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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Anaximenes - Anchylostomum duodenale.

als seiner Ausdehnung nach Bestimmte (die Welt der besondern Naturdinge), durch Aussonderung der elementaren Gegensätze des Warmen und Kalten, des Feuchten und Trocknen vermöge der ewigen demselben innewohnenden Bewegung hervor, und in dieselbe kehrt es "nach der Ordnung der Zeit" zurück, so daß eine endlose Aufeinanderfolge entstehender und vergehender Weltbildungen sich ergibt. Zu erwähnen ist noch, daß sich bei A. die erste Erwähnung einer elternlosen Zeugung findet, indem die Erde lebende, aus Wasserblasen hervorgehende Wesen gebiert. Auch der Mensch ist ihm zufolge aus dem Tier hervorgewachsen, bewohnte anfangs in Fischgestalt das Wasser und ging später aufs Trockne über, wo er zur menschlichen Form ausreifte. Des A. Schrift "Über die Natur", angeblich die erste philosophische der griechischen Litteratur, ist bis auf sehr dürftige Bruchstücke verloren. Vgl. Schleiermacher, über die Lehre des A. (Berl. 1815); Michelis, De Anaximandri infinito (1874); Teichmüller, Studien zur Geschichte der Begriffe (Berl. 1876); Neuhäuser, A. Milesius etc. (Bonn 1883).

Anaximĕnes, griech. Philosoph der ionischen Schule, Schüler des Anaximandros, geboren zu Milet, gestorben um 500 v. Chr. Er hielt nach der Analogie des tierischen, durch Luft und Atmung bedingten Lebens die atmosphärische Luft für das Lebensprinzip des Universums. Aus derselben geht ihm zufolge durch Verdünnung das Feuer, durch Verdichtung dagegen in absteigender Reihe Wasser, Erde und Gestein hervor. Wie unsre Seele, sagt das einzige echte Bruchstück seiner verloren gegangenen Schrift "Über die Natur", Luft seiend, uns zusammenhält, so umfaßt Hauch und Luft die ganze Welt. In Übereinstimmung hiermit soll A. auch gelehrt haben, daß die im Mittelpunkt des Weltalls ruhende Erde als eine breite Fläche von der Luft getragen werde. Vgl. Teichmüller, Studien zur Geschichte der Begriffe (Berl. 1876).

Anbeiß, s. Barsch.

Anbetung (Adoration), eine bei den Morgenländern gewöhnliche Ehrenbezeigung und Begrüßungsart der Fürsten und hohen Personen, die darin bestand, daß der Grüßende sich auf die Kniee warf und mit der Stirn den Boden berührte, auch den Saum des Gewands oder die Füße des Betreffenden küßte. Alexander d. Gr. behielt das Zeremoniell nach der Eroberung des Perserreichs bei; danach adoptierten es die römischen Kaiser und nach ihnen die Päpste in dem seit dem 9. Jahrh. von ihnen geforderten Fußkuß. Aus dem bürgerlichen Leben ging jene Ehrenbezeigung frühzeitig in den christlichen Kultus über; man übte solche Zeremonien besonders vor den Bildern Christi und der Heiligen, indem man die Ehre, die ihnen erwiesen wurde, auf die Urbilder bezog. Die hierin begründete feine Unterscheidung zwischen A. Christi und Verehrung der Bilder hat die Kirche theoretisch immer festgehalten, aber das Volksbewußtsein um so weniger, als jene Ehrenbezeigungen fast aus der Sitte und dem Verkehr der Menschen untereinander verschwanden (s. Bilderdienst). Die A. der Hostie, d. h. die Kniebeugung vor derselben, ist durch Honorius III. (gest. 1227) eingeführt worden, seitdem gemäß der Brotverwandlungslehre in der Hostie der wahrhaft und leiblich gegenwärtige Christus angeschaut wurde. Ewige A. heißt die mancherorts bestehende Einrichtung, daß zu jeder Zeit nach bestimmter Ordnung eine betende Person in der Kirche sei.

Anbrüchigkeit, s. Leberegelkrankheit.

