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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Anamartesīe; Anamba; Anamesīt; Anämīe; Anamirta; Anämisch; Anamnēse; Anamnéstik; Anamorphōse

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Anamartesie - Anamorphose.

anamitischen Regierung zu allen auswärtigen Regierungen, China eingeschlossen, zu leiten hatte und in Tongking völlig freie Hand bekam. Hier wurde nun schnell ein fester Platz nach dem andern genommen; Haidzuong, Sontai und Bacninh wurden mit geringen Verlusten erobert, und damit war der Besitz des Delta des Roten Flusses gesichert, ohne daß sich die französische Regierung in ihren Maßnahmen durch die Proteste und Vorschläge des chinesischen Gesandten Marquis Tseng hätte stören lassen. Auch der Thronwechsel in A. änderte nichts an Frankreichs Stellung. Der Nachfolger Hiephoas, der sich 28. Nov. 1883 vergiften mußte, sein 15jähriger Neffe Kienphüc, blieb dem Vertrag treu; für Ausschreitungen gegen christliche Anamiten mußte ein Prinz mit dem Tod büßen. Auch Kienphüc wurde 1. Aug. 1884 beseitigt. Der neue Kaiser wurde 3. Aug. gekrönt, nachdem er den Vertrag mit Frankreich feierlich beschworen hatte. Die Citadelle der Hauptstadt wurde den Franzosen für immer eingeräumt. Weiteres s. Tongking. Vgl. Benfey, Indien (in Ersch' und Grubers "Encyklopädie"); Aubaret, Code annamite (Par. 1864); Bastian, Die Völker des östlichen Asien, Bd. 1. (Leipz. 1866); Scherzer, Berichte über die österreichisch-ungarische Mission nach Siam etc. (Stuttg. 1872); Bouillevaux, L'Annam et le Cambodge (Par. 1875); Luro, Le pays d'Annam (das. 1877); Dutreuil de Rhins, Le royaume d'Annam (das. 1879); Hellwald, Hinterindische Länder und Völker (2. Aufl., Leipz. 1880); Devéria, Histoire des relations de la Chine avec Annam (Par. 1880); Lemire, Cochinchine française (3. Aufl., das. 1884); Launay, Histoire ancienne et moderne d'Annam (das. 1884).

Anamartesīe (griech.), Sündlosigkeit.

Anamba, Gruppe meist kleiner Inseln im NW. von Borneo, zwischen 2 und 4° nördl. Br., der niederländischen Residentschaft Riau unterstellt, 523 qkm groß mit 3200 Einw. Sie sind mäßig hoch, dicht bewaldet, bewohnt von Malaien und zerfallen in drei Abteilungen: eine nördliche, mit der Insel Siantan und dem Hafen Clermont-Tonnerre; eine mittlere, deren Hauptinsel Dschimadscha heißt, und eine nur aus kleinen Eilanden bestehende südliche Gruppe.

Anamesīt, Gestein, s. Basalte.

Anämīe (griech.), im wörtlichen Sinn "Blutlosigkeit", wird aber meist anstatt des richtigern Ausdrucks Oligämie für Blutmangel (s. d.) gebraucht und bezeichnet einen zuweilen vorübergehenden, zuweilen dauernden Zustand von krankhaft vermindertem Blutgehalt einzelner Organe oder des ganzen Körpers. Erst wenn der Blutmangel so auffallend ist, daß man ihn sofort wahrnimmt, pflegt man von A. zu sprechen, so daß dies Wort gleichbedeutend ist mit Blässe (s. d.). Die sogen. perniziöse A. ist eine in ihrem Wesen noch unbekannte Krankheit, welche mit oder ohne Fieber unter dem Bild zunehmender Blässe, Blutungen der Netzhaut und Herzverfettung zum Tod führt.

