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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Alm; Alma; Almacks; Almāda; Almadén; Almagést; Almăgro

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Alm - Almagro.

Wasser wenig, in Alkohol und Äther leicht löslich und siedet bei 148°. Vgl. Senföl, ätherisches.

Alm, oberdeutscher Name für Alp, Bergtrift, Bergweide; s. Alpenwirtschaft. - In der Mineralogie ein Mergel, welcher die Unterlage von Torfmooren, namentlich den oberbayrischen, bildet. Vgl. auch Kalkspat.

Alma, türk. Flüssigkeitsmaß, s. Almud 2).

Alma, Flüßchen auf der Westseite der Halbinsel Krim, zwischen den Städten Eupatoria und Inkjerman, neuerlich berühmt geworden durch die blutige Schlacht vom 20. und 21. Sept. 1854, in welcher die verbündeten Engländer und Franzosen unter Lord Raglan und Saint-Arnaud über die Russen unter Menschikow siegten.

Almacks (spr. ällmäcks), in England Name von Subskriptionsbällen, zu welchen nur die ausgesuchteste Gesellschaft Zutritt hat. Sie genossen früher eines europäischen Rufs, nicht nur, weil sich auf ihnen alles zusammenfand, was in England zur besten Gesellschaft gerechnet wurde (auch die Mitglieder des königlichen Hauses waren stets auf denselben zu finden), sondern auch, weil sie das Rendezvous aller durch hohe soziale Stellung oder Reichtum ausgezeichneten, zur Zeit in London lebenden Fremden bildeten und damit sogar eine nicht geringe politische Bedeutung gewannen. Außer Bällen wurden Maskeraden und Konzerte veranstaltet von einer Pracht und Eleganz, die selbst in den luxuriösesten Städten des Kontinents nicht überboten wurde. Von dieser Höhe sind die A. freilich heute sehr herabgesunken. Ihren Namen erhielten sie von einem Londoner, Mac Call, welcher sich hinter dem Pseudonym Almack verbarg und der diese Vergnügungen 1765 in drei von ihm mit außerordentlichem Aufwand ausgestatteten Sälen veranstaltete, nachdem schon 1763 in dem Haus der frühern deutschen Sängerin Therese Cornelys ganz ähnliche Bälle gegeben worden waren. Almack's Rooms heißen heute nach dem jetzigen Eigentümer Willis' Rooms (in King's Street, St. James), in denen gegenwärtig die Almacksbälle stattfinden. Nach dem Beispiel Londons haben auch andre große Städte Englands ähnliche Vergnügungen A. getauft.

Almāda, feste, von englischen Rittern gegründete Stadt in der portug. Provinz Estremadura, am linken Ufer der Entrada do Tejo, Lissabon gegenüber an einem mit einem Kastell gekrönten Felsen malerisch gelegen, hat (1878) 5091 Einw., welche ansehnlichen Weinhandel treiben.

Almadén, 1) (A. de Azogue, arab., "Quecksilberbergwerk") Bezirksstadt in der span. Provinz Ciudad Real, Hauptort der Hohen Mancha, liegt an der Eisenbahn Madrid-Lissabon in der zum marianischen Gebirgssystem gehörigen Sierra de A., hat eine Steigerschule und (1878) 7755 Einw., meist Bergleute und Beamte der Bergdirektion. Ihre Bedeutung verdankt die Stadt den weltberühmten Quecksilberbergwerken, die sich in der Umgebung von A. und dem benachbarten Almadenejos befinden. Die gegenwärtigen Minen (zwölf an der Zahl) datieren aus dem 17. Jahrh., bilden fünf Stockwerke, deren unterstes eine Tiefe von 357 m erreicht, und bauen auf einen fast senkrechten, nach unten zu immer breiter werdenden Zinnobergang, welcher zahlreiche Nester gediegenen Quecksilbers umschließt. Das unreine Erz enthält 6,61-7,21 Proz. Quecksilber. Almadens Gruben, welche seit Jahrhunderten eine der Haupteinnahmequellen des Staats bilden, waren schon in den ältesten Zeiten bekannt; Rom erhielt zu Plinius' Zeit allein jährlich an 700,000 Pfd. Sie sind Eigentum der Krone, waren aber zu verschiedenen Zeiten verpachtet, so 1525-1645 an die Augsburger Fugger, welche die Gruben mit Harzer und Freiberger Bergleuten ausbeuteten, und 1836-63 an die Rothschild; jetzt werden sie wieder vom Staat betrieben. Die Berg- und Hüttenwerke von A. beschäftigen durchschnittlich 4000 Bergleute und gewähren eine jährliche Ausbeute von 20-25,000 metr. Ztr. Quecksilber, wovon ca. 13,000 metr. Ztr. ausgeführt werden. - 2) Quecksilbermine im amerikan. Staat Kalifornien, 100 km südöstlich von San Francisco.

