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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Amerikanische Altertümer

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Amerikanische Altertümer (Mounds etc.).

häufig finden sich diese Kjökkenmöddings an der pazifischen Küste Nordamerikas, vermischt mit Knochenwerkzeugen, steinernen Pfeilspitzen, Steinhämmern und zuweilen selbst menschlichen Knochenteilen. Ganz ähnliche Ablagerungen sind ferner in Nicaragua, im Mündungsgebiet des Orinoko, in Guayana, namentlich aber in Brasilien (Sambaqui) nachgewiesen sowie endlich auch an den Ufern der größern Flußläufe und Binnenseen.

Sehr charakteristisch sind die Mounds, meist regelmäßig angelegte, aus Steinen und Erdreich errichtete Wälle oder Hügel von kreisrunder, ovaler, viereckiger, zuweilen auch vieleckiger oder dreieckiger Gestalt. Sie finden sich bald unregelmäßig zerstreut, bald reihenweise geordnet und besitzen eine Höhe von wenigen Zentimetern bis zu 30, in einzelnen Fällen sogar bis nahezu 100 m bei einem Durchmesser bis zu 300 m. Ihre Hauptverbreitung finden die Mounds in den Thälern des obern Mississippi, Missouri und Ohio bis hinab zu den Golfstaaten. Besonders reich ausgestattet ist Ohio mit noch jetzt 10,000 Hügeln und 1500 ringförmig erbauten Erdwällen. In dem Grenzgebiet von Iowa und Illinois finden sich, ganz abgesehen von den Ringwällen, mehr als 2500 Mounds. Die Verbreitung derselben erstreckt sich aber auch weit über Utah, Arizona hin bis nach Kalifornien, nach Oregon und in das Washingtonterritorium einerseits, anderseits nach S. bis gegen Guatemala und Honduras hin. Ohne nähere Kenntnis von der Rassenangehörigkeit der Erbauer dieser Erdhügel hat man dieselben Moundbuilders genannt und wohl mit den nahuatlakischen Bewohnern Altmexikos in Verbindung gebracht. Dagegen hat Samuel Havens die wohlbegründete Ansicht vertreten, daß die Vorfahren der jetzigen Indianer die Urheber jener Bauten gewesen seien, wie denn auch noch 1800 über der Leiche eines Omahahäuptlings ein solcher Mound errichtet wurde, und wie auch am obern Missouri noch frisch aufgeworfene Erdwerke nachgewiesen worden sind.

Nach Squier und Davis unterscheidet man: 1) Verteidigungswerke, aus Erde und Steinen erbaut und aus Wällen und Gräben, vorgeschobenen Werken, Kasematten und unterirdischen Gängen bestehend. Dieselben sind an strategisch wichtigen Punkten, namentlich an der Vereinigungsstelle zweier Stromläufe, errichtet. So sind St. Louis, New Madrid, Cincinnati an der Stelle solcher alten Befestigungen erbaut. Diese Ringwälle besitzen oft eine Ausdehnung von mehreren Meilen und erreichen eine Höhe von mehr als 200 m. 2) Tempelringe, Erdwälle, in Thalgründen und am Fuß von Hügeln und Bergen, repräsentieren geheiligte Bezirke, Versammlungsorte des Volks zu religiösen Zwecken oder aber Wohnplätze der Priester. Sie umfassen nicht selten ein Areal von nahezu 40 Hektar und sind von hohen Erdaufwürfen und Gräben bald in Kreisen, bald in Quadraten oder Achtecken umgeben. 3) Die Tempelhügel (nach andern Wohnplätze der Häuptlinge); "rund, oval, vieleckig oder quadratisch, erheben sie sich zuweilen in Stufen oder Terrassen, und gemeiniglich führt eine Rampe auf ihren Gipfel". Diese Hügel, von denen einige einen Umkreis von 300 m und eine Höhe bis zu 100 m besitzen und auf ihrem Gipfel eine Plattform von mehr oder weniger großer Ausdehnung zeigen, finden sich namentlich in Ohio, Kentucky, Missouri, Tennessee. Einer der bedeutendsten ist Monk's Mound bei Cahokia in Illinois gegenüber St. Louis. Inmitten von 60 kleinern, 10-12 m hohen Erdhügeln erhebt sich derselbe in vier Terrassen bis zu 30 m Höhe, ist an der Basis 220 m lang, 170 m breit und an der Plattform entsprechend 90 u. 40 m; er enthält 700,000 cbm Erde. 4) Die Opferhügel (sacrificial mounds), in eckiger oder runder Form erbaut, umschließen aus Steinplatten oder Thon errichtete kleine oder große altarähnliche Bauten. Diese Bauwerke hat man als Altäre aufgefaßt, weil dieselben ebenso wie in ihrer Nähe gelegene Artefakte (Pfeilspitzen, Äxte, Pfeifen, Schmuckgegenstände, Geschirr, Knochennadeln u. dgl.) die deutlichsten Spuren der Einwirkung des Feuers erkennen lassen. Möglicherweise indessen sind in diesen Hügeln nichts andres als Stätten der Leichenverbrennung zu erkennen. 5) Grabhügel (burial mounds), besonders zahlreich vertreten, besitzen die Form unsrer Hünengräber. Man findet die Reste der Leichen mit und ohne Totengaben, in liegender, gekrümmter oder hockender Lage, mit Steinen oder Erdreich überdeckt, in Grabkammern oder Steinsärgen beigesetzt. Auch für den Brauch der Leichenverbrennung liegen mehrfach Beweise vor. Als Beigaben dienten Gefäße, steinerne Pfeifen, Pfeilspitzen, Messer und sonstige Gerätschaften und Waffen sowie Schmucksachen aus Muschelschalen oder Kupfer. Die einzelnen Hügel umschließen zuweilen 500 und mehr Skelette. Eine besonders merkwürdige Form dieser Erdaufwürfe ist diejenige der animal mounds, welche, oft nur wenige Zentimeter, selten mehr als 2 m über die Umgebung hervorragend und aus erdumworfenen Steinmassen erbaut, die Gestalt von Tieren oder Menschen nachahmen. Dieselben finden sich namentlich in Iowa, Ohio, Illinois, Missouri, Indiana, vor allem aber in Wisconsin.

