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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Andreasberg - Andrei.

übrige Sprößling des Hauses Arpad, zur Regierung. Von seinen Nebenbuhlern war der gefährlichste Karl Martell von Neapel, der vom Papst begünstigt und in Dalmatien und Kroatien als König anerkannt wurde, ohne an sein Ziel zu gelangen. Später hatte A. mit Magnatenaufständen zu kämpfen und starb 13. Jan. 1301. Mit ihm erlosch das Haus Arpad.

Andreasberg, s. Sankt Andreasberg.

Andreasdukaten, Goldmünze mit dem Bildnis des heil. Andreas. Es gibt braunschweigisch-lüneburgische, von 1726 und 1730, und russische Doppelrubel, unter Peter d. Gr. und Elisabeth geprägt, 4,095 und 3,222-3,244 g schwer, von 18 Karat 9 Grän, resp. 22 Karat fein und einem Goldgehalt von 3,1990, resp. 2,9537-2,9734 Grän.

Andreasgroschen, s. Andreasthaler.

Andreasgulden, flandr. Goldmünze, 1470 von Karl dem Kühnen geschlagen, stand im Werte dem Goldgulden gleich. Über silberne A. vgl. Andreasthaler.

Andreaskreuz (Crux decussata), ein Kreuz mit schräg gestellten Balken (☓). Der Name rührt von dem Apostel Andreas her, der nach der Sage bei seiner Hinrichtung an ein solches Kreuz genagelt worden sein soll. Das A. stand in hoher Verehrung, da es zugleich Abbreviatur von Christus (Χ, griech. Chi) war. Als burgundisches Wappen wird es auch burgundisches Kreuz genannt. S. Kreuz.

Andreasnacht, s. Andreas 1).

Andreasorden, 1) höchster russ. Orden, früher "das blaue Band" genannt, wurde von Peter I. 30. Nov. (10. Dez.) 1698 für Auszeichnung im Türkenkrieg gestiftet, später auch für andre Verdienste verliehen. Die Organisation datiert vom Jahr 1720. Der Orden hat nur eine Klasse und wird nur Personen vom Generalleutnantsrang, welche den Alexander-Newskij- und den Weißen Adlerorden haben, den sie am Hals, resp. im Knopfloch tragen, verliehen. Zwölf Ritter erhalten jährliche Pensionen. Die Dekoration besteht in einem goldenen, schwarz emaillierten, zweiköpfigen, gekrönten Adler mit ausgebreiteten Flügeln. Auf dem Adler liegt ein dunkelblaues Andreaskreuz mit dem heil. Andreas in natürlicher Farbe mit goldener Binde. Der Revers zeigt nur den Doppeladler. Auf den Ecken des Kreuzes steht: S. A. P. R. (Sanctus Andreas, Patronus Russiae). Die Dekoration wird von einer Krone gehalten, an der das himmelblaue Band oder die Kette befestigt wird. Der achtstrahlige silberne Stern hat in der Mitte ein Medaillon, den kaiserlichen Doppeladler, um den sich eine Schlange windet; ein blauer Kreis mit der Inschrift: "Für Treue und Glauben" in russischer Sprache umgibt das Medaillon. An Offiziere wird der Orden mit Schwertern verliehen. Das Ordenskleid ist ein grünsamtener Mantel, mit Weiß gefüttert und mit Silber besetzt, ein Samthut mit roten Federn. Dazu tragen die Ritter eine Kette aus drei abwechselnden Gliedern. Der Ordenstag ist der 30. November. S. Tafel "Orden".

2) Schottischer Orden, s. Distelorden.

Andreasthaler, hannöv. Silbermünze, aus 15 8/9-lötigem Harzer Silber mit dem Bilde des heil. Andreas = 2 Fl. im 18-Guldenfuß = 4,68 Mk. Der halbe A. war der Andreasgulden oder Harzgulden. Der Andreasgroschen war ein Groschenstück des Konventionsfußes, der Andreasmariengroschen ⅔ des vorigen.

