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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Anhausen; Anheilung; Anhelieren; Anholt; Anhur; Anhydride; Anhydrit; Anhydrosäuren; Anhydroxyde; Ani

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Anhausen - Ani.

zweiten Sohn des Herzogs August Ludwig, nach Erwerbung der Herrschaft Pleß in Oberschlesien 1765 als Sekundogenitur gestiftet worden. Ferdinand trat 1825 nebst seiner Gemahlin in Paris zur katholischen Kirche über und führte die Barmherzigen Brüder und die Jesuiten in Köthen ein. Ihm folgte 1830 sein Bruder Heinrich, der bisher die Sekundogenitur A.-Köthen-Pleß innegehabt hatte. Diese ging nun wieder auf den jüngern Bruder, Ludwig, über, der aber selbst 1841 kinderlos starb. Herzog Heinrich trat hierauf das Fürstentum Pleß 16. Febr. 1846 dem nächsten Fideikommißerben, dem Grafen von Hochberg-Fürstenstein, gegen eine lebenslängliche Rente von 30,000 Thlr. ab. Die völlige Zerrüttung der finanziellen Angelegenheiten des Herzogtums, welche 1845 an den Tag kam (die Staatsschuld bezifferte sich auf 4,323,249 Thlr.), ist ihm nicht zur Last zu legen, sondern datierte aus frühern Zeiten. Die Agnaten und Preußen nahmen sich der Sache an, und einem preußischen Beamten, der in köthensche Dienste trat, v. Goßler, gelang es, wenigstens finanzielle Ordnung einzuführen, wie er sich auch als Minister Vertrauen im Land erwarb. Der Herzog starb ohne Leibeserben 23. Nov. 1847, worauf der Herzog von A.-Dessau als Senior für die beiden andern Linien von A.-Köthen Besitz ergriff und es auf Grund des 5. Febr. 1853 abgeschlossenen Vertrags mit A.-Dessau vereinigte. Vgl. Beckmann, Historie des Fürstentums A. (Wittenb. 1710, 7 Tle.); Stenzel, Handbuch der anhaltischen Geschichte (Dessau 1820); G. Krause, Urkunden, Aktenstücke und Briefe zur Geschichte der anhaltischen Lande und ihrer Fürsten unter dem Druck des Dreißigjährigen Kriegs (Leipz. 1862-66, 5 Bde.); in kürzerer Fassung: Heine, Geschichte des Landes A. und seiner Fürsten (Köthen 1866); Siebigk, Das Herzogtum A. Historisch, geographisch und statistisch dargestellt (Dessau 1867).

Anhausen, s. Auhausen.

Anheilung, s. Transplantation.

Anhelieren (lat.), keuchen.

Anholt, 1) dän. Eiland im Kattegat, Amt Aalborg, 20 qkm groß, ist größtenteils mit Flugsand bedeckt und von gefährlichen Sandbänken umgeben, hat einen Leuchtturm und (1880) 167 Einw., meist Schiffer und Fischer. -

2) Ehemals reichsunmittelbare, dem Fürsten von Salm-Salm gehörende Herrschaft im preuß. Regierungsbezirk Münster, gehörte bis 1390 den Herren von A., kam dann durch Heirat an die Herren von Gehmen, 1399 an die von Bronchorst, endlich 1637 an den Fürsten Leopold Philipp Karl von Salm. Sie wurde 1800 zur Batavischen Republik (Gelderland) geschlagen und steht seit 1815 unter preußischer Oberhoheit. Der Hauptort A., Stadt im Kreis Borken, an der Alten Yssel, mit ev. und kath. Pfarrkirche, Schloß und (1880) 1894 Einw., ist Residenz des Fürsten.

Anhur, ägypt. Gott, s. Onuris.

