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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Amadeussee; Amadia; Amadinen

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Amadeussee - Amadinen.

und leitete von der klösterlichen Zelle aus alle wichtigen Staatsgeschäfte. Im J. 1439 vom Baseler Konzil statt des abgesetzten Eugen IV. zum Papst erwählt, zog er 24. Juni 1440 als Felix V. in Basel ein und wurde 24. Juli gekrönt. Da er aber nur von wenigen Fürsten anerkannt wurde und das Ansehen des Konzils mehr und mehr sank, legte er seine Würde vor dem von ihm nach Lausanne verlegten Konzil 1449 nieder, nachdem der neue Papst, Nikolaus V., die von A. erlassenen Gesetze genehmigt und diesen selbst als Kardinallegaten des heiligen Stuhls in den savoyischen Ländern, in Basel, Straßburg etc. anerkannt hatte. A. kehrte hierauf in seine Einsiedelei nach Ripaille zurück und starb 7. Jan. 1451 in Genf. Fest, friedliebend und mild, wurde er wegen seiner Klugheit der "Salomo des Jahrhunderts" genannt.

5) A. IX. (VIII.), der Glückliche, Sohn des Herzogs Ludwig, geb. 1. Febr. 1435, trat 1465 die Regierung an. Er unterstützte König Ludwig XI. von Frankreich gegen Johann von Bourbon und die Ligue der öffentlichen Wohlfahrt. Einen Krieg mit Montferrat und Mailand beendigte Philipp von Savoyen, Graf von Bresse, 1467 durch einen vorteilhaften Frieden, worauf A. 1468 ein zehnjähriges Schutzbündnis mit Venedig abschloß. Von epileptischen Zufällen heimgesucht, übertrug er 1469 die Regentschaft seiner talentvollen, aber leidenschaftlichen Gemahlin Jolantha, Ludwigs XI. Schwester; die unzufriedenen Brüder des Herzogs, Philipp von Bresse an der Spitze, überfielen 1471 das feste Schloß Montmeillan und nahmen A. gefangen. Im Frieden zu Chambéry erhielten die Prinzen Anteil an der Regierung; Jolantha aber blieb bis zur Ernennung eines Statthalters im Besitz der höchsten Gewalt. Bald nach dem Abschluß dieses Friedens starb A. 16. April 1472 in Vercelli. Wichtig war sein Testament vom 10. Sept. 1470, welches die Primogeniturerbfolge nochmals feierlichst sanktionierte.

6) A. I., Ferdinand Maria, Herzog von Aosta, Exkönig von Spanien, geb. 30. Mai 1845 als zweiter Sohn des Königs Viktor Emanuel von Italien, nahm, in Turin erzogen, 1859 an dem Kriege gegen Österreich teil, focht 1866 bei Custozza, wo er leicht verwundet wurde, und stieg später zum Generalleutnant und in der Marine zum Konteradmiral auf. Im J. 1867 vermählte er sich mit der Prinzessin Maria dal Pozzo della Cisterna (geb. 9. Aug. 1847, gest. 8. Nov. 1876), die ihm drei Söhne gebar. Als nach dem Sturz der spanischen Bourbonen die Unterhandlungen der spanischen Regierung mit A.' Vetter, dem Prinzen Thomas von Savoyen, sowie die mit dem Prinzen Leopold von Hohenzollern und endlich die mit Espartero wegen Übernahme der Krone sich zerschlagen hatten, wurde 16. Nov. 1870 A. mit 191 von 311 Stimmen von den Cortes zum König von Spanien gewählt, nahm 4. Dez. zu Florenz die ihm durch eine Deputation der Cortes überbrachte Krone an, hielt 2. Jan. 1871 seinen Einzug in Madrid und leistete vor den Cortes den Eid auf die Verfassung, unter übeln Anzeichen, denn wenige Tage zuvor (30. Dez.) war General Prim, dem er die Krone verdankte, durch Meuchelmord gefallen. Das zwanglose, alle Etikette beseitigende Auftreten A.' stieß den Adel ab, machte jedoch bei dem Volk guten Eindruck. Dennoch gelang es dem jungen König nicht, eine sichere Grundlage für seine Regierung zu gewinnen; streng konstitutionell verfahrend, wechselte er sein Ministerium oft, ohne daß es ihm gelang, mit irgend einer der einander erbittert bekämpfenden Parteien eine dauernde Regierung zu begründen. Einen Gewaltstreich zur Befestigung seines Throns verschmähte er, um nicht seinen Eid zu verletzen, dankte daher 11. Febr. 1873 ab und kehrte über Portugal nach Italien zurück, wo er wieder in seine Rechte als königlicher Prinz eingesetzt wurde und später auch einige Zeit das Kommando des 7. Armeekorps in Rom übernahm.