Anamirta Colebr., Gattung aus der Familie der Menispermaceen, hoch schlingende Sträucher mit großen, an der Basis meist herzförmigen Blättern, großen, vielblütigen, sehr zusammengesetzten, von den ältern Ästen herabhängenden Rispen und gestielten, schief ei-nierenförmigen Früchten. Sieben, nach andrer Auffassung nur eine oder zwei Arten des tropischen Asien. A paniculata Colebr. (Cocculus suberosus Dec., A. Cocculus Wight et Arn., Fischkörner- oder Kockelskörnerstrauch), ein mächtiger, an felsigen Meeresküsten wachsender Schlingstrauch in Ostindien, auf Ceylon, Java, Amboina und Malabar, mit armsdickem Stamm und korkartiger Rinde, großen, lederartigen Blättern, kleinen, weißen Blüten und beerenartigen, roten Steinfrüchten. Die getrockneten Früchte waren als Kockels-, Fisch-, Läusekörner offizinell. Sie sind fast kugelig, von etwa 0,5-1 cm Durchmesser, dunkel graubraun, gleichsam bestäubt, runzelig, geschmacklos, aber mit einem öligen Kern, der widrig bitter schmeckt und narkotisch giftig wirkt. Vorwaltende Bestandteile des Samens sind das Pikrotoxin C12H14O5 ^[C_{12}H_{14}O_{5}] (Cocculin, 0,4-1 Proz.) und Fett (etwa 50 Proz.), während sich in dem Fruchtgehäuse Menispermin und Paramenispermin finden, zwei kristallisierbare, geschmacklose, nicht giftige Substanzen von gleicher Zusammensetzung. Die Kockelskörner kamen zuerst im 16. Jahrh. als Gallae orientales s. Baccae cotulae elephantinae nach Deutschland; sie dienen pulverisiert gegen Ungeziefer, in Indien zum Fisch- und Vogelfang. Wirft man sie nämlich in das Wasser, so werden die Fische so betäubt davon, daß sie auf die Oberfläche kommen und sich leicht fangen lassen; der Genuß der auf diese Art vergifteten Fische dürfte aber wohl nicht unbedenklich sein. Strafbar ist die Anwendung der Kockelskörner zur Verfälschung des Biers, um an Hopfen zu sparen. Das Fett der Kerne benutzt man in Indien zu Kerzen; auch dient daselbst die Wurzel als Arzneimittel sowie die bittern Stengel unter dem Namen Putra walli gegen das Wechselfieber.

Anämisch (griech.), an Anämie (s. d.) leidend, blutarm.

Anamnēse (griech., "Erinnerung"), die Vorgeschichte einer Krankheit, bildet ein sehr wichtiges Hilfsmittel für den Arzt zum Erkennen der Krankheit und zur Beurteilung ihres mutmaßlichen Verlaufs. Nur die A. kann z. B. Aufschluß geben, ob ein Leiden durch Vererbung oder angeboren entstanden ist, oder ob es erworben ist; die A. berichtet, ob etwa eine Ansteckung, eine Epidemie an dem Ort herrscht, wo der Kranke verweilt hat, ob die Krankheit neu entstanden ist, oder ob man es mit einem Rückfall zu thun hat; kurz, sie berichtet über vielfache Fragen, welche durch eine noch so genaue objektive Untersuchung nicht entschieden werden können, und ist somit bei allen Krankheiten, namentlich aber bei Geistesstörungen, durchaus unentbehrlich. Noch wichtiger ist eine genaue A., wenn es sich bei plötzlichen Todesfällen u. dgl. um die gerichtliche Feststellung der Todesursache handelt; der Gerichtsarzt bedarf hierzu nicht nur der Angaben über Ort, Zeit und nähere Umstände des Unglücksfalls, sondern oft noch mancher Daten über das Leben des Individuums, da der bloße Befund oftmals nicht ausreicht, um eine vollständige Beurteilung des Falles zu ermöglichen.

Anamnéstik (griech.), s. v. w. Erinnerungs- oder Gedächtniskunst (s. Mnemonik). In der Platonischen Philosophie bedeutet A. die Gabe der Seele, während ihres irdischen Lebens ihrer im vorirdischen Dasein (s. Präexistentianismus) gehabten Anschauungen der Ideen des wahrhaft Seienden sich zu erinnern. S. Platon.

Anamorphōse (griech., "Umgestaltung"), absichtlich verzerrte Abbildung eines Gegenstands, die, von einem gewissen Punkt aus oder mittels gekrümmter Spiegel oder Gläser betrachtet, in richtigen Verhältnissen erscheint. Die optischen Anamorphosen bedingen einen bestimmten Standpunkt, von wo aus sie gesehen werden müssen; z. B. Figuren, die, in der Nähe betrachtet, ohne Zusammenhang stehen, reihen sich, aus einiger Entfernung gesehen, zu Namenszügen, Wörtern u. dgl. zusammen, oder mehrere ganz verschiedene Bilder, in Streifen geschnitten und auf dreiseitige Prismen