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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Alpino - Alse.

frühern Mittelalters nach Europa. A. nutans Rosc., aus Ostindien, 2½-3 m hoch, mit schönen gelblichen, purpur und braun gezeichneten Blüten in fußlanger, hängender Traube, wird als Warmhauspflanze bei uns kultiviert.

Alpīno, Prosper (gewöhnlich Alpinus), Botaniker, geb. 23. Nov. 1553 zu Marostica in der Nähe Venedigs, studierte zu Padua die Heilkunde und ging als Arzt 1580 mit dem venezianischen Konsul nach Kairo, wo seine außerordentliche Beobachtungsgabe reichen Stoff zur Untersuchung fand. Nach seiner Rückkehr wurde er 1584 Marinearzt auf der Flotte des Andreas Doria, später Professor der Botanik an der Universität zu Padua. Er starb daselbst 5. Febr. 1617. In seinem berühmten Werk "De plantis Aegypti" (Pad. 1592, 2. Aufl. 1640, mit Holzschnitten) werden über 50 damals unbekannte Pflanzen, unter ihnen der Kaffeebaum (die ersten genauern Nachrichten über diesen), eingehend beschrieben. Außerdem schrieb er: "De plantis exoticis" (hrsg. von seinem Sohn, Vened. 1627); "Historia naturalis Aegypti" (Leid. 1735, 2 Bde.); "De medicina Aegyptiorum" 2. Aufl., Par. 1645); "De praesagienda vita et morte aegrotantium" (Pad. 1601; hrsg. von Boerhaave, Leid. 1710); "De medicina methodica" (Pad. 1611). "Opera posthuma" erschienen in 2 Bänden (Leid. 1735).

Alpirsbach, Stadt im württemberg. Schwarzwaldkreis, Oberamt Oberndorf, an der obern Kinzig im Schwarzwald, hat eine alte Kirche im romanischen Stil (1095 gegründet, zum ehemaligen Benediktinerkloster gehörig), Wollspinnerei, Strohmanufaktur und (1880) 1321 ev. Einwohner. In der Nähe liegt der Luftkurort Krähenbad. Vgl. Glatz, Geschichte des Klosters A. (Straßb. 1877).

Alpkraut, s. Eupatorium.

Alpnach, Ort im schweizer. Kanton Unterwalden, mit (1880) 1679 Einw., liegt in der Nähe der Alpnacher Bucht, eines Golfs des Vierwaldstätter Sees. In dem nahen Alpnach-Gstad landen die Dampfschiffe, welche dem großen Touristenzug zwischen Luzern und dem Berner Oberland dienen (s. Brünig). Wo die Dampfer in den verborgenen Seearm eintreten, bei Stansstad, passieren sie unter einer Zugbrücke, die dort das schmale Gewässer überspannt.

Alpranke, s. Solanum.

Alpujarras (spr. -chárras), Name aller der Thäler, welche sich auf der Südseite der Hauptkette der Sierra Nevada in Südspanien befinden. Man unterscheidet dabei die westlichen oder hohen A., zwischen dem Hauptgebirge und den beiden längsten Sekundärketten, und die östlichen A., welche den Südabhang der östlichen Gebirgshälfte durchfurchen und sich in die weiten Bassins von Ujijar und Canjayar öffnen. Diese Thäler zeichnen sich dadurch aus, daß sie in ihrem obersten Teil am weitesten sind und, je weiter sie sich von der Hauptkette entfernen, desto enger und unzugänglicher werden. Alle endigen nach oben zu mit teils flachen, teils von Felsenmauern umgürteten Alpenmulden mit zahllosen Quellen. Solche Weiden und Matten heißen Borreguiles (d. h. Weideplätze für Lämmer). Hoch oben befinden sich, namentlich an den südlichen Gehängen, tiefe, klare Alpenseen in einer Höhe von ca. 3000 m. Die Vegetation der A. steigt von hier aus den alpinen Formen durch alle Stufen und Klimate bis zum tropischen Gestade, wo in einem wahrhaft afrikanischen Klima alle Früchte des Südens, selbst Dattelpalmen und Zuckerrohr, gedeihen. Unter den Bewohnern der A., welche sich mit Schafzucht, Wein- und Fruchtbau sowie in der Sierra de Gador mit etwas Bergbau auf Blei, Antimon und Silber beschäftigen, finden sich noch Nachkommen von Mauren. Auch der Name A. (al Buscherat, "Grasplatz") stammt aus der maurischen Zeit.

