Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Andrássy; André

551

Andrássy - André.

sang" (mit Gavarret und Delafond; deutsch von Walther, Nördling. 1842).

Andrássy (spr. ánndrāschi), ungar. Grafengeschlecht mit dem Prädikat von Szent-Király und Kraszna-Horka, stammt aus Siebenbürgen, wo 1548 ein Martin A. als Rat der Szekler erscheint, und wo die A. 1550 das Domanialgut Szent-Király erhielten, siedelte dann nach Ungarn über, wo es 1585 Kraszna-Horka erwarb, erhielt 1790 den Grafentitel und teilt sich in zwei Linien, zählt aber nur noch wenige Familien. Merkwürdig sind:

1) Karl, Graf, der ältern Linie angehörig, geb. 29. Febr. 1792 zu Rosenau im Komitat Gömör, war eifriger Patriot und Mitglied der Opposition, in deren Reihen er auf den Reichstagen 1839 und 1844 sich als schlagfertiger und gedankenreicher Redner auszeichnete. Auch war er als Vorsitzender der Theißregulierungsgesellschaft sowie als Mitglied des Bergwerk- und Fabrikvereins mit Erfolg thätig. Außer zahlreichen Beiträgen in ungarische Journale veröffentlichte er in deutscher Sprache "Umrisse einer möglichen Reform in Ungarn". Er starb 1845 in Brüssel.

2) Emanuel, Graf, ältester Sohn des vorigen, geb. 3. März 1821, war auf dem Reichstag von 1847 Mitglied der Opposition, 1848 Obergespan des Komitats Torna, unternahm nach der Katastrophe von Világos eine Reise nach Ostindien und China, die er in einem von ihm selbst illustrierten Prachtwerk beschrieb. Im J. 1860 wurde er Obergespan des Komitats Zemplin.

