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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Anden; Andenne; Andenpalme; Andentanne; Ander; Anderlecht; Anderledy; Anderloni; Andermatt; Andernach

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Anden - Andernach.

zur Beherrschung der Seine erbaut hat. A. hat zwei schöne Kirchen aus dem 13. Jahrh., ein Denkmal des hier gebornen Malers Nic. Poussin, eine schwefelhaltige Mineralquelle, Fabriken in Tuch, Leder etc., ansehnlichen Handel und (1881) 3883 Einw.

Anden, s. Andes.

Andenne (spr. angdan), Stadt in der belg. Provinz und Arrondissement Namur, nahe der Maas und an der Eisenbahn Lüttich-Namur, hat eine höhere Knabenschule, Papier-, Fayence- und Thonpfeifenfabriken, Brennereien feuerfester Backsteine, Steinkohlengruben, Export von Thonpfeifenerde (nach Holland) und (1883) 7503 Einw.

Andenpalme, s. Ceroxylon.

Andentanne, s. Araucaria.

Ander, Aloys, Tenorist, geb. 10. Aug. 1821 zu Liebititz in Böhmen, ward 1845 durch Vermittelung des Sängers Wild an der Wiener Hofbühne engagiert, wo er zuerst in der Rolle des Stradella, die Wild ihm einstudiert hatte, mit durchschlagendem Erfolg auftrat. Er war seitdem der Liebling des Publikums und ist auch der Kaiserstadt treu geblieben trotz lockender Engagementsanträge, die infolge seiner Gastspielreisen an ihn ergingen. Er starb 11. Dez. 1864 in Bad Wartenberg, in letzter Zeit von Geistesstörung befallen. Anders Gesang zeichnete sich weniger durch heroische Kraft und scharfe Charakteristik des Ausdrucks als durch Poesie, Innigkeit und künstlerischen Ernst aus, welcher seinen dramatischen Gestaltungen einen eigentümlichen Reiz verlieh.

Anderlecht, Fabrikort in der belg. Provinz Brabant, Vorort von Brüssel, mit Woll- und Baumwollweberei, Baumwollspinnerei und Färberei, Brauereien, Butterhandel und (1883) 24,939 Einw. Merkwürdig die Wallfahrt zu Pferde, welche hier stattfindet.

Anderledy, Antonius, General der Jesuiten, geb. 3. Juni 1819 zu Brieg im Kanton Wallis, also ein deutscher Schweizer, trat 1838 in den Jesuitenorden ein und studierte Philosophie sowie Theologie in Rom und Freiburg. Als nach Besiegung des Sonderbundes 1847 der Jesuitenorden auch aus Freiburg vertrieben wurde, begab sich A. nach Piemont und 1848, als auch hier der Jesuitenorden verboten ward, nach Nordamerika, wo er Pfarrer in Green Bay wurde. Im J. 1851 kehrte er nach Deutschland zurück und leitete zwei Jahre lang Jesuitenmissionen in Bayern, im Ermeland und am Niederrhein, bis er 1853 Rektor der theologischen Studienanstalt der Gesellschaft Jesu in Köln wurde. Sodann ward er 1856 als Rektor an das theologische Kollegium zu Paderborn berufen, 1859 Provinzial, 1865 Professor der Moraltheologie in Maria-Laach, 1859 Rektor von Maria-Laach und 1870 Assistent des Jesuitengenerals P. Beckx in Rom. Nachdem er dies wichtige Amt 13 Jahre bekleidet und sowohl Charakterfestigkeit als hohe Geistesgaben dabei bewährt hatte, wurde er von der zu Florenz versammelten Generalkongregation des Jesuitenordens, allerdings erst nach längern Verhandlungen und nicht ohne Widerstand seitens der romanischen Ordensmitglieder, 1883 zum Generalvikar erwählt und folgte, als Pater Beckx wegen hohen Alters zurücktrat, diesem 1884 als General der Gesellschaft Jesu.

Anderloni, 1) Faustino, ital. Kupferstecher, geb. 1766 bei Brescia, lebte zu Pavia, ist besonders bekannt durch seine Stiche für wissenschaftliche Werke, z. B. in Scopolis "Deliciae florae et faunae insubricae" (1786-88). In Mailand arbeitete er nach Guido Reni (die Himmelfahrt), Raffael, Correggio u. a. Die Führung seines Stichels zeichnet sich durch Kraft und Klarheit aus. A. starb 1847.

