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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Andreäaceen; Andreani; Andreas

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Andreäaceen - Andreas.

ward 1614 Diakon zu Vaihingen, 1620 Superintendent in Kalw, 1639 Hofprediger in Stuttgart, 1650 Generalsuperintendent von Bebenhausen und Abt von Adelberg und starb 27. Juni 1654 in Stuttgart. Den dogmatischen Streitigkeiten der Zeit gegenüber betonte er die Wichtigkeit eines praktischen, in der Liebe thätigen Christentums und faßte den Plan zur Begründung einer religiösen Brüderschaft, welche die Verkehrtheiten der Gesellschaft bekämpfen und als Zeichen das Sinnbild des Leidens in Liebe, das Kreuz in der Rose, führen sollte. Was er wollte, wurde jedoch mißverstanden und wahrscheinlich die Veranlassung, daß man ihn für den Stifter oder Erneuerer des Ordens der Rosenkreuzer (s. d.) ausgab, dessen Unwesen er selbst verspottete. Seine Schriften sind teils lateinisch, teils deutsch (im schwäbischen Dialekt) geschrieben und zeichnen sich durch eine Fülle von scharfsinnigen und sittlich kräftigen Gedanken aus. Die bedeutendsten sind: "Christlich Gemäl" (Tübing. 1612); "Hercules christianus" (Straßb. 1615; deutsch, Frankf. 1845); "Chymische Hochzeit Christiani Rosenkreuz" (1616); "Menippus sive satyricorum dialogorum centuria" (1617); "Geistliche Kurzweil" (Straßb. 1619), eine Sammlung von Gedichten, worin er, der mühseligen gelehrten Dichtung der Zeitgenossen spottend, den alten Volkston anschlug. Herder machte zuerst wieder auf die Bedeutung der Schriften Andreäs aufmerksam. Vgl. Herder, Andreäs Dichtungen mit einer Vorrede zur Beherzigung unsers Zeitalters (Leipz. 1786); Hoßbach, A. und sein Zeitalter (Berl. 1819).

3) Brami, Maschinenkonstrukteur, geb. 1819 zu Frankfurt a. M., besuchte das Polytechnikum in Karlsruhe und wurde nach längerer praktischer Lehrzeit und vielfachen Instruktionsreisen 1837 Chef des Konstruktionsbüreaus der Maschinenfabrik der Hamburg-Magdeburger Dampfschiffahrtskompanie in Buckau, deren Ruf er bereits in den ersten fünf Jahren seiner Thätigkeit über Deutschlands Grenzen verbreiten half. Im J. 1848 ging er nach Amerika, suchte dort die Zuckerfabrikation nach europäischem Muster einzuführen, kehrte aber nach sieben an Mißgeschick reichen Jahren zurück und wurde Direktor der Buckauer Maschinenfabrik. Er starb 7. Mai 1875. Besondere Verdienste hat sich A. durch die Einführung der Corliß-Dampfmaschine und des Rillieuxschen Verdampfapparats für Zuckerfabriken sowie durch zahlreiche Verbesserungen auf dem Gebiet des allgemeinen Maschinenbaus erworben.

Andreäaceen, Familie der Laubmoose (s. Moose).

Andreani, Andrea, ital. Kupferstecher und Formschneider, wahrscheinlich gegen 1560 geboren, war Meister im Tondruck mit mehreren Platten, wie solchen vor ihm Hugo da Carpi geübt hatte. Im J. 1584 arbeitete er in Florenz, 1586 in Siena, zuletzt (seit 1593) in Mantua, wo er 1610 starb. Nach andern starb er 1623 in Rom. Meisterstücke von ihm sind: der Untergang Pharaos, nach Tizian; der Triumph des Julius Cäsar (1598), in 10 Blättern, nach Mantegna; Christi Triumph, nach Tizian, 4 Blätter.

