Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Amphioxus lanceolatus; Amphipoden; Amphipolis; Amphiprostylos; Amphiscii

503

Amphioxus lanceolatus - Amphiscii.

(s. Tafel "Bildhauerkunst II", Fig. 9). A. mit der Leier neben Zethos findet sich auf einem schönen Relief des Palazzo Spada in Rom (vgl. Abbildung).

^[Abb.: Amphion und Zethos (Rom, Palazzo Spada).]

Amphioxus lanceolatus Yarr. (Branchiostoma lubricum Costa, Lanzettfisch), das niederste bis jetzt bekannt gewordene Wirbeltier, von so eigentümlichem Äußern, daß es von seinem Entdecker Pallas als eine Nacktschnecke beschrieben wurde. Der A. wird bis 5 cm lang, ist weiß und vorn und hinten zugespitzt (daher der Name A.) und mit lanzettförmiger Schwanzflosse versehen. Eine echte Wirbelsäule fehlt und wird durch einen Knorpelstrang, die Rückensaite (chorda dorsalis), ersetzt, welche sich bei den höhern Wirbeltieren nur noch im Embryonalleben vorfindet. Oberhalb derselben verläuft das Rückenmark, welches vorn mit einer geringen Anschwellung endet. Ein eigentliches Gehirn und die Schädelkapsel, auch ein Gehörorgan fehlen; dagegen sind ein Geruchsorgan und auch eine Art Auge (ein unpaarer, dunkler Fleck unmittelbar auf dem vordern Ende des Rückenmarks) vorhanden. Der auf der Bauchseite gelegene Mund, eine einfache Spalte, führt nicht direkt in den Magen, sondern erst in eine weite Kiemenhöhle, in welcher die Atmung vor sich geht. Ein eigentliches Herz fehlt, dafür pulsieren aber die größern Adern; auch besitzt jede zu den Kiemen führende Arterie eine kleine, herzartige Anschwellung. Ein Lymphgefäßsystem fehlt gänzlich. Die Blutkörperchen sind farblos. Am Hinterende des Kiemensacks beginnt der eigentliche Darmkanal, in welchem sich die Nahrungsteilchen aus dem Atemwasser ansammeln. Er erstreckt sich ohne jegliche Biegung nach hinten bis zum After und hat vorn einen kurzen Blindsack, den man als Leber bezeichnet. Die Nieren finden sich im Kiemensack vor und sind von einfachem Bau. Auch die Geschlechtsorgane befinden sich auf einer niedern Entwickelungsstufe, da sie nur aus den Hoden, resp. Eierstöcken bestehen. Diese entleeren Samen, bez. Eier durch Platzen der Wandungen direkt in die Kiemenhöhle, aus welcher sie durch den Mund ins Freie gelangen. Die Entwickelung des Embryos zeigt in vielen Punkten die größte Übereinstimmung mit derjenigen der Ascidien, einer Klasse der Tunikaten (Manteltiere). Es bildet sich nämlich aus dem Ei nach Ablauf der Furchung eine regelmäßige Gastrula, d. h. ein Wesen, das von allen Organen nur einen Magen in Form eines einfachen Sackes besitzt, mit Hilfe von Wimpern im Meer umherschwimmt und allmählich die übrigen Organe erhält. Die nahe Verwandtschaft zwischen dem Wirbeltier A. und den wirbellosen Tunikaten (s. d.), wie sie aus der Entwickelung erhellt, wird von keinem Forscher bestritten; die einen aber konstruieren sich die aufsteigende Linie: Tunikaten, A., Fische etc., während die andern mit mehr Recht sie in umgekehrter Reihenfolge gruppieren. Für die erstern ist also A. der Stammvater aller Wirbeltiere, für die letztern gilt er als ein rückgebildeter Fisch, den an Degeneration nur noch die Ascidien übertreffen, in welchen ein gänzlich herabgekommener Seitenzweig der Fische vermutet wird (s. Wirbeltiere). Der A. lebt in geringen Tiefen am Meeresstrand und gräbt sich meist bis an den Mund in den Sand ein. Er ist sehr lebenszäh. Man findet ihn in allen Meeren, unterscheidet jedoch wohl neben dem A. noch zwei leichte Abarten (s. Leptokardier). Vgl. Costa, Storia del Branchiostoma lubricum (Neap. 1843); Müller, Über den Bau und die Lebenserscheinungen des Branchiostoma lubricum (Berl. 1844); Kowalewski, Entwickelungsgeschichte von A. (Petersb. 1867); Rolph, Bau des A. (Leipz. 1876); Hatschek, Studien über die Entwickelung des A. (Wien 1881).

Amphipoden, s. Ringelkrebse.

Amphipolis, 1) Stadt im östlichen Makedonien, auf einer vom Strymon gebildeten Halbinsel, mit dem Hafenort Eion, eine Kolonie der Athener, 437 v. Chr. von Agnon, dem Sohn des Nikias, gegründet und für Athen besonders als Ausfuhrhafen (Gold und Bauholz aus dem nahen Pangäongebirge, Getreide) wichtig. Im Peloponnesischen Krieg eroberte der spartanische Feldherr Brasidas 424 die Stadt und behauptete sie gegen alle Angriffe des Atheners Kleon und dessen starkes Heer. Es kam bei A. 422 zu einer Schlacht, in welcher die Athener unterlagen, und als nach dem Frieden des Nikias die Kolonie den Athenern zurückgegeben werden sollte, weigerte sie sich, der Mutterstadt sich zu unterwerfen. Philipp von Makedonien besetzte A. 358; seitdem blieb es in makedonischer Gewalt, bis die Römer es nahmen und zur Hauptstadt einer ihrer vier makedonischen Provinzen machten. Geringe Reste der alten Stadt, Marmara genannt, finden sich bei Neo-Chori. -

2) Stadt in Syrien, s. Thapsakos.

Amphiprostylos (griech.), ein Tempel mit Säulenreihen an beiden Giebelseiten (Grundriß, s. Tempel).

Amphiscii (griech., Zweischattige), Bezeichnung der zwischen den Wendekreisen Wohnenden, weil bei ihnen während des einen Teils des Jahrs, solange die Sonne nördlich vom Zenith kulminiert, der mit-^[folgende Seite]