Amadeussee, ein ungeheurer Salzsee oder Salzsumpf im Innern von Australien, südlich vom Wendekreis des Steinbocks, zum größern Teil auf südaustralischem, zum kleinern auf westaustralischem Gebiet. Der See ward 1872 von Giles entdeckt und benannt; seine südlichen Ufer, welche die Petermannkette begrenzt, erforschte derselbe 1874.

Amadia (Amadieh), Stadt im türk. Armenien, ehemals Hauptstadt der Zebarrikurden, nördlich von Mosul, auf hohem Felsen, ist der Hauptmarkt für den Handel mit Galläpfeln.

Amadinen (dickschnäbelige Prachtfinken, Spermestes), Vögelgruppe aus der Ordnung der Sperlingsvögel, der Familie der Webervögel (Ploceidae) und der Unterfamilie der Prachtfinken (Spermestinae), kleine, gedrungen gebaute, mehr oder weniger kurzschwänzige und kurzflügelige Vögel mit starkem, dickem, auf der Firste meist gewölbtem, an den Schneidenrändern mehr oder weniger eingezogenem, wohl auch ausnahmsweise gestrecktem Schnabel, verhältnismäßig hohen und kräftigen Füßen und glattem, in der Regel etwas derbem, bei den verschiedenen Geschlechtern meist, wenn auch nicht immer gleich gefärbtem Gefieder. Sie leben in Afrika, Südasien und Australien vorzugsweise in Steppen, Getreide- und Zuckerrohrfeldern, sind Körnerfresser und brüten zu Anfang des Frühlings ihrer Heimatsländer; sie bauen ein überwölbtes Nest, mit seitlichem Eingang und legen 3-6 rein weiße Eier. Die Brutzeit dauert 13-15 Tage, das Wachstum der Jungen bis zum Verlassen des Nestes 15-20 Tage, und 5-8 Tage später sind die Jungen selbständig. Die A. kommen seit dem vorigen Jahrhundert nach Europa und werden wegen ihres ansprechenden Wesens und der Leichtigkeit, mit welcher sie zu erhalten und größtenteils zur Brut zu bringen sind, als Stubenvögel hochgeschätzt, obwohl ihnen ein wirklicher Gesang versagt ist. Sie sind höchst gesellig, und besonders das Pärchen thut alles gemeinschaftlich; sie entwickeln eine große Lebendigkeit, sitzen aber auch stundenlang unbeweglich dicht aneinander gedrängt. Man füttert sie mit weißer Hirse und Kanariensamen, reicht dazu Grünzeug, Mehlwürmer oder ein Weichfutter und läßt es auch an Sepia nicht fehlen; zur Aufzucht der Jungen ist besonders tierische Nahrung erforderlich. Die Erzamadine (kleines Elsterchen, Kappenfink, Spermestes cucullata Swsn., s. Tafel "Stubenvögel"), im tropischen Afrika, ist äußerst munter, ausdauernd, nistet leicht, sehr beliebt. Das zweifarbige Elsterchen (Doppelfarb, S. bicolor Fras.), in Westafrika, sehr schön gefärbt und ebenso empfehlenswert wie das kleine Elsterchen, ausdauernd, nistet schwierig. Das Bronzemännchen (gestreiftes Elsterchen, S. striata L.), überaus häufig an der Malabarküste, auch auf Ceylon, ausdauernd, seltener im Handel, vertritt seit uralten Zeiten in Japan unsern Kanarienvogel und wird in den verschiedensten, auch ganz weißen Spielarten gezüchtet. Der Silberschnabel (Silberfasänchen, S. cantans Gml.), in Mittelafrika, ist äußerst beweglich, läßt sein Liedchen leise zwitschernd ununterbrochen ertönen; ausdauernd, nistet leicht. Das Malabarfasänchen (S. malabarica L.), in Indien und auf Ceylon, dem vorigen sehr ähnlich, paart sich mit demselben äußerst