2) Pietro, ital. Kupferstecher, Bruder des vorigen, geb. 1784 zu Sant' Eufemia im Brescianischen, war Schüler seines Bruders und Longhis und übernahm 1831 an dessen Stelle die Leitung der Kupferstecherschule zu Mailand. Er starb 13. Okt. 1849 auf seinem Landgut Cabiate bei Mailand. Anderlonis Vorzüge im Stich beruhen besonders darauf, daß er in alle Eigentümlichkeiten der Malerwerke genau einzugehen und sie in echt malerischer Weise wiederzugeben vermochte. Das Ausgezeichnetste leistete er in der Reproduktion von Bildern Tizians und Raffaels.

Andermatt, Kirchdorf im schweizer. Kanton Uri, das Haupt des Urserenthals, an der St. Gotthardstraße, 1440 m ü. M., mit einem Kapuzinerhospiz und (1880) 722 Einw., die meist vom Fremdenzug der Hochalpenpässe Oberalp, St. Gotthard und Furka leben. A. lag im Mittelalter am Fuß der Kirchbergs, wo es durch eine Lawine gänzlich zerstört wurde.

Andernach, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Koblenz, Kreis Mayen, links am Rhein, unweit der Einmündung der Nette und an der Linie Köln-Bingerbrück (von hier Zweigbahn nach Mayen) der Preußischen Staatsbahn, eine der ältesten Rheinstädte mit basteiartigen Mauern, ist unregelmäßig und winkelig gebaut. Zu den Merkwürdigkeiten der Stadt gehören: die prachtvolle kath. Pfarrkirche (St. Genoveva), eine gewölbte spätromanische Pfeilerbasilika mit vier Türmen, im Unterbau des nordöstlichen Turms mutmaßlich in die karolingische Zeit zurückreichend, während Chor (seit 1856 restauriert) und Schiff dem 12. und 13. Jahrh. angehören; ferner die Ruine der großartigen ehemaligen Burg der Kölner Erzbischöfe (von Friedrich I. 1109 erbaut, 1688 zerstört); der gewaltige, architektonisch und historisch merkwürdige Wachtturm (1448-52 erbaut); das Rheinthor, angeblich aus den Zeiten der Merowinger, mit dem alten Wahrzeichen der Stadt (zwei lebensgroße Steinfiguren); der Rheinkran (1554 erbaut); endlich das Judenbad, große und tiefe Gewölbe unter dem Rathaus. A. hat ein Amtsgericht, Progymnasium, eine Provinzialirrenanstalt, eine Irrenbewahranstalt (St. Thomas), Hospital, Fabriken für Zigarren, Chemikalien, Malz und Parfümerien, Bierbrauerei, Schiffahrt, Handel mit Mühlsteinen und Traß und (1880) 5668 Einw. (544 Evangelische und 99 Juden). In der Nähe der Stadt, am Kirchberg, hat man römische Grabmäler gefunden, und fast überall stößt man beim Fundamentieren neuer Häuser auf Aschenkrüge, Vasen, verrostete Waffen u. dgl. - A. (Antunnacum), der Hauptort des alten sagenhaften Mayenfeldes, ist das römische Castellum ante Nacum ("vor der Nette"), das von Drusus 13 oder 9 v. Chr. gegründet und nach den Verheerungen durch die Alemannen 359 von Julian wiederhergestellt wurde. Im J. 876 erlitt bei A. Karl der Kahle durch Ludwig II., Sohn Ludwigs des Deutschen, und 939 die aufständischen Herzöge Eberhard und Giselbert durch die von König Otto I. gesandten Truppen eine Niederlage; ebenso wurde hier 1114 Kaiser Heinrich V. von den mit dem Erzbischof von Köln vereinigten Sachsen besiegt. Um 1109 erhielt A., das damals unmittelbar dem Reiche gehörte, Mauern und wurde dadurch Stadt, kam 1167 an Kurköln, trat 1253 dem Rheinischen Städtebund bei und suchte sich dann der Herrschaft des Erzbischofs zu entziehen. Erst 1496 hat die Stadt auf ihren Anspruch der Reichsfreiheit verzichtet. Hier ward 31. Dez. 1474 zwischen Kaiser Friedrich III., den vier rheinischen Kurfürsten und Frankreich ein Bund abgeschlossen. Im J. 1632 wurde A. von den Schweden genommen, 1646 dagegen von Turenne vergeblich be-^[folgende Seite]