Andreas ("der Männliche"), 1) einer der zwölf Jünger Jesu, Bruder des Simon Petrus, tritt in der evangelischen Geschichte wenig hervor, während ihn die Sage in Kappadokien, Galatien, Bithynien und Skythien bis an die Wolga (daher Schutzpatron Rußlands) das Evangelium predigen, auf der Rückreise die Kirche von Byzanz gründen und dann zu Patra in Achaia den Märtyrertod erleiden läßt und zwar an einem Kreuz von der Form des Andreaskreuzes. Gedächtnistag ist der 30. November. Die vorhergehende Nacht (Andreasnacht) gehört im Volksglauben zu den gesegneten Zeiten des Jahrs, in welchen unter anderm junge Burschen und Mädchen den zukünftigen Gatten erblicken können. Den Namen des Apostels A. tragen zwei noch vorhandene Apokryphen, die "Acta Andreae" und die "Acta Andreae et Matthiae" (beide hrsg. von Tischendorf in den "Acta apostolorum apocrypha", Leipz. 1851).

2) Erzbischof von Kraina in Epirus oder Albanien (nicht, wie fälschlich genannt, Erzbischof von Krain und Kardinal), ein Udineser, Dominikaner und Doktor der Theologie, ward 1476 vom Papst Sixtus IV. auf den erzbischöflichen Stuhl erhoben und vom Kaiser Friedrich III. zweimal mit einer Mission an den Papst beauftragt. Bei seiner zweiten Anwesenheit in Rom scheint er durch scharfe Kritik der römischen Verhältnisse den Zorn des Papstes erregt zu haben. Er wurde in der Engelsburg eingesperrt, aber auf die Verwendung des Kaisers bald wieder freigelassen und ging nun verbittert nach Basel, das er für sich gewann, und wohin er unter dem Titel eines kaiserlichen Sendboten für Mai. 1482 eine allgemeine Kirchenversammlung ausschrieb. Ein gegen ihn erlassenes Breve hatte ebensowenig Erfolg wie eine kaiserliche Abmahnung, die Baseler nahmen seine Partei; als aber der abgesandte päpstliche Bote mit kirchlichen Strafen drohte, lieferten sie A. zwar nicht aus, setzten ihn aber ins Gefängnis, in dem man ihn 1484 erhängt fand. Sein Leichnam wurde in einem Faß, worauf das päpstliche Urteil genagelt war, in den Rhein versenkt. Vgl. Burckhardt, Erzbischof A. (Bas. 1853).

Könige von Ungarn: 3) A. I. (1046-58), der vierte ungar. König aus dem Haus Arpad, lebte als Flüchtling in Rotrußland und Polen, bis ihn die Ungarn 1046 nach des Usurpators Peter Entthronung zum König ausriefen. Obgleich er das von der nationalen Heidenpartei verfolgte Christentum begünstigte, kündigte ihm Kaiser Heinrich III. wegen der Entthronung Peters als seines Vasallen den Krieg an. Dieser Krieg (1049-52) verlief für A. glücklich und wurde unter Vermittelung des Papstes Leo IX. durch einen Frieden beendigt, worin Heinrich III. auf die Forderung eines Tributs verzichtete, auch zugleich ein Freundschaftsbund mit dem Deutschen Reiche geschlossen ward. Bald darauf geriet A. mit dem König Peter von Kroatien in Krieg, dann in Fehde mit seinem Bruder Bela, der, als A. noch keinen Sohn hatte, zum Nachfolger ernannt, 1058 dem siebenjährigen Prinzen Salomon hatte weichen müssen. Von Boleslaw von Polen und unzufriedenen Ungarn unterstützt, griff Bela den mit Kaiser Heinrich IV. verbündeten A. an, der 1058 an der Theiß Sieg und Leben verlor. -

4) A. II. (1205-36), von seinem Kreuzzug der Hierosolymitaner genannt, Sohn Belas III., ein Bruder des Königs Emmerich, stürzte im Verein mit seiner leidenschaftlichen Gemahlin Gertrud Ungarn in schwere innere Unruhen. Nachdem Gertrud 1213 durch eine Adelsverschwörung getötet worden war, unternahm A. 1217 mit andern Fürsten einen Kreuzzug nach Palästina, der, anfangs glücklich, durch Uneinigkeit der verbündeten Fürsten bei der Belagerung der Feste auf dem Berg Tabor scheiterte. A. kehrte nach Ungarn zurück, wo er bis zu seinem Tod (1236) mit Empörungen zu kämpfen hatte. Unter ihm wurde 1222 die Bulla aurea, die Konstitution Ungarns, gegeben. -

5) A. III., der Venezianer, Enkel A.' II., Sohn des Stephanus Posthumus (1290-1301), erst Herzog von Slawonien, Dalmatien und Kroatien, gelangte, als der einzige noch