Unter den Artefakten, welche sich in diesen Erdaufwürfen gefunden haben, sind zunächst vielfach kunstvoll gestaltete Gefäße (Krüge und Flaschen, mit Hälsen versehene Gefäße, Henkeltöpfe, Schüsseln und Becken, Trinkbecher, nicht selten mit kunstvoller Ornamentik) aus mit Sand oder Muschelsplittern vermischtem und verschieden gefärbtem Thon hervorzuheben. Daneben finden sich Pfeifenköpfe, die Gestalt der verschiedensten Tiere nachahmend, aus Thon gebrannt oder aus Schiefer, Speckstein, Marmor, Porphyr geschnitten. Zahlreich vorgefundene Röhren aus gebranntem Thon oder aus Stein oder Kupfer hat man als zu jenen Köpfen gehörig angesehen. Diese Skulpturen zeugen von aufmerksamer Beobachtung, und die Ausführung ist um so bewunderungswürdiger, als jenen Bildschnitzern nur sehr mangelhafte Werkzeuge zur Verfügung standen. Von Metallen scheinen die Hügelbauer im wesentlichen nur Kupfer und Silber und zwar letzteres nur in Form von dünnen Plättchen zur Plattierung des Kupfers bearbeitet zu haben. Man hat Messer, Äxte, Meißel, Pfeil- und Lanzenspitzen von Kupfer, zum Teil von vortrefflicher Arbeit, gefunden; daneben Armbänder, Halsbänder, runde Scheiben, Kugeln und andre Schmucksachen. Steinerne Waffen, Pfeilspitzen, Speerspitzen, Messer und Äxte finden sich neben Gerätschaften aus Zähnen, Knochen, Muscheln sowie Schmuckgegenständen aus Steinen, Holz und Knochen. Auffallend erscheinen Pfeilspitzen aus Obsidian, dessen Verbreitung auf die Gebirgsregionen des Westens beschränkt ist. Außer dem Kupfer hat man in einigen Hügeln Bleierz vorgefunden, nie aber Gold oder Eisen. Grob gewebte Gewänder, Bastgewebe, aus Tierhaaren verfertigte Stoffe sowie zusammengenähte Leder scheinen einigen Funden zufolge zur Bekleidung gedient zu haben. Aus alledem ergibt sich, daß die Hügelbauer sehr zahlreich und ein Volk mit festen Wohnsitzen waren, bei welchem in vielen wesentlichen Dingen eine völlige Übereinstimmung herrschte. Wann sie ihre Blüte-^[folgende Seite]