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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Anadiplosis - Anakoluthie.

Pyrethrum L., Bertram-Ringblume, Bertram-Kamille), eine perennierende, niederliegende Pflanze in Spanien, Algerien, Arabien, früher auch in Deutschland kultiviert, liefert die echte oder römische Bertramwurzel (St. Johanniswurz), welche im Geschmack der vorigen ähnlich ist und auch arzneilich benutzt wurde.

Anadiplōsis (griech.), Verdoppelung, z. B. der Anfälle bei Fiebern; Redefigur, wonach ein und dasselbe Wort Schlußwort eines Satzes und Anfangswort des folgenden Satzes ist; auch s. v. w. Palillogie.

Anadŏly (türk.), s. v. w. Anatolien.

Anadoly Hissar, s. Bosporus.

Anadyomĕne (griech., die "Auftauchende"), Beiname der Aphrodite als der angeblich aus dem Meeresschaum Erstandenen. Die berühmteste Darstellung der Göttin in dem Moment, wie sie, dem Meer halb entstiegen, ihr Haar mit den Händen trocknet, war Apelles' Meisterstück, das, auf der Insel Kos im Tempel des Asklepios aufgestellt, später von Augustus nach Rom geschafft und im Tempel des Cäsar als Bild der Stammmutter des Julischen Geschlechts aufgestellt wurde. Zu Neros Zeit ward das sehr zerstörte Bild durch eine Kopie des Dorotheos ersetzt.

Anadyr, Fluß im ostsibir. Küstengebiet, entspringt auf dem Ostabhang des Stanowoigebirges, strömt durch Einöden ohne Städte und menschliche Niederlassungen und mündet nach etwa 740 km langem Lauf in den Anadyrgolf des Beringsmeers.

Anaglyphon (griech.), erhabene Arbeit, Relief.

Anaglyptoskop, s. Pseudoskopische Erscheinungen.

Anagni (spr. -ánji), Stadt in der ital. Provinz Rom, an der Eisenbahn Rom-Neapel auf einer Anhöhe gelegen, Bischofsitz seit dem 5. Jahrh., hat eine alte, aber stark modernisierte Kathedrale (in welcher Barbarossa, Friedrich II. und Manfred exkommuniziert wurden) mit Mosaikboden und byzantinischen Gemälden, ein schönes Stadthaus, alte Stadtmauern, eine Wasserleitung, Weinbau und (1881) 6347 Einw. Die Stadt ist Geburtsort der Päpste Innocenz III., Gregor IX., Alexander IV. und Bonifacius VIII. Vom alten Anagnia, Hauptstadt der Herniker, sind noch riesige Unterbauten vorhanden.

Anagnosten (griech., lat. Lectores), Vorleser, bei den Römern meistens Sklaven; in der alten christlichen Kirche Geistliche, denen es oblag, in den kirchlichen Versammlungen die Abschnitte aus der Heiligen Schrift vorzulesen. Sie gehörten zu den sieben niedern geistlichen Ordines.

Anagōge (griech., "Hinaufführung"), in der Rhetorik die Rede- und Auslegungsweise, bei welcher man in dem buchstäblichen Sinn etwas Höheres, z. B. durch Äußeres etwas Geistiges, durch Irdisches etwas Himmlisches, ausgedrückt findet. Sie wurde namentlich bei der Erklärung der biblischen Bücher (anagogische Schriftauslegung) angewendet und oft sehr gemißbraucht, indem man häufig in den einfachsten Worten die tiefsten Geheimnisse zu finden glaubte.

