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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Ampère - Amphibien.

Mitarbeiter am "Globe". Als die Julirevolution ausbrach, war er Professor der Litteratur am Athenäum in Marseille, ging dann in gleicher Eigenschaft nach Paris an die Sorbonne und 1833 an das Collège de France an Andrieux' Stelle und ward 1847 Mitglied der Akademie. Er starb 27. März 1864 in Paris. Sein Wissensdrang hatte ihn nach Skandinavien, Deutschland, Italien, Ägypten, Nubien und Nordamerika geführt; überall wußte er mit scharfem Blick das Charakteristische aufzufinden, und seine Werke legen Zeugnis ab von seiner feinen Beobachtungsgabe und seinen umfassenden Kenntnissen in der Litteratur fremder Länder. Seine Hauptschriften sind: "Littérature et voyages" (1833; neue Aufl. 1850, 2 Bde.), eine Sammlung von kritischen Aufsätzen und Journalartikeln, in denen A. sich auch als Archäolog und Philosoph, ja selbst als Dichter zeigt; "Histoire littéraire de la France avant le XII. siècle" (1840, 3 Bde.; 3. Aufl. 1870); "Histoire de la littérature française au moyen-âge, comparée aux littératures étrangères" (1841); "Histoire de la formation de la langue française" (1841; 3. Aufl., hrsg. von P. Meyer, 1871); "La Grèce, Rome et Dante" (1848, 9. Aufl. 1884); "Promenade en Amérique etc." (1855, 2 Bde.; neue Aufl. 1874); "L'histoire romaine à Rome" (1856-64, 4 Bde.; 4. Aufl. 1870); "César, scènes historiques" (1859); "La science et les lettres en Orient", mit Vorrede von Barthélemy Saint-Hilaire (1865), u. a.

Ampère, Maßeinheit, s. Elektrische Maßeinheiten.

Ampèremeter, s. Galvanometer.

Ampèresches Gesetz, s. Elektrodynamik.

Ampèresches Gestell, Apparat zur Nachweisung der Wirkung elektrischer Ströme aufeinander; s. Elektrodynamik.

Ampezzaner Thal (Höllensteinthal), südliches Seitenthal des Pusterthals in Tirol, umfaßt das obere Rienzthal, den aus demselben in das Boitathal führenden niedrigen Gebirgssattel und den Anfang des Thals der Boita. Es ist von der 1830 angelegten, sowohl militärischen als kommerziellen Zwecken (namentlich dem Holzhandel nach Italien) dienenden Ampezzaner Straße durchzogen und wird wegen der das Thal umschließenden Dolomiten seit neuerer Zeit mit besonderer Vorliebe von Fremden ausgesucht. Schöne Punkte in diesem Thal und seiner Umgebung sind der Toblacher See, die Orte Landro (Höllenstein) und Schluderbach, der Dürren- und der Misurinasee, der aussichtsreiche Monte Piano (2296 m), endlich der Hauptort des Thals, Cortina d'Ampezzo, in weitem, von Dolomitbergen (Monte Cristallo 2929 m, Tofana 3269 m, Antelao 3253 m, Sorapiß 3291 m) umrahmtem Thalkessel, 1140 m ü. M. an der Boita reizend gelegen, mit schöner Kirche in byzantinischem Stil mit Holzschnitzereien und frei stehendem Glockenturm, Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts, mit einer Fachschule für Holzschnitzerei, Tischlerei und Silberfiligranarbeit, welche Industriezweige nebst Holzhandel hier betrieben werden, und (1880) 811 Einw. Vgl. Rohracher, Das Ampezzothal (Innsbr. 1878); Noë, Ampezzo und seine Dolomiten (Klagenf. 1880); Kurz-Meurer, Führer durch die Dolomiten (Gera 1884).

Ampfer, Pflanzengattung, s. Rumex.