Anhydride (v. griech. anydria, "Wasserlosigkeit"), in der Chemie Verbindungen, welche aus Hydraten, Säuren oder Basen durch Wasserverlust entstehen und durch Wasseraufnahme in dieselben übergehen. Die Metalloxyde sind die A. der Metallhydroxyde oder Metalloxydhydrate. Aus Calciumhydroxyd Ca(OH)2 ^[Ca(OH)_{2}] wird durch Erhitzen Calciumoxyd CaO, aus Kaliumhydroxyd 2KOH wird Kaliumoxyd K2O ^[K_{2}O], indem sämtlicher Wasserstoff mit der erforderlichen Menge Sauerstoff in Form von Wasser austritt. Ebenso geben die Säuren A., z. B. Schwefelsäure H2SO4 ^[H_{2}SO_{4}] das Schwefelsäureanhydrid SO3 ^[SO_{3}], und bei den organischen Säuren ist die Anhydridbildung in der Weise aufzufassen, daß an die Stelle des durch Metall vertretbaren Wasserstoffs der Säuren ein Säureradikal tritt. Aus Essigsäure C2H3O.OH ^[C_{2}H_{3}O.OH] entsteht z. B. das Essigsäureanhydrid C2H3O.O.C2H2O ^[C_{2}H_{3}O.O.C_{2}H_{2}O]; doch kann statt des Radikals der Essigsäure auch das Radikal einer andern Säure an die Stelle des Wasserstoffs treten, wodurch ein gemischtes Anhydrid entsteht. Die A. haben den Charakter der Säuren oder Basen vollständig verloren, gehen aber bei Berührung mit Wasser oft sehr leicht wieder in solche über. Verbindungen, welche die Gruppe OH mehrmals enthalten, können unter Umständen unvollständige A., sogen. Anhydroxyde, bilden. Neben Eisenhydroxyd Fe2H6O6 ^[Fe_{2}H_{6}O_{6}] und Eisenoxyd Fe2O3 ^[Fe_{2}O_{3}] bestehen noch Goethit Fe2H2O4 ^[Fe_{2}H_{2}O_{4}] und Brauneisenstein Fe4H6O9 ^[Fe_{4}H_{6}O_{9}].

Anhydrit (v. griech. anydria, "Wasserlosigkeit"; Karstenit, Muriacit), Mineral aus der Ordnung der Sulfate, kristallisiert rhombisch, doch sind gute Kristalle selten. Meist tritt er derb in körnigen oder fast dichten Aggregaten auf und durchzieht z. B. als solcher in Wieliczka und Bochnia das Steinsalz und den Salzthon in eigentümlichen Windungen (Gekrösestein). Er ist gewöhnlich weiß, selten bläulich oder rötlich gefärbt, glasglänzend, durchsichtig und durchscheinend, Härte 3-3,5, spez. Gew. 2,8-3. Er besteht aus wasserfreiem schwefelsauren Kalk CaSO4 ^[CaSO4] und findet sich in großen, meist unregelmäßig ausgedehnten Massen mit Gips und Steinsalz in den Salzgebirgen verschiedener Formationen, namentlich der Dyas, Trias und des Tertiär, eingelagert. Im Verhältnis zum Gips (wasserhaltiger schwefelsaurer Kalk) bildet er gewöhnlich die untern oder innern Kernmassen, und es ist sehr wahrscheinlich, daß der meiste Gips in der Natur aus A. durch Aufnahme von Wasser hervorgegangen ist. Hierbei wurde das Volumen bedeutend vergrößert, und das Gestein übte daher einen sehr heftigen Kristallisationsdruck auf die Umgebung aus, woraus sich die Störungen im Schichtenbau erklären, welche man meistens in der Nähe von Gipslagern beobachtet. Über die Bildungsweise des natürlichen Anhydrits war man lange Zeit im unklaren. Unter Anwendung von Schmelzfluß läßt sich auf mannigfache Weise kristallisierter A. erhalten, doch widerspricht das geognostische Vorkommen einer plutonischen Bildungsweise. Aus einer Lösung von schwefelsaurem Kalk in Wasser wird unter gewöhnlichen Verhältnissen Gips und kein A. abgeschieden. Bei stärkerm Druck bildet sich aber wasserärmerer schwefelsaurer Kalk, wie manche Kesselsteine darthun. Erhitzt man Gips mit gesättigter Kochsalzlösung und überschüssigem Kochsalz in zugeschmolzenen Glasröhren, so bilden sich schon bei 120-130° C. Anhydritkristalle; bei gewöhnlicher Temperatur wird aus derselben Lösung Gips abgeschieden. Es scheint also bei niederer Temperatur der schwefelsaure Kalk der Kochsalzlösung, bei höherer Temperatur die Kochsalzlösung dem Gips das Wasser zu entziehen. Übrigens ist auch mancher Gips in der Natur durch Umwandlung aus kohlensaurem Kalk entstanden (s. Gips). Der körnige A. wird vielfach zu Statuetten und Ornamenten verarbeitet; pulverisiert und gebrannt, nimmt er zwar Wasser auf, erhärtet aber nicht zur einheitlichen Masse wie gebrannter Gips, kann also diesen nicht ersetzen.

Anhydrosäuren, s. Säuren.

Anhydroxyde, s. Anhydride.

Ani, Ruinenstadt im russisch-kaukas. Gouvernement Eriwan, Kreis Alexandropol, 1338 m ü. M., am Arpatschai zwischen hohen Felswänden, welche, voller Höhlen und Grotten, vormals eine bewohnte troglo-^[folgende Seite]