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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Analyse, chemische

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Analyse, chemische.

Bestandteile tierischer Materien erforscht und wegen des oft wenig ausgeprägten Charakters der hier in Frage kommenden Verbindungen und der leichten Veränderlichkeit derselben wohl die schwierigste Disziplin der chemischen A. ist. Sie bedient sich daher auch aller irgend zugänglichen Hilfsmittel, z. B. auch der Dialyse, welche zur Trennung von Substanzen die verschiedene Diffusionsfähigkeit derselben benutzt. Durch eine Membran von reinem Wasser getrennt, treten aus der zu untersuchenden Substanz in das letztere besonders kristallisierbare Stoffe (s. Alkaloide etc.) über, während eiweißartige Stoffe, Gummi, Schleim etc., durch die Membran nicht hindurchtreten. Diese Materien hindern aber sehr wesentlich den Verlauf vieler Reaktionen, daher ist dies Verfahren von großem Wert für die Nachweisung von Alkaloiden bei der gerichtlichen A.

Ein eigentümliches Verfahren, in einem Gemisch zweier ähnlicher Körper die Menge eines jeden zu bestimmen, befolgt die indirekte A. Während man z. B. aus einem Gemisch von Kali- und Natronsalz nach dem gewöhnlichen Verfahren das Kali durch ein Fällungsmittel abscheiden würde, um es für sich zu wägen, führt die indirekte A. beide Körper, ohne sie voneinander zu trennen, in eine andre Verbindung über und berechnet aus der Quantität der letztern mit Hilfe der Äquivalentgewichte die Menge eines jeden Körpers. Man benutzt dieses Verfahren in den Fällen, wo die Trennung zweier Substanzen mit Schwierigkeiten verbunden ist, z. B. zur Bestimmung kleinerer Mengen von Brom- oder Jodverbindungen in Chlorverbindungen. Man fällt die Chlor- und Bromverbindungen gleichzeitig durch ein bekanntes Quantum von salpetersaurem Silberoxyd, und aus dem Gewicht des erhaltenen Gemenges von Chlor- und Bromsilber, verglichen mit der Menge reinen Chlorsilbers, welches die angewandte Silberquantität der Rechnung nach hätte liefern müssen, erhält man die Menge des vorhandenen Broms. Auch auf Alkalien und andre Basen sowie auf Säuregemische ist die indirekte A. anwendbar, jedoch mit der Beschränkung, daß die zu bestimmenden Körper hinreichend verschiedene Atomgewichte besitzen müssen. Je größer die Differenz ist, um so größer ist die zu erreichende Genauigkeit.