Ampfing, Dorf in Oberbayern, an der Isen und der Linie München-Simbach der Bayrischen Staatsbahn, mit (1880) 643 Einw., bekannt durch die Schlacht bei A. zwischen Ludwig dem Bayer und Friedrich dem Schönen von Österreich 28. Sept. 1322, gewöhnlich Schlacht bei Mühldorf (s. d.) genannt. Auf dem Schlachtfeld steht eine Kapelle. Ein Gefecht 1. Dez. 1800 zwischen den Österreichern unter Erzherzog Johann und den Franzosen unter Grenier entschied sich zum Vorteil der erstern, doch wurde der Erfolg durch die zwei Tage darauf (3. Dez.) geschlagene Schlacht bei Hohenlinden wieder vernichtet.

Amphi- (griech.), beid-, beidseitig-, herum-, in vielen Zusammensetzungen.

Amphiarāos, in der griech. Mythologie ein berühmter Seher aus Argos, Sohn des Oikles (oder des Apollon) und der Hypermnestra, war bei der kalydonischen Jagd und beim Argonautenzug. Am Krieg der Sieben gegen Theben weigerte er sich anfangs teilzunehmen, da er den unglücklichen Ausgang desselben und seinen Tod vorhersah, ließ sich aber schließlich durch seine von den Genossen bestochene Gemahlin Eriphyle dazu bereden und verrichtete große Heldenthaten (s. Alkmäon). Als die Belagerer Thebens zurückgeschlagen wurden, entrückte ihn Zeus seinen Verfolgern, indem die Erde sich öffnete und A. samt seinem Streitwagen verschlang. Er ward unter die Unsterblichen versetzt und von den Griechen göttlich verehrt. An der Stelle seines Verschwindens, in der Nähe von Oropos, erhob sich nachmals das Amphiareion, ein Heiligtum mit berühmtem Traumorakel. Auch anderwärts, z. B. in Theben, gab es Heiligtümer des A.

Amphibien (Amphibia, griech., "doppellebige Tiere") oder Lurche, Klasse der Wirbeltiere, lange Zeit hindurch fälschlich mit den Reptilien vereinigt (s. Wirbeltiere). Was ihnen zu ihrem Namen verholfen hat, ist der eigentümliche Wechsel des Lebens, welches sie in der Jugend fast ausnahmslos im Wasser, im erwachsenen Zustand meist auf dem Land führen, und das im Einklang mit der frühern Atmung durch Kiemen und der spätern durch Lungen steht. Dies bringt sie in nähere genetische Berührung mit den Fischen, namentlich mit den Lurchfischen (s. Fische), und trennt sie scharf von den Reptilien, die auch in der Jugend stets durch Lungen atmen. Die A. sind meist langgestreckt. Gliedmaßen fehlen entweder vollständig (Blindwühler), oder sind rudimentär oder auch gut entwickelt, namentlich bei den Fröschen. Ihrem Bau nach weichen sie von der für die höhern Wirbeltiere geltenden Form nur wenig ab, dienen jedoch nur bei den Fröschen zum Laufen, Springen und Klettern, sonst bloß zum Vorwärtsschieben und Stützen des Rumpfes. Wichtig für die Bewegung ist der Schwanz, welcher in der Jugend bei allen A. vorhanden ist und nur bei den Fröschen später schwindet. Die Haut ist nackt, glatt und schlüpfrig (nur die Blindwühler besitzen Schuppen) und voll zahlreicher Drüsen, welche Schleim oder ätzende, stark riechende, auf kleinere Tiere wohl giftig wirkende Flüssigkeiten absondern. Ferner liegen in ihr besondere Pigmentzellen (s. Chromatophoren), durch deren Ausdehnung oder Zusammenziehung ein Farbenwechsel zu stande kommt. Bei einigen Formen ändert die Haut der Männchen zur Zeit der Begattung nicht nur die Farbe, sondern auch die Form, so daß z. B. besondere Kämme auf dem Rücken erscheinen (sogen. Hochzeitskleid). Bei Gesunden wird die ganze Haut alle Monate einmal abgestoßen, indem sie sich am Kopf spaltet und über den ganzen Körper allmählich hinabgezogen wird; diese periodische Häutung geht weniger oft vor sich oder unterbleibt ganz, wenn die Lebensbedingungen nicht die normalen sind, namentlich wenn es an Feuchtigkeit fehlt. Das Skelett ist meist verknöchert, doch erhal-^[folgende Seite]