Anagramm (griech.), die Versetzung der Buchstaben eines oder mehrerer Worte, um dadurch ein neues Wort oder einen neuen Satz zu bilden. Man unterscheidet zwei Arten. Bei der ersten wird die natürliche Reihenfolge der Buchstaben bloß umgekehrt, z. B. Roma in Amor. Die andre Art läßt beliebige Versetzung der Buchstaben zu und verlangt nur, daß keiner derselben ausgelassen werde, z. B. Lied aus Leid; Vastari, Austria. Manches A. erlangte Berühmtheit; z. B. aus Révolution française das Véto herausgenommen, welches darin steckt, und die Buchstaben anders geordnet, gibt "Un Corse la finira". Das A. des Feldherrn Montecuculi lautete "centum oculi". Als Erfinder des Anagramms wird Lykophron (3. Jahrh. v. Chr.) genannt, der z. B. Arsinoë in ion Heras ("Veilchen der Hera") umwandelte. Das eigentliche Vaterland desselben ist das Morgenland; die jüdischen Kabbalisten haben es weiter verbreitet. Sein goldenes Zeitalter fällt in das 16. und 17. Jahrh. Sammlungen von Anagrammen gibt es von Mautner (Rost. 1636), Stender (Braunschw. 1673) u. a. Vgl. Lalanne, Curiosités littéraires (Par. 1857); Wheatley, On anagrams etc. (Lond. 1862).

Anah, Stadt im asiatisch-türk. Wilajet Bagdad, am rechten Ufer des Euphrat, Sitz eines Kaimakams, von 4000 Arabern bewohnt, die Mäntel fabrizieren und viel Obst und Baumwolle ziehen.

Anahuac (altmexikan., "in der Nähe des Wassers"), ursprünglicher Name des alten Königreichs Mexiko; insbesondere der südliche Teil der heutigen Republik (das Hochland von Neuspanien); s. Mexiko.

Anaitis (pers. Anâhita), altpers. Göttin des Naturlebens und der Fruchtbarkeit, von den Griechen der (ephesischen) Artemis gleichgesetzt, wurde als eine schöne und starke, mit goldener Sternenkrone geschmückte Jungfrau gedacht und nicht nur in Persien, sondern auch in Medien, Armenien, Kappadokien etc. in vielen Tempeln angebetet. Als Gottheit der weiblichen Befruchtung wurde sie hier und da auch mit weiblichen Hierodulen umgeben und durch Prostitution geehrt.

Anakalypterĭen (griech.), bei den Griechen der Tag nach der Hochzeit, an welchem sich die Braut "unverhüllt" zeigte, zugleich Empfangstag für die Brautgeschenke (Anakalyptra).

Anakámptik (griech., "Umlenkung, Zurückwerfung", nämlich der Lichtstrahlen), veralteter Ausdruck für Katoptrik.

Anakarden, s. Anacardium.

Anakardiaceen, s. Terebinthineen.

Anaklāse (griech. Anaklăsis), "Um-, Verbiegung", z. B. eines Gelenks; Strahlenbrechung; Anaklastik, veralteter Ausdruck für Dioptrik; anaklastische Instrumente, Vorrichtungen zum Messen der Brechungswinkel.

Anakleterĭen (griech.), Ausrufungs-, Erinnerungs-, insbesondere Thronbesteigung- oder Krönungsfestlichkeiten.

Anakoinōsis (griech.), gemeinsame Beratung; in der Rhetorik eine Redewendung, in welcher der Redner scheinbar den Rat seines Gegners oder seiner Zuhörer erbittet, um ihre Aufmerksamkeit zu erhöhen (vgl. Cicero in Caecilium 12, 37).

Anakoluthīe (Anakoluthon, griech., "Unfolge"), Folgewidrigkeit in der Satzfügung; in der Rhetorik Abweichung von der logisch oder grammatisch richtigen Konstruktion, bei welcher der Nachsatz nicht in der Weise fortfährt, die man nach dem Vordersatz erwarten sollte. Die A. ist entweder eine absichtslose (bei langen Perioden und großen Zwischensätzen, wo der Redende den Anfang vergessen hat), oder eine beabsichtigte zur Hervorbringung irgend eines Effekts oder der größern Deutlichkeit wegen. Sie ist namentlich den Homerischen Gleichnissen eigentümlich, findet sich aber auch bei neuern Dichtern häufig (z. B. in Schillers "Macht des Gesanges", Strophe 3 und 4). Oft ist es auch die leichte Natürlichkeit der Rede, namentlich in der Umgangssprache, welche Anakoluthien veranlaßt (z. B. bei Goethe: "Ich gestehe Ihnen, daß, ob ich gleich dieser Kunst ganz entsagt habe, so