Andree, 1) Karl, Geograph und Publizist, geb. 20. Okt. 1808 zu Braunschweig, studierte in Jena, Göttingen und Berlin historische Wissenschaften, ward 1830 in burschenschaftliche Untersuchungen verwickelt und warf sich nach seiner Freisprechung in die publizistische Laufbahn. Er redigierte nacheinander die "Mainzer Zeitung" (seit 1838), die "Oberdeutsche Zeitung" (in Karlsruhe), dann seit 1843 die "Kölnische Zeitung", seit 1846 die "Bremer Zeitung", von 1848 bis 1851 die "Deutsche Reichszeitung" in Braunschweig und gründete 1851 das "Bremer Handelsblatt", das durch ihn rasch zu Bedeutung gelangte. Seit 1855 lebte er ausschließlich geographischen und ethnologischen Studien, erst in Leipzig, wo er 1858 bis 1870 zugleich Konsul der Republik Chile für das Königreich Sachsen war, später in Dresden. Er starb 10. Aug. 1875 in Bad Wildungen. Von seinen Schriften sind als die bedeutendsten zunächst zu nennen: "Nordamerika in geographischen und geschichtlichen Umrissen" (2. Aufl., Braunschw. 1854); "Buenos Ayres und die Argentinische Republik" (Leipz. 1856). In seinen "Geographischen Wanderungen" (Dresd. 1859, 2 Bde.) hob er dann besonders das ethnologische Moment hervor und führte aus, daß die Völkerkunde als eine Hauptgrundlage der Staatswissenschaft zu betrachten sei. Endlich versuchte er in seiner "Geographie des Welthandels" (Stuttg. 1863 bis 1872, 2 Bde.) mit Glück eine neue Behandlung der Handelsgeographie anzubahnen, indem er gleichfalls das ethnologische Moment in Rechnung zog. Im J. 1861 gründete A. die Zeitschrift "Globus" (Hildburgh. 1861-66, Braunschw. 1867 ff.), deren Leitung nach seinem Tod R. Kiepert übernahm.

2) Richard, Ethnograph, Sohn des vorigen, geb. 26. Febr. 1835 zu Braunschweig, studierte in Leipzig Naturwissenschaften und befand sich 1859-63 in einer praktischen Stellung in Böhmen, wo er sich rege für die nationalen Kämpfe zwischen Deutschen und Tschechen interessierte, wie seine spätern Schriften: "Nationalitätsverhältnisse und Sprachgrenze in Böhmen" (2. Aufl., Leipz. 1871) und "Tschechische Gänge" (Bielef. u. Leipz. 1872), beweisen, in denen er vom deutsch-nationalen Standpunkt aus die Übergriffe der Slawen bekämpft. Seine letzte Arbeit nach dieser Richtung sind die "Wendischen Wanderstudien" (Stuttg. 1874). In Leipzig sich niederlassend, lieferte A. außerdem zahlreiche Aufsätze in Zeitschriften und veröffentlichte die Werke: "Vom Tweed zur Pentlandföhrde" (Reiseschilderung, Jena 1866); "Ethnographische Parallelen und Vergleiche" (Stuttg. 1878), für die vergleichende Behandlung der Völkerkunde mustergültig; "Zur Volkskunde der Juden" (Leipz. 1881); "Die Metalle bei den Naturvölkern" (das. 1884); mehrere populäre Schriften aus der Entdeckungsgeschichte, wie "Der Kampf um den Nordpol" (4. Aufl., das. 1883) u. a. Seit 1874 ist er Dirigent der von ihm mitbegründeten Geographischen Anstalt von Velhagen u. Klasing in Leipzig, als welcher er einen mit O. Peschel entworfenen "Physikalisch-statistischen Atlas des Deutschen Reichs" (1877), mehrere Schulatlanten und neuerlich einen Handatlas nebst "Geographischem Handbuch" (1882) herausgab.

Andrei, Bogoljubskij (so genannt von Bogoljubowo, seinem Landsitz), russ. Großfürst, der Begründer jener Politik, welche nach der Epoche der Teilfürstentümer die Gründung eines einheitlichen großen Reichs anbahnte. Sein Geburtsjahr ist unbekannt, er herrschte als Großfürst in Susdal 1158-1174. Seinem Einfluß und seiner Politik war es zu danken, daß der Schwerpunkt des russischen Staatswesens von Kiew in den Nordosten des Reichs verlegt wurde. Obgleich er die Stellung eines Großfürsten von Kiew einnahm, verschmähte er es, dort zu re-^[folgende Seite]