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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Amygdalin - Amyntas.

obstgehölze). Die ca. 100 Arten der A. gehören vorzugsweise der nördlichen gemäßigten Zone an, und viele sind unter dem Namen Steinobst (Kirsch-, Pflaumen-, Aprikosen-, Pfirsich- und Mandelbaum) allbekannte Kulturpflanzen. Sie enthalten in allen Teilen, am reichlichsten in den Samen, manche auch in den Blättern, Amygdalin, welches leicht in Blausäure, Bittermandelöl und Zucker sich umsetzt. Die A. finden deshalb zum Teil in der Medizin Anwendung, manche liefern Nutzholz. Zahlreiche Arten von Amygdalus und Prunus finden sich in den jüngern und mittlern Tertiärschichten.

Amygdalīn C20H27NO11^[C_{20}H_{27}NO_{11}] findet sich in bittern Mandeln (bis 3 Proz.) und Pfirsichkernen, in den Kernen der Pflaumen und Sumpfkirschen und in der Rinde, den Blättern und Blüten der letztern, ferner in den Blättern des Kirschlorbeers (Prunus Lauro-Cerasus) und wahrscheinlich auch in den Knospen und jungen Trieben von Sorbus-Arten und Weißdorn sowie in den Blättern strauchartiger Spiraea-Arten. Man erhält es durch Ausziehen des durch Pressen entfetteten Pulvers bitterer Mandeln mit Alkohol, Entfetten des Auszugs, Verdampfen, Mischen des Rückstandes mit Äther und Reinigen des abgeschiedenen Amygdalins durch Umkristallisieren. Es bildet farb- und geruchlose, schwach bitter schmeckende Kristalle, ist löslich in Wasser und Alkohol, nicht in Äther, reagiert neutral, schmilzt bei 120° und zersetzt sich bei höherer Temperatur. Bittere Mandeln verdanken ihren bittern Geschmack dem A.; sie sind auch nach dem Pulvern völlig geruchlos, rührt man das Pulver aber mit Wasser an, so entwickelt sich Bittermandelöl- und Blausäuregeruch. Entzieht man dem Pulver vorher das A. mit Alkohol, so tritt diese Erscheinung nicht ein. Sie ist die Folge einer Zersetzung des Amygdalins durch einen eiweißartigen Bestandteil der Mandeln, das Emulsin. A. zerfällt unter Einwirkung des letztern in Bittermandelöl, Blausäure, Zucker (und Ameisensäure). Das Emulsin findet sich auch in süßen Mandeln, und wenn man zu süßer Mandelmilch A. setzt, so tritt der Bittermandelölgeruch auf. Verdünnte Salz- oder Schwefelsäure, Diastase und Bierhefe bei Gegenwart von doppelt-kohlensaurem Natron wirken wie Emulsin, nicht aber Magensaft, Speichel und andre Verdauungssäfte. A. ist daher auch nicht giftig, wird es aber auf Zusatz von Emulsin.

Amygdaloīde, s. Mandelsteine.

Amygdălus, der Mandelbaum.

Amyklä, Hauptstadt der Achäer in Lakonien, am Eurotas, 4 km südöstlich von Sparta, mit berühmtem Apollontempel und besonders als Heimat der Dioskuren, der Helena und Klytämnestra bekannt. A. behauptete seine Selbständigkeit gegen die Dorier von Sparta bis etwa 800 v. Chr. Ruinen zwischen Sparti und Sklavochorion.

