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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Amalrich von Bena; Amalteo; Amalthea; Amana; Amandine; Amant; Amanuénsis; Amanus; Amanvillers; Amapola

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Amalrich von Bena - Amapola.

von Sachsen, geb. 10. Aug. 1794, gest. 18. Sept. 1870 in Dresden, veröffentlichte seit 1829 teils anonym, teils unter dem Pseudonym Amalie Heiter eine große Zahl von Lustspielen und Familiendramen, unter denen einige, wie: "Der Oheim", "Die Fürstenbraut", "Das Fräulein vom Lande", "Der Landwirt", "Der Majoratserbe", auf vielen deutschen Bühnen mit Beifall aufgeführt worden sind. Von äußerster Einfachheit in der Komposition, ohne die Würze des Effekts und selbst ohne die des Kontrastes, üben sie durch die sorgfältige Charakterzeichnung, durch die Feinheit einzelner Züge und die milde und harmonische Anschauung aller Lebensverhältnisse eine angenehm unterhaltende Wirkung aus. Sie erschienen unter dem Titel: "Originalbeiträge zur deutschen Schaubühne" (Leipz. 1836-44, 7 Bde.; neue vollständige, auf Veranlassung des Königs Johann durch R. Waldmüller-Duboc besorgte Ausgabe, das. 1873, 6 Bde.). Die musikalischen Kompositionen sind nicht im Druck erschienen. Von ihren Operetten wurde "Die Siegesfahne" im Dresdener Hoftheater gegeben, die andern gelangten nur im Privatzirkel der königlichen Familie zur Aufführung. Vgl. Fürstenau, Die musikalischen Beschäftigungen der Prinzessin A. (Dresd. 1874); Waldmüller, Aus den Memoiren einer Fürstentochter (das. 1882).

4) Marie A., Gemahlin Ludwig Philipps, Königs der Franzosen, Tochter des Königs Ferdinand I. (IV.) beider Sizilien, geb. 26. April 1782, vermählte sich 25. Nov. 1809 mit Ludwig Philipp, Herzog von Orléans, obwohl derselbe damals ein Verbannter war und kaum hoffen durfte, jemals in sein Vaterland zurückzukehren, geschweige den dortigen Thron einnehmen zu können. Sie lebte mit dem Gatten in glücklicher Ehe, ohne sich in die politischen Angelegenheiten zu mischen. Nach dem Sturz ihrer Familie im Februar 1848 floh sie mit ihrem Gemahl nach England und starb, seit 1850 verwitwet, 24. März 1866 in Claremont bei London.

5) Königin von Griechenland, geb. 21. Dez. 1818, Tochter des Großherzogs August von Oldenburg, ward 22. Nov. 1836 mit dem König Otto von Griechenland vermählt, erlangte durch ihre Schönheit und Willenskraft in Griechenland großen Einfluß, bemühte sich auch, ihren Gemahl zu thatkräftigem Unternehmungsgeist anzuspornen, vermochte aber auf die Dauer den wankenden Thron nicht zu halten, um so weniger, da sie keinen Erben gebar und über die Wahl eines Nachfolgers mit ihrem Gemahl in Streit geriet, indem sie einem Oldenburger Prinzen, nicht einem Wittelsbacher die Krone zuwenden wollte. Nach Ottos Vertreibung (1862) lebte sie mit ihm in Bamberg, wo sie, seit 1867 Witwe, 20. Mai 1875 starb.

Amalrich von Bena, angesehener Lehrer der Theologie zu Paris und bedeutender Vertreter des Pantheismus, gebürtig von Bena bei Chartres. Sein von seinem Schüler David von Dinant (s. d.) weiter ausgebildetes System beruht auf der substantiellen Einheit des Kreatürlichen mit dem Göttlichen, welches nur in irdisch-sinnlicher Form erscheint (was das Abendmahl versinnbildlicht). Die Menschwerdung, in Christo noch unvollkommen, ward in A. und den Seinigen vollendet. Es bedarf keiner äußern Kirche, keines äußern Gottesdienstes. Alles, was der Gottesmensch thut, ist rein und ohne Sünde etc. A. wurde von der Universität Paris und von Innocenz III. verdammt (1207), widerrief und starb 1209. Eine Synode zu Paris aber verurteilte seine Anhänger zum Feuertod und ließ selbst Amalrichs ausgegrabene Gebeine verbrennen.