3) Gyula (Julius), Graf, Bruder des vorigen, geb. 8. März 1823 zu Zemplin, zeichnete sich auf dem Reichstag von 1847 bis 1848 als glänzender Redner aus und erwarb sich auch als Schriftsteller Ruf. Doch zeigte sich das Talent für äußerliche Effekte stets bedeutender als der Ideengehalt, vor allem die Gabe, die Dinge praktisch zu fassen und sich ohne tiefere Detailkenntnisse in jeder Frage rasch zurechtzufinden. Er war 1848 unter dem Aprilministerium Obergespan von Zemplin und Führer des Zempliner Landsturms bei Schwechat. Später ging er als Gesandter der Debrecziner Regierung nach Konstantinopel, wo er bedeutende Thätigkeit entwickelte und auch noch später auf die Behandlung der ungarischen Emigration von seiten der türkischen Regierung bestimmenden Einfluß ausübte. Im Januar 1850 ward A. kriegsrechtlich zum Tode durch den Strang verurteilt und 22. Sept. 1852 im Bild gehenkt. A. lebte damals in Paris. Im J. 1856 auf seine Bitte amnestiert, kehrte er 1860 in sein Vaterland zurück und wurde wieder Obergespan von Zemplin. In das Unterhaus gewählt, vertrat er entschieden das Deák-Programm und ward 1866 zweiter Präsident des Unterhauses. Nach dem Zustandekommen des Ausgleichs wurde A. im Februar 1867 an die Spitze des ungarischen Ministeriums berufen, in welcher Stellung er sich nicht bloß um die staatsrechtliche Ausbildung der neuen Verhältnisse zwischen Ungarn und Österreich im Anschluß an das treu festgehaltene Deák-Programm ein hohes Verdienst erwarb, sondern auch auf die zeitgemäße Entwickelung der innern Verhältnisse Ungarns im freiheitlichen Sinn den bedeutendsten Einfluß übte, trotz mancher Angriffe von seiten der extremen Parteien verehrt und gefeiert. Seinem nüchternen, verständigen Urteil war es ebenso wie seiner Haltung Deutsch-Österreichs zuzuschreiben, daß Österreich 1870 neutral blieb, weshalb nach dem Fall des cisleithanischen Ministeriums Hohenwart und nach dem dadurch veranlaßten Sturz Beusts im November 1871 A. als Ministerpräsident des letztern Nachfolger und damit Leiter der gemeinsamen und auswärtigen Angelegenheiten der österreichisch-ungarischen Monarchie wurde. A. wußte sich namentlich das Vertrauen der fremden Regierungen zu gewinnen, und auf diesem fußend suchte er Österreich wieder eine feste Stellung in Europa zu verschaffen. Namentlich mit Bismarck verband ihn bald ein engeres, auf gegenseitigem Vertrauen beruhendes Verhältnis, und A. ging daher auch 1872 bereitwillig auf dessen Plan ein, die völlige Aussöhnung zwischen Österreich und Rußland herbeizuführen und das Dreikaiserbündnis zur Grundlage eines neuen, den Frieden Europas verbürgenden Systems zu nehmen. Dadurch, daß die gemeinschaftliche Erledigung aller politischen Fragen ausgemacht wurde, glaubte A. Österreich gegen jede einseitige Lösung der orientalischen Frage zu sichern und beobachtete daher während des russisch-türkischen Kriegs Zurückhaltung. Erst als die maßlose Ausbeutung der russischen Siege im Frieden von San Stefano (3. März 1878) Österreichs Interessen zu gefährden drohte, forderte und erhielt A. von den Delegationen 60 Mill. Fl. für etwa erforderliche Rüstungen und sprach seine Zuversicht auf völlige Wahrung der österreichischen Interessen aus; er betrieb auch die Berufung eines Kongresses, um den Frieden von San Stefano zu beraten und mit den europäischen Interessen in Einklang zu bringen. Auf dem Berliner Kongreß vertrat er Österreich als erster Bevollmächtigter und erlangte von den Mächten die Zustimmung zu dem Einmarsch der Österreicher in Bosnien und die Herzegowina, um die Ruhe und Ordnung in diesen Provinzen herzustellen und diesen Herd slawischer Agitationen unter österreichische Botmäßigkeit zu bringen. Die Opfer an Menschen und Geld, welche die Okkupation forderte, erregten wieder allgemeine Opposition gegen A., der indes schließlich von der Majorität der Delegationen die Zustimmung zu seiner Politik erlangte. In allen seinen Reden ein gewandter, scharfblickender Fechter, der persönlichen Huld seines Monarchen sicher, der ihm die höchste Auszeichnung, den Orden des Goldenen Vlieses, verlieh, konnte dennoch A. die wachsenden Angriffe auf seine Orientpolitik seit dem Bekanntwerden der Konvention mit der Pforte vom 21. April 1879 nur immer mühsamer, insbesondere in Ungarn, abwehren, und die Gestaltung des Ausgleichsministeriums Taaffe in Cisleithanien bestärkte den für die öffentliche Meinung feinfühligen Premier, an den Rückzug zu denken; er nahm 8. Okt. 1879 seine Entlassung. Vgl. "Graf A. und seine Politik" (Wien 1871); Kakay (Abrányi), Graf Julius A. (Pest 1879).

4) Georg, Graf, Haupt der jüngern Linie, geb. 5. Febr. 1797, zeigte sich auf dem Landtag stets entschieden konservativ, ließ sich aber dabei die Förderung des materiellen und geistigen Wohls seiner Landsleute sehr angelegen sein. Auch stand er als Direktor an der Spitze der ungarischen Akademie. Nach Apponyis Rücktritt im April 1862 zum Judex Curiae, zum obersten Landesrichter Ungarns, ernannt, bemühte er sich, einen Ausgleich anzubahnen, und stellte an der Spitze der Altkonservativen im September 1864 eine Art Programm zur Lösung der ungarischen Frage auf, fand sich aber veranlaßt, noch in demselben Monat seine Entlassung als Judex Curiae einzureichen. Er starb 19. Dez. 1872 in Wien.

André, 1) bekannte Musiker- und Musikalienverlegerfamilie, deren hervorragendste Glieder sind:

1) Johann, geb. 28. März 1741 zu Offenbach, gründete daselbst 1774 die noch heute blühende Andrésche Musikalienhandlung, war dann mehrere Jahre Musikdirektor in Berlin, von wo er 1784 nach Offenbach