Amylalkohol (Amyloxydhydrat) C5H12O^[C_{5}H_{12}O] ist ein Hauptbestandteil des Kartoffelfuselöls, findet sich aber auch in andern Fuselölen und bildet sich bei der alkoholischen Gärung, namentlich aus der zuckerhaltigen Flüssigkeit, welche beim Einmaischen von Kartoffeln erhalten wird. Die Bildung des Amylalkohols wird durch noch nicht hinreichend erforschte Verhältnisse beeinflußt. Längere Zeit aufbewahrte Kartoffeln geben fuselreichern Spiritus als frische. Da A. schwerer flüchtig ist als Spiritus, so sammelt er sich bei der Destillation in dem Nachlauf. Aus rohem, mit Wasser geschütteltem und dann durch Chlorcalcium entwässertem Fuselöl durch Rektifikation abgeschieden, bildet er eine farblose, etwas ölige Flüssigkeit vom spez. Gew. 0,818, von durchdringendem, widrigem, zum Husten reizendem Geruch und scharfem Geschmack, löst sich sehr wenig in Wasser, mischt sich mit Alkohol, Äther und Ölen, löst Harze, Paraffin, Alkaloide, siedet bei 132°, erstarrt bei -20°, brennt mit blauer Flamme, wird an der Luft sauer und liefert bei der Oxydation Baldriansäure C5H10O2^[C_{5}H_{12}O_{2}]. Er ist sehr giftig, und die dumpfe Betäubung, welche den Schnapsrausch charakterisiert, sowie die schweren Nachwirkungen desselben sind dem Fuselgehalt des Branntweins zuzuschreiben. Auch das Einatmen der Dämpfe von A. wirkt schädlich. Man benutzt A. als Lösungsmittel der Alkaloide zur Darstellung und Nachweisung derselben, als Leuchtmaterial, zur Darstellung von Fruchtäthern, Baldriansäure, Salpetrigsäureamyläther, Anilinfarben etc.

Amylēn C5H10^[C_{5}H_{10}], farblose Flüssigkeit von eigentümlich unangenehmem, an faulenden Kohl erinnerndem Geruch, brennt mit leuchtender Flamme und siedet bei etwa 35° C. Man erhält es durch Destillation von Amylalkohol mit Chlorzink. Es ist als anästhesierendes Mittel empfohlen worden; da seine Wirkung aber außerordentlich schnell vorübergeht, so hat man es wieder aufgegeben.

Amylnitrit, s. Salpetrige Säure.

Amylobacter (Bacillus A.), ein von Trékul beschriebener Spaltpilz, der nach van Tieghem und Prazmowski mit dem Buttersäurepilz (Clostridium butyricum Prazm.) identisch ist. Er erregt in Zucker- oder Dextrinlösungen, in Käse, sauren Gurken u. dgl. Buttersäuregärung, scheidet ein Ferment ab, das Cellulose und Stärke löst, und kann nach Pasteur ohne freien Sauerstoff existieren. Van Tieghem fand ihn in vorweltlichen Nadelhölzern der Steinkohlenperiode.

Amyloīd, s. Cellulose.

Amyloīdentartung (Wachsdegeneration, Speckentartung), eine Erkrankung, welche beim Menschen häufig, unter den Tieren nur beim Pferd vorkommt und in einer eigentümlichen speckartigen Verhärtung der betroffenen Organe besteht. Das Eiweiß dieser Organe wandelt sich dabei in eine derbe Substanz um, welche Virchow wegen ihrer mit Amylum oder Cellulose ähnlichen Reaktion (Rotfärbung mit Jod, Blaufärbung mit Jod und Schwefelsäure) amyloid, d. h. stärkeähnlich, nannte. Die Substanz ist, wie später nachgewiesen worden, stickstoffhaltig. Die A. befällt 1) als Allgemeinleiden die Milz, Nieren, Darm, Leber und die kleinen Arterien andrer Körperteile; sie ist dann stets Folge lange dauernder abzehrender Leiden, wie Schwindsucht, langer Eiterungen, Nierenkrankheiten, Syphilis; 2) als örtliche A. in chronisch entzündeten Schleimhäuten, z. B. der Bindehaut des Auges, im Kehlkopf, der Nase und Luftröhre. Die allgemeine A. ist unheilbar, die örtlichen Amyloidknoten verschwinden zuweilen nach teilweiser blutiger Entfernung.

Amylon (Amylum), s. v. w. Stärkemehl.

Amyloxydhydrat, s. Amylalkohol.

Amylum, Stärkemehl; A. maranthae, Arrowroot; A. tritici, Weizenstärkemehl.

Amymóne, im griech. Mythus Tochter des Danaos, ward von Poseidon beim Wasserholen an dem Felsquell überrascht und von ihm Mutter des Nauplios. Das Zusammentreffen der Heroine mit dem Gott ist auf antiken Kunstwerken (Gemmen, Vasen etc.) häufig dargestellt.

Amyntas, Name zweier makedon. Könige vor Alexander d. Gr. A. I. (540-498 v. Chr.) war der erste makedonische Herrscher, der mit den Griechen, namentlich mit den Peisistratiden in Athen, in nähere Ver-^[folgende Seite]