Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Amerika

469

Amerika (Klima).

sen Amerikas mit Europa-Asien pflegt man meist die einander gegenüberliegenden Küsten heranzuziehen und die geringere Wärme der Ostküste Nordamerikas gegenüber der Westküste Europas, das Zurückstehen z. B. der Temperatur von St. John's um 7,3° C. gegen das um mehr als einen Breitengrad nördlicher gelegene Paris hervorzuheben. Richtiger aber als die einander gegenüberliegenden und unter durchaus verschiedenen Einflüssen stehenden Gebiete vergleicht man die einander entsprechenden Teile der beiden Erdfesten. Dann zeigen sich europäische Anklänge auf der West- und ostasiatische auf der Ostküste Nordamerikas. Es ergibt sich, daß auf beiden Kontinentalräumen die Wärme am geringsten im Innern derselben ist, daß sie gegen die Küsten und zwar weit rascher gegen die West- als gegen die Ostküsten zunimmt, daß ferner Nordwestamerika immer noch kühler ist als Nordwesteuropa, Nordostasien wärmer als Nordostamerika, daß endlich die Wärmeabnahme gegen N. in Nordamerika eine bedeutend raschere ist als in Europa-Asien. In ähnlicher Weise zeigt die Westküste Südafrikas ebenso klimatische Homologien mit der Westküste Südamerikas, wie sie die entsprechenden Ostküsten zeigen. Die Ursachen dieser Erscheinung liegen in dem ungleichen Charakter der Meeresströmungen, welche die betreffenden Küsten bespülen, in der Konfiguration der Festlandsräume, in erster Linie aber in den Einwirkungen der atmosphärischen Strömungen, welche jene Gebiete beherrschen.

Durch sämtliche Klimazonen unsers Planeten, mit Ausschluß allein der südlichen kalten Zone, sich hindurch erstreckend, zerfällt A. in eine Anzahl natürlicher klimatischer Provinzen. Von ihnen gehören vier der Nordhälfte des Kontinents an. Die Provinz des Polarklimas umfaßt Grönland, den Arktischen Archipel, Labrador, die Hudsonsbailänder und Alaska. Nach S. reicht diese Provinz bis zu der Jahresisotherme von 0°, die infolge des Einflusses, welchen das den größten Teil des Jahrs unter einer Eisdecke starrende Polarmeer, die warmen Strömungen der West-, die kalten der Ostküste ausüben, im W. unter 60° nördl. Br. verläuft, sich aber gegen O. bis unter 50° nördl. Br. herabsenkt. Kalte Winter und kalte Sommer und demzufolge äußerst niedrige Jahrestemperaturen charakterisieren dieses Polarklima. Nur im W., in Alaska und am obern Mackenzie, macht sich der Einfluß des Kontinentalklimas geltend; die Sommer sind wärmer, und dem entsprechend reicht die polare Waldgrenze hier über den Polarkreis hinaus, während sie in den Hudsonsbailändern unter den 60. Parallelkreis hinabgeht. Nördliche Winde herrschen fast über dem ganzen Gebiet vor. Über die Menge und Verteilung der Niederschläge ist wenig bekannt. In dem gemäßigten Teil Nordamerikas, welcher von der Isotherme von 0° bis zu der von 20° reicht und den Hauptstamm des Kontinents umfaßt, lassen sich drei Längszonen unterscheiden. Der ersten, östlichen, gehört das Gebiet von der atlantischen Küste bis etwa 100° westl. L. v. Gr. an. Die Wärme nimmt von N. her rasch zu. An der Küste wechseln strenge kontinentale Winter mit kühlen ozeanischen Sommern, im Innern werden die Sommer heißer. Schroffe Wechsel der Temperaturen stellen sich ein, wobei namentlich die rauhen Nordwinde (nortes) bis zum Golf von Mexiko, ja bis Havana und Veracruz strengen Frost und Trockenheit bringen. Die Winde treten mit deutlicher Periodizität, monsunartig auf. An der Küste wechseln winterliche Nordwest- mit sommerlichen Südwestwinden, jenseit des Mississippi Nordwest- u. Nordwinde (im Winter) mit Südostwinden (im Sommer). Die Niederschläge nehmen in den atlantischen Staaten von N. nach S. zu, sie sind am bedeutendsten am Golf von Mexiko und verringern sich von da nach N. gegen das Ohiothal langsam, schnell dagegen in westlicher Richtung vom Mississippi. Fast das ganze Gebiet gehört der Waldregion an, nur jenseit des Mississippi beginnt mit der Verminderung der Niederschläge bald das Präriegebiet. In der zweiten Zone gewinnt der Steppencharakter gegen die Abhänge der Rocky Mountains immer mehr die Oberhand, bis sich schließlich in den Hochbecken des Westens echte Wüsten einstellen. Die Temperaturen werden immer exzessiver als im O., die Niederschläge verringern sich mehr und mehr, da die Ketten der Sierra Nevada und der Rocky Mountains der über sie gleitenden Luft die Feuchtigkeit mehr oder weniger vollständig entziehen. Die dritte Zone umfaßt das pazifische Küstengebiet von Alaska bis gegen 30° nördl. Br. nach S. Das Klima hat vielfache Ähnlichkeit mit demjenigen Westeuropas. Die kühle Meeresströmung, welche der Küste Oberkaliforniens entlang verläuft, verzögert die sommerliche Wärme, so daß das Wärmemaximum erst im September eintritt. Die Niederschläge sind im N. außerordentlich bedeutend, und zwar fallen sie vorwiegend auf den Herbst. Von 40° nördl. Br. an herrschen subtropische Winterregen bei trocknen Sommern vor. Letzterer Umstand sowie die geringen Temperaturschwankungen begünstigen den kalifornischen Weinbau.

