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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ama-Zulu; Amba; Ambacht; Ambak; Ambalema; Ambarvalia; Ambassade

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Ama-Zulu - Ambassade.

zonenstroms an Ausdehnung übertrifft. Mit der Üppigkeit und Fülle der tropischen Vegetation der Uferlandschaften harmoniert diejenige der die Flußkanäle, Sümpfe und Seen bedeckenden Wasserpflanzen wie nicht minder der unvergleichliche Reichtum des Stroms an Wassertieren. Delphine und andre Waltiere, Alligatoren, Flußschildkröten, namentlich aber Fische, von denen Agassiz über 2000 Arten im A. fand, also fast doppelt soviel, als man im ganzen Atlantischen Ozean kennt, beleben den Riesenstrom und bilden den Gegenstand einer ausgedehnten Jagd und eines außerordentlich ergiebigen Fanges. Bewohnt sind die Ufer bis jetzt noch sparsam, größtenteils von zivilisierten Indianern und Mischlingen derselben; doch sind in neuester Zeit, seitdem Dampfer den Strom befahren, verschiedene neue Ortschaften entstanden. Allerdings bieten namentlich die klimatischen Verhältnisse der Kolonisation dieser Gebiete große Schwierigkeiten.

Die Schiffahrt auf dem A. ist, da östliche Luftströmungen durch die ganze Länge des Thals aufwärts vorherrschen, selbst für Segelschiffe nicht beschwerlich; für Dampfboote ist kein andrer Strom der Erde so wohlgeeignet wie der A., der bis zu den Kordilleren hinauf eine genügende, durch kein Hindernis gehemmte Fahrtiefe besitzt, und auch in seinen Nebenflüssen auf weite Strecken hinauf für große Schiffe befahrbar ist. Von Bedeutung für den Aufschwung derselben war der Vertrag zwischen Brasilien und Peru vom 23. Oktober 1851, durch welchen sich beide Staaten zur Unterstützung einer Dampfschiffahrtsgesellschaft auf dem A. verbindlich machten, mehr aber noch, daß 7. Sept. 1867 von brasilischer Seite die Schifffahrt auf dem Strom bis zur peruanischen Grenze für die Handelsflaggen aller Nationen freigegeben wurde. Bolivia, Peru und Kolumbien haben bereits begonnen, ihre Verkehrslinien mit dem Amazonenstromsystem in Verbindung zu setzen. Landstraßen und Eisenbahnen sind in Angriff genommen und zum Teil schon ausgeführt, um die Stromschnellen und Katarakte der Zuflüsse zu umgehen, den meist schiffbaren Oberlauf derselben mit dem Unterlauf zu verbinden und so Handelswege bis ins Herz jener Weststaaten hinein zu eröffnen. Infolgedessen hat sich der Verkehr bereits bedeutend gehoben und geht ohne Zweifel einem großartigen Aufschwung entgegen, da die Waldungen des Gebiets nicht nur eine wunderbare Fülle kostbarer Produkte enthalten und der jungfräuliche Boden Kaffee, Kakao, Zucker und Baumwolle in größter Menge erzeugt, sondern auch das Andengebiet mit seinen Reichtümern an Mineralien und Herden zum größten Teil im Bereich des Amazonenstroms liegt. Gegenwärtig bilden noch Waldprodukte, besonders Brasilnüsse, Kautschuk, Sassaparille und Schildkrötenöl (Manteca), neben Erträgnissen des Fischfanges und der Jagd die wichtigsten Exportartikel. Hauptausfuhrhafen für das ganze Flußgebiet ist die brasilische Stadt Pará an der Mündung des Rio Pará (Tokantins), die in regelmäßiger Dampfschiffsverbindung mit Liverpool und Havre, New York und Rio de Janeiro steht. Die Länge der von brasilischen Dampfern befahrenen Wasserwege betrug 1873 bereits 9900 km, und mehr als 50 Dampfschiffe, zum Teil von 1100 Ton. Last (im Besitz mehrerer Gesellschaften), vermitteln gegenwärtig den Verkehr der verschiedenen Ortschaften des Innern mit dem Hafen Pará, woselbst sich die Ein- und Ausfuhrwerte von 1850 bis 1880 von 62 Mill. auf 65 Mill. Mk. vermehrt haben. Als wichtigste Verkehrsader des unermeßlich reichen zentralen Südamerika, zugleich als Verbindungsweg des Westens und Ostens des Kontinents ist nach alledem die Bedeutung des Amazonenstroms eine außerordentliche.

