustiere Verwendung finden. Einige liefern technische und arzneiliche Handelsartikel. Die an den Küsten ausgeworfenen Tangmassen werden als Dünger benutzt und an den englischen und französischen Küsten auf Jod und Alkalisalze verarbeitet.

Vgl. J. G. ^[Jacob George] Agardh, Species, genera et ordines algarum (Lund 1848-80, Bd. 1-3); Kützing, Phycologia generalis (Leipz. 1843); Derselbe, Species algarum (das. 1849); Derselbe, Tabulae phycologicae (Nordh. 1846-71, 19 Bde.); Nägeli, Die neuern Algensysteme (Zür. 1847); Rabenhorst, Flora europaea algarum (Leipz. 1865-68); Harvey, Phycologia britannica (Lond. 1871); Thuret, Études phycologiques (Par. 1878); Bornet und Thuret, Notes algologiques (das. 1876 bis 1880, Heft 1 u. 2).

^[Abb.: Herpothamnion hermaphroditum. Fig. 16. Stück eines Thallusastes mit Antheridien an und dem weiblichen Organ mit dem Trichophor f und der Trichogyne t. - Fig. 17. Stück eines Thallusastes mit dem weiblichen Organ nach der Befruchtung, wo dieses sich zum Cystocarp entwickelt; bei g liegen die Sporenhaufen, unterhalb welcher Zellfäden als Hülle des Cystocarps hervorsprossen.]

Algenib, der hellste Stern (α) im Sternbild des Perseus.

Algenpilze, s. Pilze.

Alger (spr. -scheh), franz. Name der Stadt Algier (s. d.).