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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Anglesey; Anglesīt; Angleterre; Anglia; Anglikanische Kirche

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Anglesey - Anglikanische Kirche.

an Lord Hills Stelle Oberst und Chef der reitenden Grenadiergarde, 1846 Feldmarschall; er starb 28. April 1854.

Anglesey (spr. änggl'ssih), brit. Insel im Irischen Meer, an der Nordküste des Fürstentums Wales, von dem sie durch die Menaistraße (s. d.) getrennt wird, bildet eine besondere Grafschaft und umfaßt 783 qkm (14,2 QM.) mit (1881) 51,416 Einw. Die Insel hat einen lehmigen und sehr ergiebigen Sandboden und ist fast völlig flach. In der Mitte zieht von O. nach W. eine Hügelreihe mit dem Parysberg (140 m), dessen früher sehr reiche Kupfergruben immer noch wichtig sind. Die Küsten sind mit Felsen und Klippen umgeben und reich an Buchten und Ankerplätzen. Das Klima ist mild, die Luft im allgemeinen rein und gesund, Ackerbau und Viehzucht stehen in hoher Blüte; 32 Proz. sind Ackerland, 45 Proz. Weide. An Vieh zählte man 1883: 44,271 Rinder, 43,008 Schafe und 17,171 Schweine. Kupfer und Steinkohlen werden gewonnen, doch ist die Ausbeute an ersterm sehr gesunken (s. Amlwch). Dicht an der Westseite liegt die Insel Holyhead (s. d.). Hauptstadt der Grafschaft A. ist Beaumaris. - A. ist die Insel Mona des Tacitus und war ein Hauptsitz des Druidenkultus, den die Römer (61 n. Chr.) nach verzweifeltem Widerstand der Priester und der Bevölkerung ausrotteten. Der Sachse Egbert nahm im 9. Jahrh. die Insel in Besitz, verlor sie aber wieder an die Fürsten von Nordwales, deren Herrschersitz sie blieb, bis Eduard I. Wales für immer unterwarf.

Anglesīt (Bleisulfat, Bleivitriol, Vitriolbleierz), Mineral aus der Ordnung der Sulfate, findet sich in rhombischen Kristallen einzeln aufgewachsen oder zu Drusen verbunden, ist wasserhell und farblos, auch grau oder gelblich bis braun, durchsichtig oder durchscheinend mit Diamant- oder Fettglanz, Härte 3, spez. Gew. 6,29-6,35, besteht aus Bleisulfat PbSO4 ^[PbSO_{4}] und findet sich gewöhnlich in den obern Teufen der Bleiglanzlagerstätten als Zersetzungsprodukt derselben, so im Harz, im Schwarzwald, in Kärnten, auf Anglesey, Sardinien, im Ural und besonders schön kristallisiert in Pennsylvanien. A. wird gelegentlich mit den gleichzeitig brechenden Bleierzen verhüttet.

Angleterre (franz., spr. angglĕtähr), England.

Anglia (neulat.), England.

