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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Amerika

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Amerika (Geologisches).

Uruguay, zusammengesetzt ist, welche, im südwestlichen Teil des brasilischen Gebirgssystems entspringend und einander sehr nahe nach S. abfließend, zuletzt zu einem Strom, dem Rio de la Plata (s. La Plata), vereinigt dem Meer zuströmen. Diese zusammenhängenden niedrigen Ebenen von Südamerika, die sich von Patagonien bis zum Antillenmeer auf der Ostseite der Andes ausbreiten, haben zusammen einen Flächeninhalt von ungefähr 11,343,000 qkm (206,000 QM.), wovon etwa 7,115,000 auf die des Amazonenstroms, 3,310,000 auf die des Rio de la Plata und von Patagonien und 918,000 auf die des Orinoko kommen mögen. Die übrigen kleinern Ebenen, wie die von Guayana, die des Magdalenenstroms und die von Chile, Bolivia, Peru an der Westküste, nehmen zusammen einen Flächenraum von ungefähr 881,000 qkm (16,000 QM.) ein.

Geologische Übersicht.

Von keinem Teil der Erde ist die Kenntnis des geognostischen Baues des Landes ungleicher als von A. Während große Landstriche noch von keines wissenschaftlichen Forschers Fuß betreten wurden, kennen wir viele Teile, namentlich der Vereinigten Staaten von Nordamerika, bis ins Detail. Weisen die tief eingeschnittenen, vorgebirgs- und halbinselreichen Küsten, die zahlreichen selbständigen Fluß- und Gebirgssysteme Europas auf einen sehr verwickelten Bau dieses Kontinents hin, so läßt sich aus der großartigen Einfachheit der Oberflächenverhältnisse Amerikas auf dessen weniger komplizierte geologische Zusammensetzung schließen. Hier werden, wie Ratzel hervorhebt, die Beziehungen zwischen geologischem Aufbau, Bodengestalt und Umriß greifbar, und in der Aneinanderreihung der aufeinander folgenden Formationen tritt uns die Bildungsgeschichte, das allmähliche Hervor- und Zusammenwachsen namentlich des nordamerikanischen Festlands mit größter Deutlichkeit entgegen. Mit Recht sagt Dana: "A. hat die Einfachheit eines einfach entwickelten Resultats, während Europa eine world of complexities ist". In den getrennten Gebirgsgliedern des amerikanischen Ostens herrschen die kristallinischen Gesteine meist in Verbindung mit vorjurassischen, überwiegend paläozoischen Bildungen vor; Melaphyre und andre sogen. Trappgebilde sind die Eruptivbildungen dieser Gebiete, alle jüngere vulkanische Thätigkeit ist dem Osten des Festlands fremd. Ganz verschieden ist der Westen desselben gebildet; an der Bildung der Kordilleren nimmt nicht allein kristallinisches, paläozoisches und triassisches Gestein teil, sondern auch jüngere Sekundärbildungen aus der Jura- und insbesondere der Kreide- und Tertiärzeit bedecken große Flächen. Die vulkanische Thätigkeit setzt sich bis in die gegenwärtige Zeit fort. Porphyreruptionen in der sekundären Zeit, trachytische und basaltische in der Tertiärzeit, mächtige vulkanische Auswurfsmassen und Laven der Jetztzeit nehmen den wesentlichsten Anteil an der Zusammensetzung der Kordilleren; ja, fast alle Hochgipfel des Erdteils, die sämtlich dem Westen angehören, sind Produkte dieser spätern Eruptionsthätigkeit, nicht wenige dieser Hochgipfel noch gegenwärtig thätige Feuerberge. Die weiten Ebenen, welche die getrennten östlichen Gebirge Südamerikas von den Kordilleren trennen, bestehen aus Tertiär- und Diluvialbildungen, nur im Bereich der Küsten und der großen breiten Stromthäler aus jüngern Alluvionen, während in Nordamerika, wo im O. die paläozoischen Bildungen, im W. die kristallinischen Gebirgsmassen in großartigster Entwickelung auftreten, bloß ein relativ schmaler Strich mit mächtigen Entblößungen zerstückelter Kreide- und Tertiärbildungen den Osten und Westen des Landes, von den Prärien von Texas an bis zum Saskatschawan und vielleicht noch weiter nach N. fortsetzend, trennt. Im S. und N. des Kontinents erheben sich einzelne Gebirgs- und Berginseln, aus ältern kristallinischen und paläozoischen Gesteinen zusammengesetzt, aus den jüngern Ablagerungen der Ebenen, so die Sierren von Cordova und Tucuman aus den Ebenen des La Plata, die Sierra von Solano aus den Ebenen des Japure, die Sierra von San Saba in Texas, die Black Hills und Three Peaks im obern Missourigebiet.

