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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Alogie; Aloi; Aloiden; Alopecie; Alopecurus; Alopeus; Alora; Alosa; Alost; Aloysia; Alp

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Alogie - Alp.

abweichenden Richtungen einen alten Ketzernamen beizulegen, hießen die Socinianer, weil sie die Gottheit Christi leugneten, A.

Alogie (griech.), Unvernunft, Unverstand, Unüberlegtheit. Alogisch, der Vernunft ermangelnd, unverständlich, widersinnig.

Aloi (franz., spr. aloá), der gesetzmäßige Gehalt, Schrot und Korn einer Münze.

Aloiden (Aloaden), in der griech. Mythe zwei Brüder, Otos und Ephialtes, Söhne des Aloeus, eines Heerführers der Thraker, oder des Poseidon und der Iphimedeia. Anfangs klein, wuchsen sie alle Jahre eine Elle in die Breite und eine Klafter in die Länge, so daß sie in kurzer Zeit zu Riesen und den schönsten Menschen wurden, die man je gesehen. Sie überwältigten im Alter von 9 Jahren nicht nur den Mars und hielten ihn 13 Monate lang in einem ehernen Faß gefangen, sondern unternahmen es im wachsenden Übermut auch, den Ossa auf den Olymp und den Pelion auf den Ossa zu türmen, um den Himmel zu ersteigen und die Götter zu entthronen. Doch Apollon erlegte mit seinen Pfeilen die Frevler, ehe ihnen der Bart keimte. Die Dichter nach Homer lassen die A. miteinander in Streit geraten, im Zweikampf fallen und in der Unterwelt büßen, wie Tityos. War doch nach andern auch ihr Vergehen ein ähnliches, da sie der Hera oder Artemis nachstellten; auch hier ist rascher Tod die unmittelbare Strafe. Übrigens sollen sie am Helikon den Musendienst eingeführt haben. Auf der fruchtbaren Insel Naxos wurden die A. als Heroen verehrt. In den Namen spricht sich eine Beziehung des Mythus auf den Ackerbau aus.

Alopecie (gr.), s. Kahlköpfigkeit.

Alopecurus L. (Fuchsschwanz), Gattung aus der Familie der Gramineen, ein- oder mehrjährige Gräser mit cylindrischer, ährenförmiger Rispe, kahnförmigen, gekielten, am Grund verwachsenen, grannenlosen Hüllspelzen und gekielten, schlauchartigen Deckspelzen mit rückenständiger Granne. A. pratensis L. (Wiesenfuchsschwanzgras, Kolbengras, s. Figur), 0,6-1,6 m hoch, mit walzenförmiger, 5,8 cm langer Rispe, steht truppweise auf frischen, etwas feuchten Wiesen mit tiefgrundigem Boden und bildet hier ein Futtergras erster Klasse, welches im 2.-4. Jahr im vollen Ertrag steht; die Samen haben im Handel nur 4. Proz. Gebrauchswert und sind häufig mit denen des folgenden gefälscht. A. agrestis L. (Ackerfuchsschwanz), mit nach der Spitze verdünnter Rispe, ist ein Ackerunkraut und A. geniculatus L. (geknieter Fuchsschwanz), mit am Boden liegenden Halmen und kurzen Rispen, in stehenden Gewässern und auf Wiesen, ein geringes Futtergras.

^[Abb.: Alopecurus pratensis (Wiesenfuchsschwanz).]