In Mexiko, dem tropischen Mittelamerika und in Westindien folgen in vertikaler Richtung einander alle klimatischen Regionen bis zu der des ewigen Schnees. Die Regenzeiten stellen sich mit dem höchsten Sonnenstand ein, doch erhalten die östlichen Gehänge durch passatische Steigungsregen das ganze Jahr hindurch reiche Niederschläge; sie sind deshalb von oft undurchdringlichen Wäldern bedeckt, während die Westgehänge durch Abwechselung von Wald und Savannen einen parkähnlichen Charakter besitzen. In Südamerika bilden die Andes eine scharf markierte klimatische Scheide. Im O. derselben erstreckt sich das Tropengebiet bis gegen das nördliche Argentinien. In der Wärmeverteilung zeigen sich nur geringfügige Schwankungen. Die Regenzeiten fallen mit den Zenithalständen der Sonne zusammen. Ausgedehnte, den passatischen Anwehungen offenliegende Gebiete erhalten aber auch außerhalb der eigentlichen Regenzeit reichliche Niederschläge. Dies gilt namentlich von dem weiten Becken des Amazonas, das dadurch zur Urwaldregion par excellence ("Hyläa") wird. Nördlich und südlich vom Amazonasthal hemmen die Gebirge Brasiliens und Guayanas den Lauf der Passate, die deshalb als trockne Winde die Hinterlande jener Gebirge bestreichen und den Savannen- und Steppencharakter dieser Gebiete zur Folge haben. Das südlichste Brasilien, Argentinien und Patagonien fallen in das Gebiet der gemäßigten Zone. Der Südostpassat beherrscht diese durch heftige Luftbewegungen ausgezeichneten Landstriche, unterbrochen zeitweise nur von dem gefürchteten, stürmisch auftretenden Pampero, einem kalten Südwestwind, oder dem Sondo, einem heißen, aus den überhitzten Steppen des Innern herwehenden Nordwind. Das pazifische Litorale Südamerikas zergliedert sich in vier klimatische Provinzen. Im N. bis gegen 4° südl. Br., bis zum Golf von Guayaquil hin, nimmt es in seinem klimatischen Verhalten teil an dem Tropengebiet Mittel- und Südamerikas. Von der genannten Breite aber gegen S. bis etwa unter 30° südl. Br. dehnt sich ein regenarmes, in der Atacama sogar fast regenloses Wüsten-^[folgende Seite]