Almagést (Almadschisti; für griech. megistē, die "größte"), der von den Arabern verstümmelte Titel von des Ptolemäos Lehrgebäude der Astronomie (griech. megalē syntaxis, "große Sammlung"), welches Al Fergani im Auszug, Ishak ben Honein und Tabith ben Korrah vollständig ins Arabische übersetzt haben. Aus Arabien kam es nach Europa und wurde im 13. und 14. Jahrh. ins Lateinische übersetzt (1515 zuerst in Venedig gedruckt). Erst im 15. Jahrh. wurde das griechische Original in Europa bekannt und 1538 in Basel gedruckt. Bis ins 16. Jahrh. war der A. das einzige Lehrbuch der Astronomie.

Almăgro, Bezirksstadt in der span. Provinz Ciudad Real, in oliven- und rebenreichem Hügelgelände (Campo de Calatrava), an der Eisenbahn von Manzanares nach Ciudad Real, mit (1878) 8628 Einw., welche Spitzen- und Tüllfabrikation betreiben.

Almăgro, Diego de, span. Konquistador, erhielt, als Findling in der Nähe von Almagro 1464 aufgehoben, von dieser Stadt den Namen. Nachdem er zuerst im Heer gedient, ging er, von einem unbesiegbaren Drang nach Abenteuern getrieben, nach Amerika, wo er in Gemeinschaft mit Francisco Pizarro und Fernando de Luque den Plan verfolgte, von Panama aus das westliche Südamerika zu unterwerfen, von dessen Goldreichtum der Entdecker des großen Südmeers, Nuñez de Balboa, die erste dunkle Nachricht gebracht hatte. Die kleine Expedition drang tief in Peru vor und kundschaftete das Land aus. Von der spanischen Regierung mit Vollmachten und einer kleinen Kriegsmacht unterstützt, unternahmen die Verwegenen um 1532 des Landes Eroberung und führten sie glücklich durch. A., "der Marschall" genannt, erhielt darauf 1535 vom Kaiser Karl V. den südlichen Teil des Landes mit einer Küstenlinie von 200 Seemeilen. Von hier aus unternahm er 1536 einen Zug nach Chile, um dies Land für sich zu erobern, und gelangte unter großen Mühen und Verlusten bis Coquimbo, mußte aber wegen der Schwierigkeit des Marsches im unwegsamen Gebirge und wegen Mangels an Lebensmitteln umkehren. Wegen Cuzcos, dessen Besitz A. beanspruchte, und das er 1537 gewaltsam besetzte, geriet er mit den Pizarros in Streit. A. wurde, nachdem er Pizarros Unterfeldherrn Alonso de Alvarado 12. Juli 1537 geschlagen hatte, 26. April 1538 bei Salinas in der Nähe von Cuzco von Hernando Pizarro besiegt und gefangen nach Cuzco geschleppt. Hier wurde er, ein mehr als 70jähriger Greis, schließlich 8. Juli 1538 im Gefängnis erdrosselt und dann öffentlich enthauptet. A. war wild-leidenschaftlich und habgierig, aber auch offen, leutselig, freigebig und leichtgläubig; seine Soldaten liebten ihn. Sein unehelicher Sohn Diego de A. sammelte einen Haufen der Anhänger seines Vaters, erstürmte Pizarros Palast, rächte seinen Vater durch Ermordung Pizarros (1541) und ließ sich zum Generalkapitän von Peru ausrufen. Bald aber scharten sich Pizarros Anhänger zusammen, und beide Parteien lagen in blutiger Fehde, bis