Versuchen wir, uns in großen Zügen ein Bild von dem geologischen Bau und der Entwickelungsgeschichte zunächst Nordamerikas zu entwerfen (vgl. dazu die "Skizze eines idealen Durchschnitts durch Nordamerika" auf der Tafel bei "Geologische Systeme"). In großartiger Entwickelung treten zunächst die Bildungen urältester Sedimentgesteine der azoischen Formationsgruppe, laurentische Gneise und huronische Schiefer, auf. Die erstern sind repräsentiert durch die verschiedensten Gneisvarietäten und umschließen Lager von Granit, Syenit, von Glimmer- und Hornblendeschiefer, von Serpentin, kristallinischen Kalksteinen und Eisenerzen. Die huronische Schieferformation ist durch Glimmer-, Thon-, Talk- und Chloritschiefer mit Einlagerungen von Itakolumit, Quarzit, Kalkstein und Konglomeraten vertreten. Die Urgesteine treten besonders in drei Hauptzonen auf. Zunächst bilden sie die Basis und gleichsam das Gerippe der beiden Haupterhebungssysteme des Kontinents im W. und O. Der östliche oder atlantische Zug der Urgesteine, welcher die ganze Gebirgsregion der östlichen Staaten beherrscht, zieht sich in der imposanten Hauptkette des appalachischen Systems in einer Länge von etwa 2100 km ununterbrochen, nur hier und da durch enge Querthäler eingekerbt, von dem bergigen Hügelland des nördlichen Georgia durch die beiden Carolinas und die übrigen atlantischen und neuenglischen Staaten. Als Kern oder als Gerüst des Gebirges treten die Urgesteine weiter in der Kordillerenzone auf. Zwei Hauptzüge heben sich besonders hervor, ein östlicher, der dem Felsengebirge und seinen südlichen Ausläufern entspricht, und ein westlicher, der mit der Sierra Nevada und deren nördlicher Fortsetzung, dem Kaskadengebirge, zusammenfällt. Überall, wo diese Gebirge sich zu wirklichen Hochgebirgsgipfeln erheben, da treten auch jene Urgesteine auf. Zwischen den beiden Hauptzügen liegt ein wahrer Archipel von Gneis- und Granitinseln, welche aus der Decke der das "große Becken" des Kordillerenhochlands überkleidenden Tertiärschichten hervorragen. Eine Verbindung gewissermaßen zwischen der atlantischen und pazifischen Urgesteinszone bildet die dritte nördliche. Die laurentisch-huronische Gesteinszone der Alleghanies steht mit dieser am untern Lauf des St. Lorenzstroms in fast direktem Zusammenhang. Dieselbe erstreckt sich von hier aus in westlicher Richtung bis über die Quellen des Mississippi und vereinigt sich mit den von N. nach S. streichenden Gneisen der nördlichen Rocky Mountains-Region. Dieser nordischen Urgesteinszone entspricht die Bodenerhebung, welche gegenwärtig die Wasserscheide zwischen dem Mississippisystem und den arktischen Strömen bildet. Die östliche und südliche Hälfte von Labrador, Kanada nördlich vom St. Lorenz, das Innere des britischen Dominiums bis zum Arktischen Meer hin, die Inseln nördlich der Hudsonsbai fallen in den Bereich dieser nördlichen Urgesteinszone. Sie repräsentiert nach den Anschauungen der amerikanischen Geologen den