Amalteo, Pomponio, ital. Maler, geb. 1505 zu San Vito in Friaul, starb 1584 daselbst. Ohne ein besonderes Genie zu sein, beweist der Künstler in seinen Schöpfungen ein fleißiges Nachahmen seines Lehrers Pordenone, dessen grandiose Art in der Formengebung allerdings bei dem Schüler bisweilen übertrieben und nur äußerlich erfaßt erscheint. Auch scheint ihm Tizian als Vorbild gedient zu haben. 1533 und 1534 malte er im Dom zu San Vito mehrere große Heiligenfiguren, im Stadthaus zu Ceneda biblische und römische Geschichtsbilder. Trotz mannigfacher Verstöße gegen die Richtigkeit der Zeichnung und trotz der Mängel des Kolorits sind seine Gemälde in Santa Maria de' Battuti zu San Vito als verdienstlich anzuerkennen; andre Arbeiten von ihm sind in Prodolone und im Dom von Udine. -

Auch sein Bruder Girolamo und seine Tochter Quintilia widmeten sich der Kunst; jener lieferte kunstreiche Miniaturen, diese auch plastische Werke.

Amalthea, in der griech. Mythologie die "Nährerin" des Zeus, nach einigen eine Ziege, welche den neugebornen Gott auf Kreta säugte und dafür unter die Sterne versetzt wurde (Capella), nach andern eine Nymphe, die ihn mit der Milch einer Ziege aufnährte und von dem kretischen König Melisseus abstammen sollte. Zeus gab das eine ihrer Hörner den Töchtern des Melisseus mit dem Versprechen, sie würden jederzeit darin finden, was sie wünschten. So ward das Horn der Nährziege (cornu Amaltheae oder copiae) zum Sinnbild des Überflusses (Füllhorn). Der Name A. diente auch öfters als Titel von Sammelwerken etc.

Amana, s. Chrysorrhoas.

Amandine, s. Emulsinen.

Amant (franz., spr. amang), Liebhaber.

Amanuénsis (lat.), Handlanger, Gehilfe; bei den spätern Römern der Amtsname der Sklaven, deren man sich in vornehmen Häusern zur Besorgung des Rechnungswesens, zu wissenschaftlichen Beschäftigungen, zum Schreiben, Vorlesen etc. bediente; jetzt auf Universitäten s. v. w. Famulus (s. d.).

Amanus, im Altertum Name des Gebirgszugs in Syrien, welcher sich vom Taurus nach S. längs des Golfs von Alexandrette (Issos) hinzieht, über 2000 m Höhe erreicht und im SW. mit dem schroff abfallenden, 1600 m hohen Vorgebirge Ras el Chanzyr (Promontorium Rhosicum) endet. Sein jetziger Name ist Gjaur Dagh. Über ihn führen zwei berühmte Pässe, die Pylae Amanides, nordöstlich vom alten Issos, und die Pylae Syriae (jetzt Paß von Bailan genannt), im S. von Alexandrette, welche die einzige Verbindung zwischen Syrien und Kleinasien bilden. Durch den letztern Paß drangen im Altertum Alexander d. Gr., im Mittelalter die Kreuzfahrer in Syrien ein.

Amanvillers (spr. amangwilähr, jetzt Amanweiler), Schlacht bei, in Frankreich übliche Bezeichnung der Schlacht bei Gravelotte 18. Aug. 1870, nach dem Dorf A. zwischen St.-Privat und Gravelotte, wo das 4. französische Korps (L'Admirault) stand.

Amapola, Hafenstadt an der Südseeseite des zentralamerikan. Freistaats Honduras, auf der Insel Tigre in der Fonsecabai (auch Golf von A. genannt) gelegen, ein erst 1838 gegründeter Ort mit 1000 Einw., der, seitdem er 1. Febr. 1868 zum Freihafen erklärt worden, sich schnell gehoben hat und bei seinem gesunden Klima und vorzüglichen, für die größten Schiffe zugänglichen Hafen einer bedeutenden Zukunft entgegengeht. Er bringt Farb- und Schmuckhölzer, Tabak, Sassaparille, edle Metalle etc. aus Honduras sowie Indigo aus San Salvador zur Ausfuhr.