Ancachs, ein Departement der südamerikan. Republik Peru, an der Küste des Großen Ozeans bis zum Oberlauf des Marañon, mit einem Areal von 49,898 qkm (906,2 QM.) und (1876) 284,091 Einw. A. wird im N. durch Libertad, im S. durch Lima und im O. durch Junin und Huanuco begrenzt und zerfällt in sieben Provinzen. Hauptstadt ist Huaraz am Rio Santo, mit vielbesuchten Bädern und 4900 Einw. Durch das fruchtbare Thal von Recuay (3379 m) führt eine 280 km lange Eisenbahn zum Hafenplatz Chimboli (s. Peru).

Ancelot (spr. angß'loh), Jacques Arsène Polycarpe, franz. dramatischer Dichter, geb. 9. Febr. 1794 zu Havre, wurde bei der Marineverwaltung angestellt, beschäftigte sich aber eifrig mit Litteratur und wurde, nachdem er 1819 durch die Tragödie "Louis IX" seinen Dichterruf begründet hatte, zum Bibliothekar am Arsenal ernannt. Im J. 1826 ging er als Begleiter des Marschalls Marmont zur Kaiserkrönung nach Petersburg und veröffentlichte 1827: "Six mois en Russie", ein Gemisch aus Prosa und Versen, und den Roman "L'homme du monde" (4 Bde.), den er im folgenden Jahr zu einem Melodram verarbeitete. Nachdem er durch die Julirevolution Amt und Pension verloren hatte, brachte er eine Menge kleiner Komödien und Vaudevilles auf die Bühne, die aber nur geringen Wert haben. Seine Tragödie "Maria Padilla" öffnete ihm 1841 die Pforten der Akademie. Seine "Épîtres familières" zeichnen sich durch Eleganz und feine Satire aus. Er starb 7. Sept. 1854. A. hat seine Erfolge weniger der Vortrefflichkeit seiner Werke zu verdanken als den Anstrengungen seiner Partei, welche in ihm den konsequenten Gegner der romantischen Schule und den begeisterten Anhänger der Klassizität ehrte. Er hat sich außerdem um den Schutz des litterarischen Eigentums wohlverdient gemacht.

Ancenis (spr. angß'nih), Arrondissementshauptstadt im franz. Departement Niederloire, an der Loire und der Orléansbahn, hat Reste eines Schlosses, Fabriken für Zucker und landwirtschaftliche Instrumente, Handel mit Landesprodukten und (1881) 4759 Einw.

Anceps (lat., "schwankend, mittelzeitig"), in der Metrik eine Silbe, die sowohl lang als kurz gebraucht werden kann, bezeichnet mit ^ (s. Prosodie).

Anch' io sono pittōre! (ital., spr. ank io-, "auch ich bin Maler!"), oft citierter Ausspruch, den Correggio bei einer Anwesenheit in Bologna selbstbewußt vor dem Bilde der heil. Cäcilia von Raffael gethan haben soll.

Anchīses, trojan. Heros, ein Sproß aus altem Königsgeschlecht, welches seinen Ursprung auf Zeus zurückführte, Herrscherin Dardanos am Ida, durch Aphrodite Vater des Äneas. Die Göttin hatte ihm verboten, das gepflogene Liebesverhältnis kundwerden zu lassen. Da er sich aber einst des vertrauten Umgangs mit derselben rühmte, ward er von Zeus mit dem Blitz getroffen. Als Troja in Flammen aufging, trug der fromme Äneas den gelähmten Vater aus der Stadt und flüchtete mit ihm nach Italien; doch starb A. unterwegs.

Anchovibirne, s. Grias.

Anchovis, s. Anschovis.

Anchusasäure, s. Alkannarot.

Anchusīn, s. Alkannarot.

Anchylostŏmum duodenāle Dubini (Dochmius anchylostomum Molin), ein 10-18 mm langer Rundwurm aus der Familie der Strongyliden, welcher sich im Zwölffingerdarm und obern Dünndarm des Menschen vorfindet, beißt sich in die Schleimhaut fest und verursacht dadurch eine Blutung; er kommt selten einzeln, meist zu Tausenden im Darm vor und