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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Amphitrite - Ampthill.

(wohlerhalten), Nîmes, Orléans, Otricoli, Padua, Périgueux, Pompeji, Pozzuoli, Sevilla, Smyrna (wohlerhalten), Syrakus, Trier, Tunis (Utica), Vienne.

Amphitrīte, eine Seegöttin der Griechen, Tochter des Nereus oder des Okeanos, Gemahlin des Poseidon. Als dieser um sie warb, floh sie vor ihm zu Atlas; aber ein Delphin erspähte sie und trug sie auf seinem Rücken dem Gott zu, wofür er unter die Sterne versetzt wurde. Nach andern wurde sie, als sie mit ihren Schwestern auf Naxos tanzte, von Poseidon entführt. Sie bewegt die großen Wogen und treibt sie gegen den Felsen; die Geschöpfe des Meers stehen unter ihrer Hut. Später trat A. zurück vor Aphrodite, welche auch als Göttin des Meers verehrt wurde. In der bildenden Kunst erscheint sie oftmals neben Poseidon (s. d., mit Abbildung) sitzend oder von Seetieren getragen. Bei den Dichtern wird ihr Name bisweilen zur Bezeichnung des Meers gebraucht.

Amphítryon (Amphitruo), im griech. Mythus König von Tiryns, Sohn des Alkäos, Enkel des Perseus. Da sein Oheim Elektryon, Herrscher von Mykenä, von den Teleboern oder Taphiern seiner Herden beraubt, zur Rache gegen dieselben auszog, übergab er das Reich und seine Tochter Alkmene (s. d.) der Obhut des A., wurde aber von diesem noch vor dem Zug unversehens erschlagen. A., von Elektryons Bruder Sthenelos verjagt, floh mit Alkmene nach Theben zu dem Bruder seiner Mutter, Kreon, der ihn von der Blutschuld reinigte. Um aber Alkmenes Hand zu erlangen, sollte er die Taphier züchtigen. Er zog mit Kreon gegen sie zu Felde, erreichte aber seinen Zweck nicht eher, als bis Komätho, des Pterelaos Tochter, aus Liebe zu A. ihrem Vater das goldene Haar abschnitt, an dem die Erhaltung seines Lebens hing. Das Reich desselben schenkte A. dem Kephalos, einem seiner Mitstreiter; Komätho aber tötete er für ihren Verrat. Zeus war ihm, indem er seine Gestalt angenommen, bei Alkmene zuvorgekommen; diesem gebar sie Herakles, dem A. aber den Iphikles. A. fiel in einem Kampf gegen die Minyer, welche er mit dem jungen Herakles, um Theben von einem Tribut zu befreien, bekriegte. Griechische Komiker, Plautus, Molière und H. v. Kleist haben die Geschichte des A. und seiner Gattin zu Lustspielen benutzt. Nach einer Stelle im Molièreschen Lustspiel (Akt III, 5, 89) hat A. die Bedeutung eines wohlhabenden Mannes erhalten, der gern den Wirt macht.

Amphŏra (lat., griech. Amphoreus), bei den Griechen und Römern ein großes, zweihenkeliges Thongefäß mit mäßiger Mündung (s. Abbildung), das zur Aufbewahrung von Flüssigkeiten, besonders von Wein und Öl, sowie (schon in der "Ilias") als Aschenkrug diente. Die ältern, aus der Blütezeit der hellenischen Keramik stammenden Amphoren sind mehr oval (am schönsten die panathenäischen Preisvasen, s. Tafel "Vasen", Fig. 4); später wurden sie schlank und hoch, mit volutengezierten Henkeln versehen. Wie die übrigen Thongefäße, so waren auch die Amphoren mit Malereien geschmückt, und zwar zeigen die ältern bildliche Darstellungen in schwarzer Farbe auf dem roten Thongrund, während beiden spätern das Verhältnis der Farben umgekehrt ist. Die A. war zugleich Flüssigkeitsmaß, in Griechenland = etwa 40 Lit., in Rom = 26,26 L.

^[Abb.: Amphora.]