Der A., von Orellana so benannt, weil er ihn von den Indianern am Parástrom Amassona ("Bootzerstörer") nennen hörte und daraus auf das Vorhandensein von Amazonen in dieser Gegend schloß, wurde 1499 von Vincent Pinzon an seiner Mündung, 1535 von den Spaniern an seiner Quelle entdeckt, aber erst 1544 von Orellana zum erstenmal ganz befahren. Im J. 1740 befanden sich an den Ufern des Stroms 40 Missionen mit 12,800 Bewohnern; bald nachher wurden die Jesuiten nach 130jähriger Arbeit aus Südamerika vertrieben, und die Früchte ihrer Bemühungen gingen gänzlich verloren. Die erste Beschiffung des Stroms, welche auch ein wissenschaftliches Resultat hatte, war die von La Condamine (1743 und 1744). Epochemachend waren Humboldts Fahrt auf dem A. (1799) und in unserm Jahrhundert die Reise von Spix und Martius (1819-20); die Namen Maw (1829), Pöppig (1831-32), Prinz Adalbert von Preußen (1842), Graf Castelnau (1846), Herndon (1850), Wallace (1852), Avé-Lallemant (1858), Markham (1859), Bates (1861), Marcoy (1866), Orton (1867), Agassiz (1866-67) u. a. schließen sich ruhmwürdig an. In den Jahren 1862-1864 ließ die brasilische Regierung durch eine besondere astronomisch-nautische Expedition im Anschluß an die französische Küstenaufnahme, die nur bis zur Tapajozmündung stromaufwärts reicht, eine vollständige Stromaufnahme ausführen. Auch die Erforschung der Seitenströme geht rastlos fort (durch Hartte, Chandleß, Abendroth u. a.). Vgl. Terjeira, Nuevo descubrimiento del gran Rio de las Amazonas (Madr. 1641, 4 Bde.); Herndon, Exploration of the valley of the Amazon (Washingt. 1853); Maury, The Amazon and the Atlantic slopes of South America (das. 1853); Wallace, Narrative of travels on the Amazon and Rio Negro (Lond. 1853); Bates, Der Naturforscher am A. (a. d. Engl. Leipz. 1866); Markham, Expedition into the valley of the Amazonas (Lond. 1859); Avé-Lallemant, Reise durch Nordbrasilien (Leipz. 1860, 2 Bde.); Marcoy, Voyage à travers l'Amérique du Sud (Par. 1869); Agassiz, A journey in Brazil (6. Aufl., Bost. 1868); Orton, The Andes and the Amazon (3. Aufl., Lond. 1877); Keller-Leuzinger, Vom A. und Madeira (Stuttg. 1875); Mathew, Up the Amazon and Madeira rivers (Lond. 1879); Andree, Geographie des Welthandels, Bd. 2 (Leipz. 1872).

Ama-Zulu, Kaffernstamm, s. Zulu. ^[richtig: Zululand.]

Amba, in Abessinien Name der tafelförmigen und steil abfallenden Felsenberge, welche als natürliche Festungen benutzt werden. Vgl. Abessinien, S. 34.

Ambacht, altdeutsch, s. v. w. Handwerk, auch Amt; daher Ambachtslehen, s. v. w. Amtslehen, Lehen, welche in einem dem Belehnten erteilten Amt bestanden. Die Besitzer solcher Lehen hießen Ambachtsleute; die daraus entspringenden Rechtsverhältnisse bildeten das Ambachtsrecht.

Ambak, s. Aedemone.

Ambalema, Stadt in der südamerikan. Republik Kolumbien, Staat Tolima, am Magdalenenstrom, westlich von Bogotá, mit (1870) 6039 Einw. In der Umgegend baut man den vorzüglichen Ambalematabak, der meist zu Zigarren verarbeitet wird.

Ambarvalia (lat.), Fest der röm. Landleute, s. Arvalische Brüder. ^[richtig: Arvalbrüder.]

Ambassade (franz., spr. angb-; v. spätlat. ambascia, "Dienstauftrag", das auf das althochdeutsche am-^[folgende Seite]