Endlich sind noch analytische Methoden zu erwähnen, welche nur physikalische Verhältnisse in Betracht ziehen. Die densimetrische A. ermittelt das spezifische Gewicht von Flüssigkeiten und berechnet daraus den Gehalt der letztern an einem bestimmten Körper, wobei aber vorausgesetzt wird, daß kein andrer Körper in der Lösung vorhanden ist. Das gebräuchlichste Instrument für diese Zwecke ist das Aräometer. Auch auf feste Körper ist die densimetrische A. anwendbar, da man z. B. aus dem spezifischen Gewicht der Kartoffeln auf deren Stärkemehlgehalt schließen kann. Die kolorimetrische A. bestimmt die Menge eines Körpers aus der Intensität einer durch diesen Körper gefärbten Lösung. Hat man eine Normallösung von bekanntem Gehalt, so kann man die zu untersuchende Lösung mit derselben in der Weise vergleichen, daß man die Dicke der Schicht so lange verändert, bis gleiche Intensität erzielt ist, oder man verdünnt die Probeflüssigkeit, bis gleich dicke Schichten von ihr und der Normallösung gleiche Intensität zeigen. Für beide Methoden sind Apparate konstruiert worden, und besondere Ausbildung hat die kolorimetrische A. zur Bestimmung von Metallen, zur Untersuchung von Farbstoffen und von Sirupen und Säften in der Zuckerfabrikation erfahren; eine ganze Reihe von Methoden stützt sich auf die Bestimmung der braunen Farbe, mit der Jod in Jodkalium sich löst. Alle Reaktionen, bei denen das Jod in einer Jodkaliumlösung zum Teil frei gemacht wird, können so quantitativ verfolgt werden. Auch der Fettgehalt der Milch ist auf optischem Weg bestimmbar. Im Anschluß hieran ist der Ermittelung des Polarisationsvermögens von Flüssigkeiten zu gedenken, welche besonders zur Bestimmung des Zuckergehalts der Rüben, des Rohzuckers etc. in Anwendung kommt. Auch das Lichtbrechungsvermögen von Lösungen oder Mischungen gestattet einen Schluß auf deren quantitative Zusammensetzung. Wenig genau, aber doch für technische Zwecke bisweilen recht brauchbar ist die sogen. thermometrische A., bei welcher man den bei einer bestimmten Reaktion und unter bestimmten Verhältnissen hervorgebrachten meßbaren Wärmeeffekt zu quantitativen Bestimmungen verwertet. Erniedrigen zwei Salze bei ihrer Lösung in Wasser die Temperatur in ungleichem Maße, so kann die Zusammensetzung eines Gemisches der Salze ermittelt werden, wenn man die von demselben hervorgebrachte Temperaturerniedrigung mit dem Thermometer mißt. Das Verfahren ist sehr einfach und fördernd und bei der Alaun- und Salpeterfabrikation gut anwendbar. Noch wertvoller aber ist die Methode für die sonst so schwierige Unterscheidung der fetten Öle, welche sich beim Vermischen mit konzentrierter Schwefelsäure sehr ungleich erwärmen. Man muß aber beachten, daß bei der thermometrischen A. geringe Umstände, wie Schnelligkeit der Reaktion, Größe und Masse der Gefäße etc., wesentliche Abweichungen hervorbringen können, wenn man nicht stets alle Umstände möglichst gleich macht.

Als selbständiger Zweig der chemischen A. hat sich die Spektralanalyse ausgebildet, welche aber nicht nur die Flammenfärbungen und ihre Spektrallinien berücksichtigt, sondern auch die Veränderungen, welche ein durch eine Beleuchtungsflamme hervorgerufenes kontinuierliches Spektrum erleidet, wenn man das von der Flamme ausgehende Licht, bevor es in das Prisma tritt, durch eine nicht zu dicke Schicht der Lösung des zu untersuchenden Stoffes gehen läßt. Das Spektrum erscheint in solchem Fall nicht mehr kontinuierlich, sondern zeigt an bestimmten Stellen dunkle Streifen (Absorptionsstreifen, Spektralbänder), welche durch Lichtabsorption hervorgerufen werden, die in den verschiedenen Teilen des Spektrums eine verschieden starke ist. Diese Streifen sind durch ihre Zahl, Breite, Begrenzung und durch ihre unveränderliche Lage für die betreffenden Stoffe charakteristisch. Man hat mit diesem Hilfsmittel gerade solche Stoffe nachweisbar gemacht, welche sonst der chemischen A. äußerst schwer zugänglich sind. Weiteres s. Spektralanalyse.

Litteratur. I. A. im allgemeinen und qualitative A.: Rammelsberg, Leitfaden für die qualitative chemische A. (5. Aufl., Berl. 1867); Zettnow, Anleitung zur qualitativen chemischen A. ohne Anwendung von Schwefelwasserstoff (das. 1867); Wartha, Die qualitative chemische A. mit Anwendung der Bunsenschen Flammenreaktionen (Zür. 1867); Will, Anleitung zur chemischen A. (12. Aufl., Leipz. 1883); Derselbe, Tafeln zur qualitativen chemischen A. (12. Aufl., das. 1883); Beilstein, Anleitung zur qualitativen chemischen A. (5. Aufl., das. 1882); Fresenius, Anleitung zur qualitativen chemischen A. (14. Aufl., Braunschw. 1874); Sonnenschein, Handbuch der analytischen Chemie; qualitative A.