Amphotēr (griech.), doppelten, zwitterhaften Wesens. Amphotere Bildungen, diejenigen Gesteine, welche durch die gemeinschaftliche Einwirkung des Feuers und des Wassers entstanden sind, wie die vulkanischen Tuffe und Konglomerate, die aus Aschen, Bomben und Lapilli bestehen, welche später erst von Wasserfluten ergriffen und verkittet wurden. Amphotere Reaktion, die einigen wenigen Körpern, z. B. der frischen Milch, eigentümliche Eigenschaft, schwach sauer und schwach alkalisch zugleich zu reagieren. Amphotere Salze, s. v. w. Amphidsalze.

Amphrīsus (Ornithoptĕra Amphrisus, s. Tafel "Schmetterlinge I"), Schmetterlingsgattung aus der Familie der Tagfalter, auf den Oberflügeln schwarzbraun, samtglänzend, auf den Unterflügeln lebhaft goldgelb, am Saum schwarz gezackt. Kopf und Thorax sind schwarz, der Halskragen des letztern im Nacken feurig karminrot, der Hinterleib oben dunkelbraun, unten gelb. Die Raupe ist reihenweise mit dicken Fleischzapfen besetzt und kann aus dem Nacken zwei gabelförmige Hörner hervorstrecken, welche einen unangenehmen Geruch verbreiten und dadurch dem Tier zur Verteidigung dienen. Der A. lebt auf Java, etwa 20 andre Arten dieser schönen Gattung sind über die Molukken, Philippinen, Neuguinea etc. verbreitet.

Amplektieren (lat.), umarmen, umfassen; Amplexus, Umarmung.

Amplepuis (spr. angpl'püi), Marktflecken im franz. Departement Rhône, Arrondissement Villefranche, an der Lyoner Bahn, mit wichtiger Baumwoll- und Leinweberei und (1876) 4047 Einw.

Ampliation (spätlat.), im röm. Rechte die Vertagung des Prozesses, welche der Prätor oder Oberrichter durch die Formel amplius cognoscendum (weiter zu untersuchen) anordnete, wenn die mit der Entscheidung beauftragten Richter noch nicht hinlänglich unterrichtet waren. Eine solche Vertagung wiederholte sich oft drei-, vier-, bisweilen acht- und mehrmal.

Amplifikation (lat.), Erweiterung, ausführliche Darlegung eines Gedankens; im engern Sinn derjenige Teil der rhetorischen Darstellung, bei welchem man, über den unmittelbaren Inhalt eines Satzes hinausgehend, den Gedanken durch sein Verhältnis zu andern Dingen erläutert, um die Eindringlichkeit der Rede zu steigern. Gewöhnlich werden vier Arten der A. angenommen: Erläuterung eines Satzes durch Ähnliches (z. B. durch das Gleichnis); Erläuterung eines Satzes durch den Gegensatz; Veranschaulichung des Allgemeinen durch Besonderes, und Bestätigung eines Satzes durch Zeugnisse.

Amplifizieren (lat.), erweitern, vergrößern.

Amplitude (lat. amplitudo), Weite, Umfang.

Ampsivarier (Amsivarier), german. Volk zu beiden Seiten der Niederems, erst Bundesgenossen der Römer, dann des Arminius, wofür sie von Germanicus gezüchtigt wurden. Um 59 n. Chr. von den Chauken aus ihren Sitzen vertrieben, von den Römern mit der Bitte um Aufnahme in die Landstriche am Rhein und an der Yssel abgewiesen, von den um Hilfe gebetenen Brukterern und Tenkterern verlassen, von den Usipetern und Tubanten bekämpft, gingen die A. sämtlich zu Grunde. Ein kleiner Rest schloß sich später den Franken an.

Ampthill, Odo William Leopold Russell, Lord, brit. Diplomat, geb. 20. Febr. 1829 als jüngster Sohn des Generalmajors William Russell (s. d.), betrat schon 1849 als Attaché der britischen Gesandtschaft in Wien die diplomatische Laufbahn. Im J. 1850 nach England zurückgekehrt, arbeitete er zunächst zwei Jahre im auswärtigen Amt, war dann nacheinander bei den Gesandtschaften in Paris, Wien, Konstantinopel und Washington thätig