Anglikanische Kirche (Anglokatholische Kirche, Established church of England), die Staatskirche in England, welche hinsichtlich der Lehre den reformierten Kirchen beizuzählen ist, in Kultus und Kirchenverfassung aber zwischen Katholizismus und Protestantismus die Mitte hält. Diese ihre eigentümliche Stellung erklärt sich aus der Art und Weise ihrer Entstehung. Die Reformation Englands ist nicht wie die deutsche aus einer religiösen Bewegung des Volks hervorgegangen, an deren Spitze sich dann die Großen gestellt hätten, sondern der Bruch mit Rom war die Folge des launenhaften Eigenwillens eines tyrannischen Königs. Erst als unter den Nachfolgern desselben sich zeigte, wie eng die politische mit der religiösen Freiheit verbunden sei, wurde im Kampf mit politischer Willkür der englische Volksgeist eng an den Protestantismus gekettet. Vorbereitet war zwar auch hier die Reformation, teils durch Wiclef und die Lollarden, teils durch die Humanisten. Gleichwohl mußte jede reformatorische Bewegung so lange vergeblich bleiben, als nicht die politische Gewalt des Staats sich mit ihr verbunden hatte. Heinrich VIII., der das Band mit Rom zerriß, war seiner ganzen Denkweise nach der römischen Lehrauffassung völlig zugethan, wie er denn nicht allein die protestantisch Gesinnten in seinem Land verfolgt, sondern auch durch eine Streitschrift gegen Luther sich den Ehrentitel eines Beschützers des Glaubens erworben hatte. Erst als der Papst seine Ehe mit Katharina von Aragonien nicht auflösen wollte, ließ der König vom Parlament die bisherigen Rechte des Papstes vernichten und schloß 1532 ohne päpstliche Dispensation seine Ehe mit Anna Boleyn. Als der Papst 1534 den Bann über ihn aussprach und 3. Nov. 1534 die Suprematsakte den König zum Haupte der englische Kirche machte, 1536-40 die sämtlichen Klöster und Abteien unter Einziehung ihres Vermögens aufgehoben wurden, ward der Bruch mit Rom unheilbar. Doch blieb die neukonstituierte Kirche ihrem Wesen nach in Kultus und Lehre katholisch, da den König kein religiöser Beweggrund bestimmte, und nur in wenigen Punkten konnten der evangelisch gesinnte Erzbischof Cranmer und der Staatssekretär Cromwell für eine vermittelnde Auffassung Raum gewinnen. Im J. 1539 bedrohten die sechs Blutartikel jeden Angriff auf die Lehren von der Transsubstantiation und der Kelchentziehung, von dem Cölibat und der Unauflöslichkeit des Keuschheitsgelübdes, von der Ohrenbeichte und den Seelenmessen mit dem Tod. Zwar wurden fortwährend durch Cranmer einzelne Mißbräuche abgeschafft, aber noch 1547 erneuerte der König das Verbot der Bibel. Erst unter Eduard VI., der von Cranmer erzogen war, und unter dem der Reformation günstigen Herzog von Somerset durften die unter Heinrich Verbannten zurückkehren. Auch wurden ausländische Gelehrte, wie Martin Bucer u. a., berufen, unter deren Beihilfe die Liturgie geändert ward. Im J. 1549 wurde das Abendmahl unter beiderlei Gestalt eingeführt und die Priesterehe gestattet; ein von Cranmer verfaßtes Homilienbuch trug zur Reform des Gottesdienstes im evangelischen Sinn viel bei. Das von Cranmer entworfene allgemeine Gebetbuch erhielt 1549 durch die erste Uniformitätsakte kirchliche Sanktion. Durch den Einfluß des Auslandes empfing die a. K. den reformierten Charakter, der schon in der zweiten Uniformitätsakte (1552), in der Revision des allgemeinen Gebetbuches und in dem Glaubensbekenntnis der 42 Artikel von demselben Jahr sich deutlich ausspricht. Die Herrschaft der katholischen Maria (1553-58) brachte eine kurze blutige Reaktion des Katholizismus. Bald nach Elisabeths Thronbesteigung aber ward 1. Febr. 1559 die Suprematie der Krone wiederhergestellt. Die neue Uniformitätsakte von 1559 führte das revidierte Gebetbuch ein, und mit der Feststellung der 39 Artikel (1571), der Einführung des neuen Katechismus und einer revidierten Bibelübersetzung war der Bau der englischen Staatskirche vollendet. Dieselbe ruht auf der Voraussetzung, daß Kirche und Staat sich decken. Es erschien daher jeder kirchliche Ungehorsam als Insubordination und Hochverrat, und die Gesetzgebung der letzten Jahre Elisabeths wandte sich nicht bloß gegen die Katholiken, sondern auch gegen die Presbyterianer und Puritaner, welche an dem Ritual und der Hierarchie Anstoß nahmen, wie gegen andre unter den Namen Nonkonformisten oder Dissenters, Independenten (s. diese Artikel) etc. zusammengefaßte Sekten. Jakob I. gab alles Kirchengut in dem unterworfenen Irland dem aufgezwungenen anglikanischen Klerus, obwohl das Land katholisch blieb. Die Bedrückung der Katholiken hatte 1641 das entsetzliche irische Blutbad zur Folge, in welchem die Mehrzahl der Protestanten ermordet wurde, die Überlebenden die Insel verlassen mußten. Als aber unter Karl I. durch Erzbischof