Alopeus, 1) Maximilian, Baron von, russ. Staatsmann, geb. 21. Jan. 1748 zu Wiborg in Finnland, studierte zu Abo, dann in Göttingen. Durch den Grafen Panin, russischen Gesandten in Stockholm, der diplomatischen Laufbahn zugeführt, erhielt er durch dessen Einfluß später das Direktorium der Reichskanzlei in Petersburg. Im J. 1780 nahm er Anteil an der Redaktion der Bestimmungen über die bewaffnete Neutralität. Seit 1790 bevollmächtigter Minister am Berliner Hof, erlangte er sehr bedeutenden Einfluß auf den König Friedrich Wilhelm II. und begleitete diesen in die Champagne. Als Preußen sich durch den Separatvertrag von Basel 1795 von der Koalition getrennt hatte, forderte A. seine Pässe und reiste ab. Zum Staatsrat ernannt, bekleidete er darauf den Posten eines russischen Gesandten beim Reichstag zu Regensburg, bis er 1802 als Botschafter nach Berlin zurückkehrte. Im J. 1807 mit einer außerordentlichen Mission in London betraut, unterhandelte er vergeblich mit dem englischen Ministerium, welches die Vermittelung Rußlands nicht annehmen wollte, wenn man ihm nicht die geheimen Artikel des Tilsiter Friedens mitteile. Im J. 1809 nahm A. seinen Abschied. Er starb 16. Mai 1822 in Frankfurt a. M.

2) Daniel, Graf von, Bruder des vorigen, geb. 1768 zu Wiborg, betrat, in der Militärschule zu Stuttgart erzogen, unter der Leitung seines Bruders ebenfalls die diplomatische Laufbahn und fungierte 1792 als Sekretär des Gesandten Rumjanzow in Frankfurt a. M. Im J. 1800 kam er als russischer Gesandter an den schwedischen Hof, wo er 1808 den jungen König Gustav Adolf IV. zur Verzichtleistung auf Finnland zu gunsten Rußlands bewegen sollte. Als aber die russischen Truppen in Finnland einrückten, ließ der Schwedenkönig den Gesandten selbst festnehmen und seine Papiere unter Beschlag legen, wobei allerhand Bestechungsversuche, die man russischerseits mit dem schwedischen Heer gemacht hatte, zu Tage kamen. Nach der Eroberung Finnlands ward A. zum Mitglied des Geheimen Rats ernannt, dann in den Grafenstand erhoben. A. schloß mit dem Reichskanzler Rumjanzow 1809 den Frieden mit Schweden, ging 1811 als Gesandter an den württembergischen Hof und 1813 als Generalkommissar zum verbündeten Heer. Nach dem Frieden vertrat er als bevollmächtigter Minister Rußland am Berliner und am Mecklenburg-Schweriner Hof und starb in Berlin 13. Juni 1831.

Alora, Bezirksstadt in der span. Provinz Malaga, an der Eisenbahn nach Cordova, mit maurischer Burg, kalten Mineralquellen und (1878) 10,014 Einw.

Alosa, Alse.

Alost (Aalst, Aelst), befestigte Arrondissementshauptstadt im belg. Ostflandern, an der schiffbaren Dender, Knotenpunkt an der Eisenbahn Brüssel-Ostende, ehemals Hauptstadt von Österreichisch-Flandern, besitzt in der unvollendet gebliebenen St. Martinskirche, deren Turm das älteste Glockenspiel Europas enthält, das Grabmal von Thierry Martens (Standbild seit 1856), welcher 1473 die Buchdruckerkunst nach den Niederlanden brachte. A. hat eine höhere Knabenschule und zählt (1883) 21,167 Einw., welche Hopfenhandel, Leinwand- und Seidenweberei, ferner Tuchfabrikation betreiben. A. wird schon im 9. Jahrh. erwähnt und war 1046-1173 Hauptstadt einer Grafschaft.

Aloysia Schau, Gattung aus der Familie der Verbenaceen; A. citriodora Orteg. (Punschpflanze), peruanischer Halbstrauch mit rutenförmigen Zweigen, gegenständigen, rauhen, zitronenartig duftenden Blättern und lilafarbigen Blüten, wird als Kalthauspflanze kultiviert und bisweilen zum Parfümieren des Thees benutzt; in Südspanien ist sie als Gartenpflanze sehr verbreitet.

Alp (Alm), Bergweide, s. Alpenwirtschaft.