Alqueire, Hohlmaß für Getreide, Salz, Kalk, Kohlen und andre trockne Dinge, in Portugal bis 1862 und in Brasilien bis 1873; in Lissabon = 13,841 Lit. 100 Alqueires von Lissabon = 79¼ von Oporto. In Rio de Janeiro war 1 A. = 40 L., in Bahia = 31,142 L.

Alquifoux (franz., spr. -kifuh; arab. Alquifuz, Töpfer-, Glasurerz), Bleiglanz oder ein bei der hüttenmännischen Aufbereitung desselben entfallendes, aus Bleioxyd, Bleiglanz und Silikaten bestehendes Produkt, wird gemahlen und zur Glasur geringer Töpferwaren benutzt.

Alraun, in der deutschen Mythologie ein weissagender, dämonischer Geist, dann ein kleines, halbteuflisches Wesen in Menschengestalt, welches den Besitzer reich machen sollte (auch Galgenmännlein genannt). Über das wunderbare Entstehen desselben vgl. Schwartz, Poetische Naturanschauungen, Bd. 2 (Berl. 1879). Mit dem Namen A. bezeichnete man dann auch die Wurzel, aus der man den A. sollte schneiden können; s. Mandragora.

Alraun, wilder, s. Lauch.

Alrune (von runa, "Geheimnis", s. v. w. der Geheimnisse kundig), bei den alten Deutschen und Skandinaviern Name wahrsagender "weiser" Frauen, die sogar auf die öffentlichen Angelegenheiten großen Einfluß ausübten.

Alsatia, lat. Name des Elsaß (franz. Alsace).

Alse (Alose, Alosa Cuv.), Fischgattung aus der Ordnung der Edelfische und der Familie der Heringe (Clupeoidei), Fische mit seitlich zusammengedrücktem Leib, schneidiger, sägeförmig gezähnelter Bauchkante und sehr feinen, spitzigen, leicht abfallenden Zähnen. Der Maifisch (Mutterhering, A. vulgaris Cuv.), über 60 cm lang, 2,5 kg schwer, auf dem Rücken metallisch glänzend olivengrün, an den Körperseiten schön goldglänzend, mit dunkeln Flecken am obern Winkel der weiten Kiemenspalte und schwärzlich getrübten Flossen, lebt in allen europäischen Meeren in ziemlicher Tiefe, wandert im Mai, je nach der Temperatur auch früher oder später, nahe der Oberfläche des Wassers geräuschvoll dahinziehend, in die Flüsse, um zu laichen, kehrt aber bald zurück, während die Jungen erst im nächsten Jahr auswandern. Die Nahrung besteht aus kleinen Fischen und Krebstieren; der zur Laichzeit in den Flüssen weilende Fisch frißt nicht. Sein Fleisch ist vortrefflich; er wird eingesalzen namentlich nach Spanien, Portugal und Italien gebracht und kommt auch geräuchert im Handel vor. Die Finte (A. Finta Cuv.), 45 cm lang, 1 kg schwer, an der Seite gefleckt und besonders durch die weniger zahlreichen und dicken Fortsätze auf der ausgehöhlten Seite der Kiemenbogen vom vorigen unterschieden, findet sich in denselben Meeren wie der Maifisch, gleicht demselben auch in der Lebensweise, steigt aber erst im Juni in die Flüsse; ihr Fleisch ist übelriechend und nicht wohlschmeckend. Der Shad (A. praestabilis Pet.), dem Maifisch sehr ähnlich, ist an der ganzen Ostküste von Nordamerika verbreitet, steigt bis ins Quellgebiet der Flüsse und wird nur durch Wasserfälle und Wehre aufgehalten. Die Erbauung von letztern hat eine teilweise fast vollständige Verödung der amerikanischen Flüsse herbeigeführt; seit 1867 ist aber der Shad mit so großem Erfolg gezüchtet worden, daß der frühere Reichtum wiederhergestellt werden dürfte. Da der Fisch sich nie weit von der Mündung